Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4256
Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Immunfluoreszenz oder ähnlicher Untersuchungsmethoden -Leptospiren (IgA, IgG oder IgM) -
Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Die GOÄ-Ziffer 4256 ist im Abschnitt M II (Speziallabor) der Gebührenordnung für Ärzte verortet. Sie beschreibt den qualitativen Nachweis von spezifischen Antikörpern gegen Leptospiren mittels der indirekten Immunfluoreszenz (IFT) oder vergleichbarer immunologischer Nachweisverfahren. Die Leistung umfasst die Probenvorbereitung, die Durchführung der Analyse sowie die fachliche Beurteilung des Testergebnisses.
Ein wesentlicher Aspekt dieser Ziffer ist die Abrechenbarkeit je Antikörperklasse. Da die Ziffer die Klassen IgA, IgG und IgM separat aufführt, kann der Nachweis verschiedener Immunglobulinklassen nebeneinander berechnet werden. Voraussetzung hierfür ist jedoch die medizinische Notwendigkeit und die getrennte Dokumentation der jeweiligen Parameter auf der Liquidation.
GOÄ 4256 in der Praxis: Diagnostik der Leptospirose
Die klinische Indikation für die Bestimmung von Leptospiren-Antikörpern ergibt sich bei Verdacht auf eine Leptospirose (Morbus Weil). Diese bakterielle Zoonose wird häufig durch Kontakt mit kontaminiertem Wasser oder infizierten Nagetieren übertragen. Typische Symptome umfassen plötzliches hohes Fieber, Kopfschmerzen, ausgeprägte Myalgien (besonders in den Waden) und eine konjunktivale Injektion.
In der Praxis erfolgt die serologische Diagnostik meist zweistufig. Während in der Frühphase der Erkrankung (erste Krankheitswoche) der direkte Erregernachweis im Vordergrund steht, ist ab der zweiten Woche der Antikörpernachweis mittels GOÄ 4256 das Mittel der Wahl. Der Nachweis von IgM-Antikörpern spricht für eine akute Infektion, während IgG-Antikörper eine länger zurückliegende Infektion oder eine Serokonversion anzeigen.
Achtung: Die alleinige Bestimmung von Antikörpern kann in den ersten Tagen der Infektion noch negativ ausfallen. Bei dringendem klinischem Verdacht ist eine Verlaufskontrolle nach 7 bis 14 Tagen medizinisch indiziert und abrechnungstechnisch eigenständig bewertbar.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4256
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Morbus Weil bei Kanalarbeiter
Ein Patient stellt sich mit akutem Fieber, Ikterus und Nierenfunktionseinschränkung vor. Aufgrund der beruflichen Exposition im Kanalisationsbereich besteht der dringende Verdacht auf eine Leptospirose. Es erfolgt die Anforderung von Leptospiren-IgG und Leptospiren-IgM im Serum.
Die Abrechnung erfolgt durch den Ansatz der GOÄ-Ziffer 4256 für den IgM-Nachweis und einer weiteren GOÄ-Ziffer 4256 für den IgG-Nachweis. Beide Parameter werden auf der Rechnung explizit ausgewiesen.
Fallbeispiel 2: Abklärung nach Auslandsaufenthalt
Eine Patientin klagt nach einer Trekkingreise in Südostasien über grippeähnliche Symptome und Wadenschmerzen. Zum Ausschluss einer Leptospiren-Infektion wird ein qualitativer Suchtest auf Leptospiren-Antikörper (IgM) veranlasst.
Der qualitative Nachweis verläuft negativ. Die Abrechnung der erbrachten Laborleistung erfolgt einfach über die GOÄ-Ziffer 4256 mit der Angabe des Parameters "Leptospiren-IgM".
Fallbeispiel 3: Serologische Verlaufskontrolle
Bei einem Patienten mit nachgewiesener Leptospirose soll der Titerverlauf beziehungsweise die Serokonversion kontrolliert werden. Hierzu wird zwei Wochen nach der Erstdiagnose erneut eine Blutprobe entnommen und auf IgG-Antikörper untersucht.
