GOÄ 4120: Delta-ALA korrekt abrechnen – Leitfaden

4 Min. Lesezeit
GOÄ 4120
Delta-Aminolaevulinsäure (Delta-ALS, Delta-ALA) , photometrisch und säulenchromatographisch
Punktzahl 570  
Einfachsatz 33,22 € 1,0x
Regelhöchstsatz 38,20 € 1,1x
Höchstsatz 43,19 € 1,3x

Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4120 (Delta-ALA): Indikationen, typische Fehler und die Kombination mit Kreatinin und PBG im Labor.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4120

Delta-Aminolaevulinsäure (Delta-ALS, Delta-ALA), photometrisch und säulenchromatographisch

Die GOÄ-Ziffer 4120 beschreibt die quantitative Bestimmung der Delta-Aminolävulinsäure (Delta-ALA) im Urin. Diese Laborleistung kombiniert zwei methodische Schritte zu einem einzigen analytischen Verfahren. Zunächst erfolgt die Auftrennung des Substanzgemischs mittels Säulenchromatografie, gefolgt von der spektrometrischen Quantifizierung des Eluats.

Die Ziffer ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) unter der Zifferngruppe für Porphyrine und deren Vorläufer angesiedelt. Da es sich um eine Speziallaborleistung handelt, beträgt der standardmäßige Regelhöchstsatz das 1,15-Fache des Gebührensatzes.

GOÄ 4120 in der Praxis: Diagnostik bei Porphyrie und Bleivergiftung

Die Bestimmung der Delta-ALA ist ein zentraler Baustein in der Diagnostik von Störungen der Häm-Biosynthese. Eine vermehrte Ausscheidung im Urin gibt wichtige Hinweise auf enzymatische Blockaden. Hauptindikation ist der Verdacht auf eine akute Porphyrie, wie die akute intermittierende Porphyrie (AIP) oder die Doss-Porphyrie (DDP).

Klinisch besonders wertvoll ist die Untersuchung von Spontanurin, der idealerweise zwei bis drei Stunden nach Beginn eines akuten Schubs gewonnen wird. Im Gegensatz dazu ist der fehleranfällige 24-Stunden-Sammelurin für diese Akutdiagnostik nicht zu empfehlen. Neben Porphyrien ist die Bestimmung auch bei Verdacht auf eine Bleivergiftung oder andere Schwermetallintoxikationen indiziert.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4120

Fallbeispiel 1: Verdacht auf akute intermittierende Porphyrie (AIP)

Eine Patientin stellt sich mit unklaren, kolikartigen Bauchschmerzen und neurologischen Symptomen vor. Zur Abklärung wird zwei Stunden nach Schmerzbeginn Spontanurin gewonnen. Es erfolgt die Bestimmung von Delta-ALA und Porphobilinogen (PBG) mittels einer kombinierten Doppelsäule. Abgerechnet werden GOÄ 4120, GOÄ 4124 (PBG) sowie die Kreatinin-Bestimmung nach GOÄ 3585.H1.

Fallbeispiel 2: Verdacht auf Bleivergiftung im beruflichen Umfeld

Ein Werftarbeiter klagt über chronische Müdigkeit, Kopfschmerzen und obstipative Beschwerden. Aufgrund des Verdachts auf eine gewerbliche Bleiintoxikation wird eine quantitative Delta-ALA-Bestimmung im Urin veranlasst. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4120 in Kombination mit der Bestimmung des Urin-Kreatinins zur Normierung der Ausscheidung.

Fallbeispiel 3: Differenzialdiagnostik bei Hautveränderungen

Bei einem Patienten mit Blasenbildung an den Handrücken besteht Verdacht auf eine Porphyria cutanea tarda (PCT). Zum Ausschluss einer akuten Verlaufsform wird neben den Gesamt-Porphyrinen auch die Delta-ALA bestimmt. Da bei einer PCT eine normale ALA-Ausscheidung zu erwarten ist, dient die GOÄ 4120 hier der wichtigen differenzialdiagnostischen Abgrenzung.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4120: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist der Versuch, die säulenchromatographische Trennung und die anschließende Photometrie als zwei separate Leistungen anzusetzen. Die Leistungsbeschreibung der GOÄ 4120 definiert beide Schritte jedoch explizit als einzelnes, zusammenhängendes Verfahren. Eine getrennte Abrechnung führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.

Zudem wird oft versäumt, die Delta-ALA-Ausscheidung im Spontanurin auf das Urin-Kreatinin zu beziehen. Die hierfür notwendige Kreatinin-Bestimmung wird fälschlicherweise manchmal nicht separat abgerechnet, obwohl dies nach GOÄ 3585.H1 zulässig ist.

