Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4196
Untersuchung mittels Atomabsorption, flammenlos-Quecksilber
Die Ziffer 4196 beschreibt die hochspezifische quantitative Analyse von Quecksilber mittels flammenloser Atomabsorptionsspektrometrie (AAS). Diese Methode zeichnet sich durch eine extrem niedrige Nachweisgrenze aus, was für den Nachweis chronischer oder akuter Belastungen essenziell ist. Die Leistung ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt M III (Speziallabor), angesiedelt. Die Angabe der untersuchten Parameter auf der Liquidation ist obligatorisch.
GOÄ 4196 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz
Die Bestimmung von Quecksilber kommt vor allem bei umweltmedizinischen und toxikologischen Fragestellungen zum Einsatz. Typische klinische Szenarien umfassen den Verdacht auf eine chronische Quecksilberbelastung, beispielsweise durch Zahnamalgam oder hohen Fischkonsum. Auch bei akuten Intoxikationssymptomen nach Unfällen mit quecksilberhaltigen Geräten ist die Untersuchung indiziert. Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist das arbeitsmedizinische Biomonitoring bei beruflich exponierten Personen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4196
Fallbeispiel 1: Verdacht auf chronische Amalgam-Belastung
Ein Patient klagt über unspezifische neurologische Symptome bei bestehenden Amalgamfüllungen. Es erfolgt eine Bestimmung von Quecksilber im Urin nach einem Mobilisationstest. Die quantitative Bestimmung mittels flammenloser AAS ist medizinisch indiziert zur Objektivierung einer chronischen Belastung. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4196 zum Regelhöchstsatz unter Angabe des Parameters.
Fallbeispiel 2: Akute Intoxikation nach Thermometerbruch
Ein Kind hat versehentlich metallisches Quecksilber aus einem alten Fieberthermometer verschluckt. Zur Abschätzung des systemischen Risikos erfolgt eine rasche quantitative Bestimmung von Quecksilber im Vollblut. Diese Notfallanalytik begründet die sofortige Durchführung der flammenlosen Atomabsorption. Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer 4196 mit dem entsprechenden Parameterhinweis.
Fallbeispiel 3: Arbeitsmedizinisches Biomonitoring
Ein Chemiearbeiter wird im Rahmen der gesetzlichen Vorsorge auf eine berufsbedingte Quecksilberexposition untersucht. Die Überwachung der Grenzwerte erfordert eine präzise quantitative Analyse im Vollblut. Das Labor führt die Messung mittels CV-AAS durch. Die Liquidation erfolgt korrekt über die GOÄ 4196.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4196: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Abrechnungsfehler ist das Fehlen der konkreten Parameterangabe auf der Rechnung. Die GOÄ schreibt explizit vor, dass der untersuchte Parameter genannt werden muss. Fehlt dieser Zusatz, riskieren Praxen eine Beanstandung und den Honorarausfall. Zudem darf die Ziffer nicht für qualitative Screening-Verfahren herangezogen werden.
Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 4196 setzt zwingend die Anwendung der flammenlosen Atomabsorption voraus. Die Verwendung von ICP-MS für Quecksilber muss über andere Ziffern abgerechnet werden, sofern die Leistungsbeschreibung der 4196 methodisch nicht erfüllt ist.
Ein weiterer Fehler betrifft die unzulässige Nebeneinanderberechnung von methodisch identischen Ziffern für denselben Parameter. Private Krankenversicherungen prüfen die Einhaltung der Methodenexklusivität sehr genau. Nur die tatsächlich erbrachte, spezifische Methode darf liquidiert werden.
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Dokumentation der GOÄ 4196: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation schützt vor Regressen und Nachfragen der Kostenträger. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, das Probenmaterial und die angewandte Methode dokumentiert sein. Auch das quantitative Messergebnis inklusive der laborinternen Referenzbereiche gehört zwingend in die Dokumentation.
Dokumentation: Verdacht auf chronische Quecksilberbelastung bei neurologischen Beschwerden. Entnahme von 10 ml Heparin-Vollblut. Analyse mittels flammenloser Atomabsorptionsspektrometrie (CV-AAS). Ergebnis: 3,2 µg/l (Referenzwert < 2,0 µg/l).
Die Aufbewahrungsfristen für die Laborbefunde und die zugehörigen Qualitätskontrollberichte müssen strikt eingehalten werden. Dies erleichtert den Nachweis der ordnungsgemäßen Leistungserbringung im Falle einer Prüfung.
GOÄ 4196: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich um eine Laborleistung des Speziallabors handelt, liegt der Gebührenrahmen zwischen dem 1,0-fachen und 1,3-fachen Satz. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-fache der Gebühr. Eine Steigerung auf das 1,3-fache ist nur mit einer schriftlichen, patientenbezogenen Begründung zulässig. Typische Begründungen sind extreme Matrixeffekte oder eine schwierige Probenaufbereitung bei stark lipämischen Proben.
Tipp: Begründen Sie eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz stets mit laboranalytischen Besonderheiten der konkreten Probe, nicht mit allgemeinen klinischen Diagnosen des Patienten.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 4196 wird häufig mit der Blutentnahme nach Ziffer 250 oder der Uringewinnung kombiniert. Im Rahmen einer umfassenden Schwermetallanalytik ist die Kombination mit anderen spezifischen Metallbestimmungen wie Blei (GOÄ 4194) oder Cadmium (GOÄ 4193) üblich. Jede dieser Ziffern ist eigenständig berechnungsfähig, sofern unterschiedliche Parameter bestimmt werden.
Ziffer 4196 in der neuen GOÄ
Die Leistung wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 12848 — „Quecksilber Vollblut (antikoaguliert), Urin (z.B. 24-Std.-Urin), Speichel“. Festpreis: 23,22 € (aktueller 2,3-facher Satz: 27,48 € — etwas weniger als heute).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4196
Was hat nicht gestimmt?