Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3876
Untersuchung auf Antikörper mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Thyreoglobulin
Die Gebührenziffer 3876 beschreibt eine spezialisierte Laborleistung aus dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) der GOÄ. Sie dient dem Nachweis von Thyreoglobulin-Antikörpern (Tg-AK) mittels eines Ligandenassays.
Diese Methode umfasst standardmäßig auch eventuell notwendige Doppelbestimmungen sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve zur Qualitätssicherung. Eine gesonderte Abrechnung dieser Teilschritte ist daher ausgeschlossen.
Gemäß den allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M müssen die konkret untersuchten Parameter auf der Liquidation zwingend namentlich angegeben werden. Dies sichert die Transparenz der Abrechnung gegenüber dem Kostenträger.
GOÄ 3876 in der Praxis: Indikation und klinischer Nutzen
Die Bestimmung von Thyreoglobulin-Antikörpern ist ein zentraler Baustein in der Schilddrüsendiagnostik. Typische Indikationen umfassen den Verdacht auf autoimmune Schilddrüsenerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow.
Ein weiterer, hochrelevanter Einsatzbereich ist die Nachsorge beim differenzierten Schilddrüsenkarzinom. Hier dient die Tg-AK-Bestimmung als unverzichtbarer Störfaktornachweis, da das Vorhandensein von Autoantikörpern die Messung des Tumormarkers Thyreoglobulin verfälschen kann.
Tipp: Bestimmen Sie bei der Verlaufskontrolle von Schilddrüsenkarzinomen stets Thyreoglobulin und Tg-AK gemeinsam, um falsch-negative Tumormarker-Ergebnisse sicher auszuschließen.
Die Abgrenzung zu anderen Antikörpertests wie den TPO-Antikörpern (GOÄ 3877) oder TRAK (GOÄ 3875) ist klinisch essenziell. Jede dieser Bestimmungen besitzt eine eigene medizinische Indikation und ist bei entsprechender Fragestellung separat berechnungsfähig.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3876
Fallbeispiel 1: Erstdiagnostik bei Verdacht auf Hashimoto-Thyreoiditis
Eine Patientin stellt sich mit chronischer Müdigkeit, Gewichtszunahme und einer tastbaren Struma vor. Zur Abklärung einer autoimmunen Thyreopathie veranlasst der Arzt eine umfassende Labordiagnostik.
Neben den Schilddrüsenhormonen erfolgt die Bestimmung der Thyreoglobulin-Antikörper zur Diagnosesicherung. Die Abrechnung erfolgt korrekt mit der GOÄ-Ziffer 3876 neben den Hormonparametern.
Fallbeispiel 2: Tumornachsorge nach Thyreoidektomie
Ein Patient befindet sich in der regelmäßigen Nachsorge nach operiertem papillärem Schilddrüsenkarzinom. Zur Überwachung eines Rezidivs wird das Thyreoglobulin gemessen.
Da Autoantikörper den Tg-Wert maskieren können, muss zwingend die Tg-AK-Konzentration bestimmt werden. Die medizinische Begründung dokumentiert diesen Störfaktorausschluss, was die Abrechnung der GOÄ 3876 vollumfänglich rechtfertigt.
Fallbeispiel 3: Differenzialdiagnostik bei unklarem Ultraschallbefund
Im Sonogramm zeigt sich ein echoarmes, inhomogenes Muster der Schilddrüse ohne eindeutige Knoten. Zur Differenzierung zwischen einer de Quervain-Thyreoiditis und einer Hashimoto-Thyreoiditis wird das Labor herangezogen.
Der Nachweis erhöhter Tg-AK sichert die Diagnose der autoimmunen Form. Die Abrechnung der GOÄ 3876 ist hierbei der Schlüssel zur präzisen laborchemischen Untermauerung des Ultraschallbefundes.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3876: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt in der mangelnden Spezifizierung des untersuchten Parameters auf der Rechnung. Die Angabe "Ligandenassay" oder "Antikörpertest" reicht nicht aus; es muss explizit Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-AK) aufgeführt sein.
Zudem versuchen private Krankenversicherungen gelegentlich, die parallele Abrechnung von Tg-AK (GOÄ 3876) und TPO-AK (GOÄ 3877) als unzulässige Doppelbestimmung darzustellen. Dies ist jedoch unzulässig, da es sich um zwei völlig unterschiedliche Zielantigene handelt.
Achtung: Achten Sie darauf, dass bei einer gemeinsamen Bestimmung von Tg-AK und TPO-AK beide Ziffern (3876 und 3877) mit ihrer jeweiligen medizinischen Indikation in der Akte hinterlegt sind, um Rückfragen zu vermeiden.
Auch die Abrechnung von Doppelbestimmungen zur laborinternen Qualitätskontrolle führt regelmäßig zu Beanstandungen. Solche internen Kontrollen sind mit der Gebühr der Ziffer 3876 bereits abgegolten und dürfen nicht mehrfach berechnet werden.
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Dokumentation der GOÄ 3876: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation schützt vor Honorarkürzungen bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen. In der Patientenakte müssen die spezifische Fragestellung und das quantitative oder qualitative Testergebnis dokumentiert werden.
Besonders bei der Tumornachsorge sollte der direkte Bezug zur Thyreoglobulin-Messung schriftlich festgehalten werden. Dies verdeutlicht dem Prüfer sofort die medizinische Notwendigkeit der parallelen Bestimmung.
Dokumentation: V. a. Hashimoto-Thyreoiditis bei sonografisch inhomogenem Schallmuster. Veranlassung Tg-AK (GOÄ 3876) zur Bestätigung der Autoimmunpathologie. Ergebnis: Tg-AK erhöht (350 IU/ml).
Die Aufbewahrung der originalen Laborbefunde inklusive der Referenzbereiche des Labors ist ebenfalls obligatorisch, um im Zweifelsfall die medizinische Plausibilität nachweisen zu können.
GOÄ 3876: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Leistung des Speziallabors unterliegt die GOÄ 3876 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt bei dem 1,15-fachen Satz, während der maximale Höchstsatz das 1,3-fache der Gebühr beträgt.
Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 1,15 bis zum 1,3-fachen Satz erfordert eine schriftliche, patientenbezogene Begründung. Typische Gründe sind ein ungewöhnlich hoher Analyseaufwand oder schwierige Probenverhältnisse, beispielsweise durch starke Lipämie oder Hämolyse.
Typische Ziffernkombinationen
In der täglichen Praxis wird die GOÄ 3876 selten isoliert erbracht. Häufige Kombinationspartner sind die Bestimmung von TSH (GOÄ 4024), freien Schilddrüsenhormonen wie fT3 (GOÄ 4021) und fT4 (GOÄ 4022) sowie die TPO-Antikörper nach GOÄ 3877.
Auch die Kombination mit der Sonographie der Schilddrüse (GOÄ 417) ist ein Standardverfahren. Wichtig ist hierbei, dass die Laborleistungen und die bildgebenden Verfahren jeweils eigenständige Diagnoseschritte darstellen und nebeneinander voll berechnungsfähig sind.
Ziffer 3876 in der neuen GOÄ
Der Antikörpernachweis gegen Thyreoglobulin (Tg-AK) wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 11224 — „Thyreoglobulin, IA Autoantikörpernachweis" — mit einem Festpreis von 19,17 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 30,16 €). Zu beachten: Die 11224 kodiert den Antikörper gegen Thyreoglobulin, nicht die Thyreoglobulin-Konzentrationsbestimmung selbst — die Zuordnung ist eindeutig, aber die Namensähnlichkeit kann zu Verwechslungen führen.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3876
Was hat nicht gestimmt?