GOÄ 4027: Östriol-Bestimmung korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 4027
Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Östriol
Punktzahl 250  
Einfachsatz 14,57 € 1,0x
Regelhöchstsatz 16,76 € 1,1x
Höchstsatz 18,94 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4027

Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Östriol

Die Gebührenziffer 4027 beschreibt die quantitative Bestimmung des Hormons Östriol im Labor. Diese Untersuchung erfolgt mittels eines sogenannten Ligandenassays, einer hochspezifischen immunologischen Nachweismethode. Die Leistung umfasst standardmäßig auch eventuell notwendige Doppelbestimmungen sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve zur Kalibrierung.

Gemäß den allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) ist die Angabe des untersuchten Parameters auf der Liquidation zwingend erforderlich. Ohne die explizite Nennung von 'Östriol' ist die Rechnung formal fehlerhaft.

GOÄ 4027 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen

Die Bestimmung von Östriol (insbesondere des freien Östriols) spielt eine zentrale Rolle in der Schwangerschaftsüberwachung. Als wichtiges Östrogen, das von der fetoplazentaren Einheit gebildet wird, dient es der Beurteilung des fetalen Zustands. Ein plötzlicher Abfall des Östriolspiegels kann auf eine Plazentainsuffizienz oder eine Gefährdung des ungeborenen Kindes hinweisen.

Außerhalb der Schwangerschaft wird die Ziffer seltener angewendet, kann jedoch bei der Abklärung von Hormonbildungsstörungen oder ovariellen Funktionsstörungen relevant sein. Die präzise quantitative Erfassung ermöglicht eine fundierte therapeutische Entscheidung.

Tipp: Achten Sie bei der Anforderung im Laborblatt darauf, ob freies oder gesamtes Östriol bestimmt werden soll, da dies für die klinische Interpretation entscheidend ist.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4027

Fallbeispiel 1: Überwachung bei Verdacht auf Plazentainsuffizienz

Eine schwangere Patientin in der 34. Schwangerschaftswoche stellt sich mit verminderten Kindsbewegungen vor. Zum Ausschluss einer chronischen Plazentainsuffizienz wird eine Blutprobe entnommen und die Bestimmung von freiem Östriol veranlasst. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4027 zum Regelsatz.

Fallbeispiel 2: Abklärung einer fetalen Entwicklungsverzögerung

Bei einer sonografisch diagnostizierten fetalen Entwicklungsverzögerung wird im Rahmen der erweiterten Diagnostik der Östriol-Spiegel bestimmt. Neben der Ziffer 4027 werden die entsprechenden geburtshilflichen und sonografischen Leistungen liquidiert. Die Indikation wird in der Akte dokumentiert.

Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei bekannter Risikoschwangerschaft

Bei einer Patientin mit insulinpflichtigem Gestationsdiabetes erfolgt eine engmaschige Überwachung bei einer Risikoschwangerschaft. Zur Beurteilung der plazentaren Funktion wird wöchentlich Östriol bestimmt. Jede einzelne Bestimmung wird über die Ziffer 4027 abgerechnet, wobei das jeweilige Datum anzugeben ist.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4027: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4027 ist das Fehlen der konkreten Parameterangabe auf der Rechnung. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen weisen Rechnungen oft zurück, wenn lediglich die Ziffer ohne den Zusatz 'Östriol' aufgeführt ist. Die Angabe ist nach den Abrechnungsbestimmungen obligat.

Zudem darf die Ziffer nicht mehrfach für dieselbe Probe berechnet werden, selbst wenn eine Doppelbestimmung zur Qualitätssicherung durchgeführt wurde. Diese ist mit der Gebühr bereits abgegolten. Auch die Kombination mit anderen unspezifischen Hormonbestimmungen am selben Untersuchungstag muss medizinisch begründet sein.