Achtung: Die physikochemische Trennung und die anschließende spektrometrische Messung dürfen bei der Nutzung von GOÄ 4120 niemals als eigenständige Einzelleistungen nebeneinander berechnet werden.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 4120: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Honorarkürzungen zu vermeiden. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, der genaue Zeitpunkt der Uringewinnung sowie der Bezug zum Einsetzen der Symptome festgehalten werden. Da die Bestimmung im Spontanurin erfolgt, ist auch der gemessene Kreatinin-Wert zur Normierung zu dokumentieren.

Zudem sollte die angewandte Methode, insbesondere der Einsatz einer Doppelsäule bei gleichzeitiger PBG-Bestimmung, klar aus den Laboraufzeichnungen hervorgehen. Dies sichert die Erstattungsfähigkeit beider Spezialanalysen ab.

Dokumentation: Verdacht auf akute Porphyrie bei unklarem Abdomen. Spontanurin-Entnahme 2,5 Stunden nach Schmerzbeginn. Quantitative Bestimmung von Delta-ALA mittels Ionenaustauschchromatographie und Spektrometrie. Ergebnis: Delta-ALA erhöht auf 35 µmol/mmol Kreatinin (Referenzwert: unter 6,3 µmol/mmol Kreatinin).

GOÄ 4120: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Abschnitts M (Labor) unterliegt die GOÄ 4120 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz (38,20 €). Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 (43,19 €) ist nur bei besonderem Aufwand zulässig, beispielsweise bei schwierigen Probenverhältnissen oder störenden Begleitsubstanzen im Urin, was in der Rechnung detailliert begründet werden muss.

Typische Ziffernkombinationen

In der Praxis wird die GOÄ 4120 fast immer mit der Bestimmung von Porphobilinogen nach GOÄ 4124 kombiniert. Die Verwendung einer modernen Doppelsäule erlaubt die parallele Aufbereitung beider Parameter aus einer Probe und rechtfertigt die Nebeneinanderberechnung. Zusätzlich sollte stets die Kreatinin-Bestimmung nach GOÄ 3585.H1 angesetzt werden, um die ALA-Konzentration korrekt zu normieren.

Tipp: Rechnen Sie bei der Abklärung einer akuten Porphyrie die GOÄ 4120 und die GOÄ 4124 nebeneinander ab. Der Einsatz einer Doppelsäule stellt ein aufwendiges Verfahren dar, das diese Kombination vollumfänglich rechtfertigt.

Ziffer 4120 in der neuen GOÄ

Ziffer 4120 (Delta-Aminolaevulinsäure (Delta-ALS, Delta-ALA), photometrisch und säulenchromatographisch) findet ihren Nachfolger in Nummer 12796 — „Delta-Aminolävulinsäure (5-Aminolävulinsäure, ALS, ALA) Spontanurin, 24-Std.-Urin; Säulenchromatographie (z.B. Ionenaustauschchromatographie), einschließlich Spektrometrie; Auswertung: apparativ- quantitativ.“ — mit festem Satz von 26,17 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 38,20 €).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4120

Die GOÄ-Ziffer 4120 ist mit 570 Punkten bewertet. Dies entspricht einem Einfachsatz von 33,22 € und einem Regelhöchstsatz von 38,20 € bei einem Steigerungsfaktor von 1,15. Der Höchstsatz liegt bei 43,19 €.
Ja, die Bestimmung von Kreatinin im Urin nach GOÄ-Ziffer 3585.H1 ist gesondert berechnungsfähig. Dies ist medizinisch sinnvoll, da die Delta-ALA-Ausscheidung im Spontanurin auf mmol Kreatinin bezogen werden sollte. Bei mehreren Analysen aus demselben Spontanurin ist sie jedoch nur einmal berechenbar.
Ja, die gemeinsame Abrechnung von GOÄ 4120 (Delta-ALA) und GOÄ 4124 (PBG) ist zulässig. Bei Verwendung einer speziellen Doppelsäule zur getrennten Bestimmung beider Parameter aus einer Urinprobe ist dies abrechnungstechnisch voll gerechtfertigt. Dies ist der Standard bei der Abklärung einer akuten Porphyrie.
Für die Diagnostik ist Spontanurin, der 2 bis 3 Stunden nach Beginn eines akuten Schubs gewonnen wird, am besten geeignet. Ein 24-Stunden-Sammelurin bietet keinen diagnostischen Vorteil und ist fehleranfälliger. Zudem spart die Nutzung von Spontanurin wertvolle Zeit in der Akutsituation.
Nein, diese beiden methodischen Schritte gelten im Rahmen der GOÄ-Ziffer 4120 als ein einziges Verfahren. Sie dürfen daher nicht als separate Einzelleistungen abgerechnet werden. Eine getrennte Abrechnung führt regelmäßig zu Beanstandungen durch die privaten Krankenversicherungen.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich