Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 3990 (Antikörpersuchtest): Erfahren Sie alles über Indikationen, Abrechnungssätze, typische Fehler und die korrekte Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3990
Antikörpersuchtest (Antikörper gegen Erythrozytenantigene) mit mindestens zwei verschiedenen Test-Erythrozyten-Präparationen im NaCl- oder Enzymmilieu
Die GOÄ-Ziffer 3990 beschreibt eine grundlegende immunhämatologische Laboruntersuchung zum Nachweis freier, irregulärer Antikörper im Serum oder Plasma des Patienten. Diese Antikörper richten sich gegen erythrozytäre Antigene außerhalb des ABO-Systems. Die Leistung erfordert zwingend den Einsatz von mindestens zwei unterschiedlichen Test-Erythrozyten-Präparationen, um ein breites Spektrum klinisch relevanter Antigene abzudecken. Die Durchführung erfolgt wahlweise im Kochsalz- (NaCl) oder im Enzymmilieu.
GOÄ 3990 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen
Die Bestimmung von Antikörpern gegen Erythrozytenantigene ist ein zentraler Baustein der Transfusionsmedizin und der pränatalen Diagnostik. Typische klinische Situationen umfassen die reguläre Schwangerschaftsvorsorge zur frühzeitigen Erkennung einer Rhesus-Inkompatibilität oder anderer mütterlicher Alloantikörper. Ebenso ist die Untersuchung vor jeder geplanten Bluttransfusion im Rahmen der Verträglichkeitsprüfung (Type and Screen) zwingend erforderlich. Auch bei Verdacht auf eine hämolytische Transfusionsreaktion oder eine autoimmunhämolytische Anämie liefert dieser Test entscheidende diagnostische Hinweise.
Fallbeispiel 1: Reguläre Schwangerschaftsvorsorge
Eine schwangere Patientin stellt sich zur Erstuntersuchung in der gynäkologischen Praxis vor. Im Rahmen der Mutterschafts-Richtlinien erfolgt die Bestimmung der Blutgruppe sowie die Durchführung des Antikörpersuchtests. Die Praxis rechnet für den Suchtest die GOÄ-Ziffer 3990 ab. Die Dokumentation umfasst die Indikation Schwangerschaftsvorsorge und das negative Testergebnis.
Fallbeispiel 2: Präoperative Vorbereitung
Vor einer geplanten Hüft-Totalendoprothetik wird bei einem Patienten ein präoperatives Laborprofil erstellt. Da die Wahrscheinlichkeit für den Bedarf von Fremdblut erhöht ist, wird ein Antikörpersuchtest veranlasst. Die Durchführung erfolgt mit zwei Test-Erythrozyten-Präparationen im enzymatischen Milieu. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die GOÄ-Ziffer 3990 neben den Ziffern für die Blutgruppenbestimmung.
Fallbeispiel 3: Abklärung einer unklaren Anämie
Bei einer Patientin mit rasch sinkendem Hämoglobinwert besteht der Verdacht auf eine autoimmunhämolytische Anämie. Zur Abklärung freier Antikörper im Serum wird der Antikörpersuchtest im NaCl-Milieu durchgeführt. Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3990 erfolgt hierbei zur differenzialdiagnostischen Abklärung. Das Ergebnis wird zusammen mit dem direkten Coombs-Test in der Akte dokumentiert.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3990: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3990 ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung mit ähnlichen Suchtests am selben Untersuchungstag. Insbesondere die Abgrenzung zur GOÄ-Ziffer 3991 (Antikörpersuchtest im Coombs-Test) muss beachtet werden. Wenn beide Methoden ohne dokumentierte, differenzierte Fragestellung nebeneinander abgerechnet werden, führt dies regelmäßig zu Beanstandungen durch Privatkassen und Beihilfestellen. Zudem darf die Ziffer nur einmal pro Blutprobe berechnet werden, auch wenn mehrere Test-Erythrozyten-Präparationen zum Einsatz kommen.
Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 3990 setzt voraus, dass tatsächlich mindestens zwei verschiedene Test-Erythrozyten-Präparationen verwendet wurden. Die Verwendung nur eines einzigen Testansatzes erfüllt den Leistungsinhalt nicht und führt bei einer Überprüfung zum Honorarausschluss.
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Dokumentation der GOÄ 3990: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist die beste Absicherung gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die spezifische Indikation, die angewandte Methodik (z. B. NaCl-Milieu) und die Identifikationsnummern der verwendeten Test-Erythrozyten-Präparationen festgehalten werden. Das Testergebnis muss eindeutig als positiv oder negativ dokumentiert sein. Bei einem positiven Befund sollte zudem der Hinweis auf die notwendige weiterführende Antikörperspezifizierung vermerkt werden.
Dokumentation: Antikörpersuchtest nach GOÄ 3990 durchgeführt im NaCl-Milieu unter Verwendung der Test-Zellen-Chargen AZ-102 und AZ-103. Befund: Negativ. Keine irregulären Antikörper nachweisbar.
GOÄ 3990: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Leistung des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) unterliegt die GOÄ 3990 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz (4,69 €), der Höchstsatz beim 1,3-fachen Satz (5,30 €). Eine Steigerung über den Schwellenwert von 1,15 hinaus ist nur bei erhöhtem Aufwand zulässig. Typische Begründungen sind extrem zähflüssige Proben, das Vorliegen störender Kälteagglutinine oder ein stark lipämisches Serum, welches zusätzliche Zentrifugationsschritte erfordert.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 3990 wird in der Praxis selten isoliert erbracht. Häufige und zulässige Kombinationen umfassen die Blutgruppenbestimmung (GOÄ 3980) und die Bestimmung des Rhesusfaktors (GOÄ 3981). Auch die Kombination mit dem direkten Coombstest (GOÄ 3995) ist bei entsprechender klinischer Fragestellung möglich und erstattungsfähig.
Tipp: Achten Sie bei der Kombination von GOÄ 3990 und GOÄ 3991 darauf, dass die medizinische Notwendigkeit für beide unterschiedlichen Testverfahren (NaCl/Enzym vs. Coombs-Test) aus der Dokumentation hervorgeht, um Rückfragen der Kostenträger zu vermeiden.
Ziffer 3990 in der neuen GOÄ
Der Antikörpersuchtest mit zwei verschiedenen Test-Erythrozyten-Präparationen im NaCl- oder Enzymmilieu wird zur neuen Nummer 11768 — „Antikörpersuchtest, (2er), insgesamt je Milieu" — mit einem festen Satz von 8,91 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 4,69 €). Die Abrechnungseinheit je Milieu entspricht der alten Logik: Ein Ansatz deckt genau ein Milieu ab. Nicht neben den Nummern 11770 oder 11775 berechnungsfähig.
\nStand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3990
Was hat nicht gestimmt?