Achtung: Die Abrechnung von Ziffer 4027 setzt voraus, dass die Analyse tatsächlich mittels Ligandenassay durchgeführt wurde. Andere methodische Verfahren müssen nach den entsprechenden Ziffern des Abschnitts M liquidiert werden.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 4027: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation (z. B. Verdacht auf Plazentainsuffizienz) sowie das exakte Datum und die Uhrzeit der Blutentnahme festgehalten werden. Auch der Laborbefund selbst muss dauerhaft archiviert werden.

Bei der Abrechnung über dem Regelsatz (z. B. Faktor 1,3) ist die medizinische Begründung direkt in der Rechnung zu dokumentieren. Hierbei sollten spezifische Erschwernisse wie eine schwierige Probenaufbereitung oder dringliche Notfallanalysen genannt werden, um den Höchstsatz (1,3×) zu rechtfertigen.

Dokumentation: 34. SSW, V. a. Plazentainsuffizienz bei Gestationsdiabetes. Blutentnahme zur Bestimmung von freiem Östriol (GOÄ 4027). Laborbefund erhalten und archiviert.

GOÄ 4027: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die GOÄ-Ziffer 4027 gehört zum Abschnitt M III (Speziallabor) und unterliegt einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Gebührenrahmen reicht vom 1,0-fachen bis zum 1,3-fachen Satz, wobei der 1,15-fache Satz als Regelhöchstsatz gilt. Eine Steigerung auf den Höchstsatz (1,3×) erfordert eine schriftliche Begründung auf der Rechnung, beispielsweise bei extrem zeitaufwendigen Differenzialanalysen.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird die Östriol-Bestimmung im Rahmen eines größeren hormonellen Profils durchgeführt. Sinnvolle Kombinationen bestehen oft mit anderen Hormonanalysen wie HCG (Ziffer 4025) oder Progesteron (Ziffer 4028). Wichtig ist, dass für jeden Parameter die entsprechende Ziffer separat aufgeführt und der jeweilige Parameter explizit genannt wird.

Ziffer 4027 in der neuen GOÄ

Die Östriol-Bestimmung mittels Ligandenassay ist in der neuen GOÄ auf einen klar definierten Anwendungsfall eingeschränkt:

  • 12015 Östriol (Estriol, E3) zur Abklärung eines Down-Syndroms im Rahmen des Quadrupel-Tests (27,82 €)

Für andere Indikationen der Östriol-Bestimmung sieht der Entwurf keinen Nachfolger vor. Die Einschränkung auf den Quadrupel-Test ist neu — die alte Ziffer 4027 kannte keine Indikationsbegrenzung. Heute liegt der 2,3-fache Satz bei 16,76 €.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4027

Die Bestimmung nach GOÄ-Ziffer 4027 kostet im Einfachsatz 14,57 € und im Regelhöchstsatz (1,15-fach) 16,76 €. Der Höchstsatz (1,3-fach) liegt bei 18,94 €. Höhere Faktoren sind für diese Laborleistung nicht zulässig.
Ja, die Angabe des untersuchten Parameters ist gemäß den Bestimmungen der GOÄ zwingend erforderlich. Ohne die explizite Nennung von 'Östriol' kann der Kostenträger die Erstattung verweigern. Dies dient der Transparenz der erbrachten Laborleistung.
Nein, eine eventuell erforderliche Doppelbestimmung ist mit der Gebühr für die Ziffer 4027 bereits abgegolten. Sie darf nicht als separate Leistung oder über eine zusätzliche Ziffer abgerechnet werden. Dies gilt auch für die Erstellung der Bezugskurve.
Da die Ziffer 4027 zum Speziallabor gehört, liegt der maximale Steigerungsfaktor beim 1,3-fachen Satz. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-fache der Gebühr. Eine Überschreitung des 1,3-fachen Satzes ist gesetzlich ausgeschlossen.
Die typische Indikation ist die Überwachung von Risikoschwangerschaften, insbesondere bei Verdacht auf Plazentainsuffizienz. Auch die Abklärung von fetalen Wachstumsstörungen oder hormonellen Dysfunktionen außerhalb der Schwangerschaft rechtfertigt die Untersuchung. Die Indikation muss stets dokumentiert sein.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich