GOÄ 4070: Thyreoglobulin-Bestimmung korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 4070
Thyreoglobulin , Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve sowie Kontroll­ansatz für Anti-Thyreoglobulin-Antikörper –
Punktzahl 900  
Einfachsatz 52,46 € 1,0x
Regelhöchstsatz 60,33 € 1,1x
Höchstsatz 68,20 € 1,3x

Die Bestimmung von Thyreoglobulin nach GOÄ-Ziffer 4070 ist ein Eckpfeiler der Schilddrüsendiagnostik. Erfahren Sie alles zu Indikation und Abrechnung.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4070

Thyreoglobulin , Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve sowie Kontroll­ansatz für Anti-Thyreoglobulin-Antikörper –

Die GOÄ-Ziffer 4070 beschreibt die quantitative Bestimmung von Thyreoglobulin mittels eines Ligandenassays. Diese hochspezifische Laborleistung umfasst neben der eigentlichen Messung auch die obligate Doppelbestimmung sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve. Ein zentraler Bestandteil dieser Ziffer ist zudem der integrierte Kontrollansatz zur Identifikation störender Autoantikörper.

Da Thyreoglobulin ausschließlich im Schilddrüsengewebe synthetisiert wird, dient es als präziser Marker für das Vorhandensein von funktionellem Schilddrüsengewebe. Die Erbringung dieser Leistung erfordert im Labor eine präzise Methodik, um klinisch verlässliche Aussagen treffen zu können. Die Einordnung im Abschnitt M III.14 unterstreicht den Charakter als spezialisierte hormonelle Laboruntersuchung.

GOÄ 4070 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen

Die klinische Hauptindikation der GOÄ 4070 liegt in der langfristigen Tumornachsorge von Patienten mit differenziertem Schilddrüsenkarzinom. Nach einer vollständigen operativen Entfernung der Schilddrüse und anschließender Radiojodtherapie darf im Blut kein Thyreoglobulin mehr nachweisbar sein. Ein erneuter Anstieg oder der Nachweis des Proteins deutet hochgradig auf ein Rezidiv oder eine Metastasierung hin.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Differenzialdiagnostik der Hyperthyreose. Hierbei lässt sich eine endogene floride Hyperthyreose mit erhöhten Werten von einer künstlich herbeigeführten Thyreotoxicosis factitia abgrenzen, bei der die Werte extrem niedrig ausfallen. Auch bei dem Verdacht auf eine angeborene Athyreose bei Neugeborenen liefert die Bestimmung entscheidende diagnostische Hinweise.

Zur Steigerung der diagnostischen Sensitivität kann vor der Blutentnahme eine Stimulation mit rekombinantem TSH (rTSH) erfolgen. Dieses standardisierte Verfahren führt dazu, dass selbst kleinste Mengen verbliebenen Schilddrüsengewebes Thyreoglobulin freisetzen. Die Blutentnahme erfolgt in diesem Fall exakt am fünften Tag nach der ersten rTSH-Applikation.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4070

Fallbeispiel 1: Tumornachsorge nach Schilddrüsenkarzinom

Ein Patient stellt sich zur regelmäßigen Nachsorge nach totaler Thyreoidektomie und Radiojodtherapie wegen eines papillären Schilddrüsenkarzinoms vor. Zur Überprüfung der Tumorfreiheit wird das Serum auf Thyreoglobulin untersucht. Die Bestimmung erfolgt mittels Ligandenassay inklusive des geforderten Kontrollansatzes. Die Abrechnung erfolgt korrekt nach der GOÄ-Ziffer 4070 mit dem Regelsatz von 1,15.

Fallbeispiel 2: Verdacht auf Thyreotoxicosis factitia

Eine Patientin präsentiert sich mit Symptomen einer ausgeprägten Hyperthyreose, wobei der Verdacht auf eine heimliche Einnahme von Schilddrüsenhormonen besteht. Zur Abklärung wird Thyreoglobulin im Serum bestimmt. Der gemessene Wert ist extrem niedrig, was den Verdacht auf eine exogene Zufuhr bestätigt. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4070 zur differenzialdiagnostischen Abklärung.

Fallbeispiel 3: rTSH-stimulierte Thyreoglobulin-Bestimmung

Im Rahmen der Tumornachsorge soll die Sensitivität des Thyreoglobulin-Nachweises durch eine rTSH-Stimulation maximiert werden. Dem Patienten wird an zwei aufeinanderfolgenden Tagen rTSH intramuskulär appliziert, gefolgt von der Blutentnahme am fünften Tag. Neben den Injektionsleistungen wird die anschließende Laboranalyse über die GOÄ-Ziffer 4070 liquidiert.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4070: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4070 ist die zusätzliche, separate Berechnung des Kontrollansatzes. Dieser sogenannte Wiederfindungstest ist jedoch explizit in der Leistungsbeschreibung der Ziffer 4070 enthalten. Eine gesonderte Rechnungsstellung dieses methodischen Schrittes führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.

