Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4191
Untersuchung mittels Atomabsorption, flammenlos-Arsen - Punktzahl: 410. Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Die GOÄ-Ziffer 4191 beschreibt eine hochspezialisierte physikalisch-chemische Untersuchungsmethode aus dem Bereich der Laboratoriumsmedizin. Konkret handelt es sich um die quantitative Bestimmung von Arsen mittels der flammenlosen Atomabsorptionsspektrometrie (AAS). Diese Methode zeichnet sich durch eine extrem hohe Empfindlichkeit und Spezifität aus, was den Nachweis von Spurenelementen selbst in geringsten Konzentrationen ermöglicht.
Im Gegensatz zur klassischen Flammen-AAS wird bei der flammenlosen Variante (meist unter Verwendung eines Graphitrohrs) eine deutlich geringere Probenmenge benötigt. Die thermische Dissoziation der Probe erfolgt elektrothermisch, was die Nachweisgrenze für Arsen signifikant senkt. Die Ziffer ist im Abschnitt M (Speziallabor) der Gebührenordnung verortet und unterliegt den dortigen Abrechnungsbestimmungen.
GOÄ 4191 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz bei Arsenbelastung
Die Bestimmung von Arsen ist in der klinischen Praxis vor allem bei Verdacht auf akute oder chronische Intoxikationen indiziert. Da Arsen in verschiedenen chemischen Verbindungen vorkommt, die sich in ihrer Toxizität stark unterscheiden, ist eine präzise Analytik unerlässlich. Typische Symptome einer chronischen Arsenvergiftung umfassen Hautveränderungen wie Hyperkeratosen, neurologische Beschwerden oder periphere Durchblutungsstörungen.
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Umweltmedizin sowie die Arbeitsmedizin. Arbeitnehmer, die in der Glasindustrie, der Halbleiterherstellung oder im Bereich des Holzschutzes tätig sind, können einer erhöhten Arsenexposition ausgesetzt sein. Hier dient die Bestimmung mittels flammenloser AAS dem regelmäßigen Biomonitoring zur Gewährleistung des Arbeitsschutzes.
Tipp: Beachten Sie, dass der Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten vor der Probennahme zu physiologisch erhöhten Werten von organischem Arsen führen kann. Für eine präzise Beurteilung sollte der Patient vor der Untersuchung für mindestens 48 Stunden auf den Konsum von Fischprodukten verzichten.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4191
Fallbeispiel 1: Verdacht auf chronische Umweltbelastung
Ein Patient stellt sich mit unklaren neurologischen Beschwerden und Hyperpigmentierungen der Haut in einer umweltmedizinischen Schwerpunktpraxis vor. Aufgrund des Verdachts auf eine chronische Umweltbelastung durch kontaminiertes Trinkwasser wird eine Bestimmung von Arsen im 24-Stunden-Urin veranlasst. Die Analyse erfolgt mittels flammenloser Atomabsorptionsspektrometrie.
Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4191 zum Regelhöchstsatz (1,15-fach), da die Untersuchung im Speziallabor durchgeführt wurde. Auf der Liquidation wird der Parameter Arsen im Urin explizit ausgewiesen.
Fallbeispiel 2: Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung
Ein Mitarbeiter eines metallverarbeitenden Betriebs wird im Rahmen der gesetzlichen Vorsorge auf eine mögliche Arsenexposition hin untersucht. Es erfolgt die Entnahme von Vollblut zur Bestimmung des Arsengehalts mittels flammenloser AAS im externen Labor. Diese arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung dient dem präventiven Gesundheitsschutz.
Das Labor rechnet die Leistung nach GOÄ-Ziffer 4191 ab. Da es sich um eine Routineuntersuchung ohne erschwerende Faktoren handelt, wird der 1,15-fache Satz liquidiert.
Fallbeispiel 3: Akute Intoxikation im Notfalldienst
Ein Patient wird mit schweren Magen-Darm-Beschwerden, Knoblauchgeruch der Atemluft und Kreislaufkollaps eingeliefert. Es besteht der dringende Verdacht auf eine akute Arsenvergiftung. Eine sofortige Bestimmung von Arsen im Magensaft und Urin wird mittels flammenloser AAS durchgeführt.
Aufgrund des erhöhten Aufwands bei der Probenvorbereitung und der Eilbedürftigkeit der Analyse wird die GOÄ-Ziffer 4191 mit dem Höchstsatz (1,3-fach) abgerechnet. Die medizinische Begründung wird auf der Rechnung detailliert angegeben.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4191: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Abrechnungsfehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4191 ist das Fehlen der konkreten Parameterangabe auf der Rechnung. Die GOÄ schreibt explizit vor, dass die untersuchten Parameter anzugeben sind. Eine bloße Nennung der Ziffer ohne den Zusatz "Arsen" führt regelmäßig zu Rückfragen und Kürzungen durch die privaten Krankenversicherungen.
Zudem ist auf die Abgrenzung zu anderen spektrometrischen Verfahren zu achten. Wird die Analyse beispielsweise mittels ICP-MS (Induktiv gekoppeltes Plasma mit Massenspektrometrie) durchgeführt, ist die GOÄ-Ziffer 4191 nicht die korrekte Abrechnungsgrundlage. Hier müssen die entsprechenden Ziffern für massenspektrometrische Untersuchungen herangezogen werden.
Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 4191 ist unzulässig, wenn die Bestimmung des Arsens mit einer einfachen, nicht-flammenlosen Methode oder als Teil eines Suchscreenings ohne quantitative Bestimmung erfolgt. Achten Sie stets auf die Einhaltung der methodischen Vorgaben der Leistungsbeschreibung.
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Dokumentation der GOÄ 4191: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das Fundament einer erfolgreichen Abrechnung und schützt vor Regressforderungen. In der Patientenakte müssen sowohl die klinische Indikation als auch die Details der Probennahme exakt festgehalten werden. Dazu gehören das Datum, die Uhrzeit sowie die Art des Probenmaterials (z. B. Spontanurin, Sammelurin oder Vollblut).
Auch die Laborergebnisse inklusive der Referenzbereiche und der verwendeten Methode (flammenlose AAS) müssen dokumentiert werden. Falls die Untersuchung an ein externes Labor überwiesen wurde, ist der Überweisungsschein sowie der Befundbericht des Labors sorgfältig zu archivieren.
Dokumentation: Verdacht auf chronische Arsenexposition bei beruflicher Belastung. Entnahme von 10 ml Spontanurin am 15.10.2023 um 09:00 Uhr. Anforderung: Quantitative Arsen-Bestimmung mittels flammenloser AAS (GOÄ 4191). Befundeingang extern am 18.10.2023 archiviert.
GOÄ 4191: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 4191 kann im Regelfall bis zum 1,15-fachen Satz gesteigert werden. Eine Erhöhung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist möglich, erfordert jedoch eine einzelfallbezogene, medizinische Begründung. Typische Begründungen für eine Faktorerhöhung sind ein ungewöhnlich hoher Aufwand bei der Probenaufbereitung (z. B. bei stark viskösen oder verunreinigten Proben) oder die Notwendigkeit einer extrem kurzfristigen Notfallanalytik außerhalb der regulären Laborzeiten.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die GOÄ 4191 häufig mit anderen Ziffern des Speziallabors kombiniert, insbesondere wenn ein umfassendes Schwermetall-Screening durchgeführt wird. Sinnvolle Kombinationen umfassen beispielsweise die Bestimmung von Blei (GOÄ 4192) oder Cadmium (GOÄ 4193). Es ist jedoch darauf zu achten, dass jede Ziffer nur einmal pro analysiertem Parameter berechnet werden darf und die jeweiligen Höchstgrenzen für Laborleistungen eingehalten werden.
Ziffer 4191 in der neuen GOÄ
Ziffer 4191 (Untersuchung mittels Atomabsorption, flammenlos-Arsen) findet ihren Nachfolger in Nummer 12837 — „Arsen Vollblut (antikoaguliert), Serum oder Plasma, Urin (z.B. 24-Std.-Urin); z.B. Hydrid-generierende Atomabsorptionsspektrometrie; Auswertung: apparativ-quantitativ.“ — mit festem Satz von 23,41 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 27,48 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4191
Was hat nicht gestimmt?