Zudem wird der Kontrollansatz oft fälschlicherweise mit dem eigenständigen Nachweis von Autoantikörpern verwechselt. Während der Kontrollansatz lediglich der Validierung des Messergebnisses dient, stellt der direkte Nachweis von Anti-Thyreoglobulin-Antikörpern eine eigenständige Leistung dar. Diese Verwechslung führt in der Praxis häufig zu Honorarverlusten oder fehlerhaften Abrechnungen.

Achtung: Der in der Leistungslegende genannte Kontrollansatz ist kein Ersatz für die eigenständige Bestimmung von Thyreoglobulin-Antikörpern (TAK) nach GOÄ-Ziffer 3876. Letztere muss bei klinischer Notwendigkeit separat verschlüsselt werden.

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Dokumentation der GOÄ 4070: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist essenziell, um die Abrechnung der GOÄ 4070 gegenüber Prüfstellen abzusichern. In der Patientenakte müssen die spezifische Indikation, wie beispielsweise der Verdacht auf ein Rezidiv, sowie das angewandte Testverfahren klar festgehalten werden. Auch das Ergebnis des Wiederfindungstests sollte dokumentiert werden.

Besonders bei der Durchführung einer rTSH-stimulierten Bestimmung müssen die exakten Applikationszeitpunkte der Injektionen sowie der genaue Zeitpunkt der Blutentnahme dokumentiert sein. Dies belegt die Einhaltung des medizinisch notwendigen Protokolls und sichert die Abrechnung ab.

Dokumentation: Bestimmung von Thyreoglobulin im Serum mittels Ligandenassay zur Tumornachsorge bei Zustand nach papillärem Schilddrüsenkarzinom. Kontrollansatz (Wiederfindungstest) durchgeführt und mit einer Wiederfindungsrate von 98 % validiert.

GOÄ 4070: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Laborleistung des Abschnitts M ist die GOÄ 4070 standardmäßig mit dem 1,15-fachen Gebührensatz bewertet. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur unter Angabe einer schriftlichen, patientenbezogenen Begründung zulässig. Typische Begründungen sind ein außergewöhnlich hoher Analyseaufwand durch starke Probeninterferenzen oder die Notwendigkeit wiederholter Kontrollansätze bei unklaren Wiederfindungsraten.

Typische Ziffernkombinationen

In der klinischen Praxis wird die GOÄ 4070 häufig mit weiteren Schilddrüsenparametern kombiniert. Sinnvoll und zulässig ist die gemeinsame Abrechnung mit den freien Schilddrüsenhormonen fT3 und fT4 sowie dem basalen TSH-Wert. Zu Beginn einer Tumornachsorge empfiehlt sich zudem die einmalige direkte Bestimmung der Autoantikörper nach GOÄ-Ziffer 3876, um eine generelle Interferenzneigung des Patienten im Vorfeld abzuklären.

Tipp: Bestimmen Sie bei der ersten Tumornachsorge immer die Anti-Thyreoglobulin-Antikörper direkt mit der GOÄ-Ziffer 3876 mit. Dies liefert eine wichtige Baseline für alle zukünftigen Thyreoglobulin-Messungen.

Ziffer 4070 in der neuen GOÄ

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Die Thyreoglobulin-Bestimmung mittels Ligandenassay wird zur neuen Nummer 12712 — „Thyreoglobulin" — mit 35,39 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 60,33 €). Ein inhaltlicher Unterschied zur alten Ziffer ist zu beachten: Die alte 4070 verlangte den Anti-Thyreoglobulin-Antikörper-Kontrollansatz zwingend; die neue Legende nennt den Bestätigungstest (Wiederfindung) nur als optionale Ergänzung — er ist nicht mehr verpflichtend eingeschlossen.

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Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4070

Die Bestimmung ist primär in der Tumornachsorge des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms nach vollständiger Schilddrüsenentfernung indiziert. Zudem dient sie zur Abklärung einer angeborenen Athyreose sowie zur Differenzierung zwischen einer floriden Hyperthyreose und einer Thyreotoxicosis factitia.
Nein, der Kontrollansatz zur Absicherung gegen störende Autoantikörper ist obligater Bestandteil der Leistung. Eine separate Abrechnung dieses Wiederfindungstests ist nach den Bestimmungen der GOÄ ausgeschlossen.
Der Kontrollansatz in Ziffer 4070 ist ein rein methodischer Wiederfindungstest zur Validierung des Thyreoglobulin-Messwerts. Die GOÄ-Ziffer 3876 hingegen bezeichnet den eigenständigen, direkten quantitativen Nachweis von Anti-Thyreoglobulin-Antikörpern im Serum des Patienten.
Ja, eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Satz ist bei medizinischer Begründung möglich. Typische Gründe sind ein außergewöhnlich hoher Analyseaufwand durch starke Probeninterferenzen oder die Notwendigkeit wiederholter Kontrollansätze bei unklaren Wiederfindungsraten.
Die vorherige Gabe von rekombinantem TSH (rTSH) dient der Stimulation von eventuell verbliebenem Schilddrüsengewebe vor der Blutentnahme. Dies erhöht die Sensitivität des Thyreoglobulin-Nachweises in der Tumornachsorge erheblich, wobei die rTSH-Injektionen separat abgerechnet werden.
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