Die erneute Untersuchung ist medizinisch begründet. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4256 (Leptospiren-IgG) unter Angabe des Entnahmedatums zur Verdeutlichung des zeitlichen Abstands.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4256: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Liquidation der GOÄ 4256 ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Rechnung. Der Verordnungstext schreibt explizit vor, dass die untersuchten Parameter (z. B. "Leptospiren-IgG") anzugeben sind. Fehlt diese Angabe, ist die Rechnung formal fehlerhaft und kann von privaten Krankenversicherungen zurückgewiesen werden.
Zudem beanstanden Prüfstellen regelmäßig die unzulässige Doppelabrechnung. Wird aus derselben Probe für dieselbe Antikörperklasse sowohl ein qualitativer Test nach GOÄ 4256 als auch ein quantitativer Test durchgeführt, darf nur eine der Leistungen abgerechnet werden. Die Kombination von qualitativen und quantitativen Verfahren für denselben Antikörpertyp am selben Untersuchungstag ist nicht statthaft.
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Dokumentation der GOÄ 4256: Praxisbewährte Hinweise
Für eine rechtssichere Abrechnung ist eine präzise Dokumentation in der Patientenakte unerlässlich. Neben den klinischen Symptomen und der Anamnese (z. B. Exposition gegenüber Nagetieren oder Oberflächenwasser) müssen das Entnahmedatum, das verwendete Testverfahren (z. B. indirekter Immunfluoreszenztest) und das exakte qualitative Ergebnis festgehalten werden.
Dokumentation: Verdacht auf Leptospirose bei anhaltendem Fieber und Myalgien nach Süßwasserkontakt. Entnahme von Vollblut zur Serumgewinnung. Durchführung des qualitativen Nachweises von Leptospiren-IgM- und IgG-Antikörpern mittels IFT. Ergebnis: IgM positiv, IgG negativ.
Die Dokumentation sollte zudem die medizinische Begründung für die Anforderung beider Antikörperklassen widerspiegeln. Dies erleichtert die Argumentation bei eventuellen Rückfragen der privaten Krankenversicherungen oder des medizinischen Dienstes.
GOÄ 4256: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich bei der GOÄ 4256 um eine Leistung des Speziallabors handelt, ist der Gebührenrahmen stark reglementiert. Der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15 (19,44 €). Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 (21,97 €) ist nur in seltenen, medizinisch begründeten Ausnahmefällen möglich. Gründe für eine Steigerung können beispielsweise schwierige Probenmatrizes oder das Vorliegen von störenden Begleitfaktoren (z. B. stark lipämisches Serum) sein, die einen erheblichen mehraufwand bei der Durchführung des Immunfluoreszenztests verursachen.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die GOÄ 4256 selten isoliert angefordert. Häufig erfolgt die Abrechnung in Kombination mit anderen labordiagnostischen Ziffern zur Differenzialdiagnostik von Fieberursachen. Sinnvolle Kombinationen umfassen die Bestimmung des Blutbildes (GOÄ 3500 ff.) oder von Entzündungsparametern wie dem CRP (GOÄ 3524). Auch die parallele Abklärung anderer zoonotischer Erreger, beispielsweise mittels Hantavirus-Serologie, ist klinisch häufig indiziert und abrechnungstechnisch zulässig.
Tipp: Achten Sie bei der Kombination von Laborleistungen darauf, dass die Höchstgrenzen und Wirtschaftlichkeitsprüfungen des Abschnitts M eingehalten werden, um Honorarkürzungen zu vermeiden.
Ziffer 4256 in der neuen GOÄ
Für die Ziffer 4256 sieht der Entwurf keine eigenständige Nachfolgeleistung vor. Der bisherige 2,3-fache Satz liegt bei 19,43 €; im Einzelfall ist zu prüfen, welche neue Ziffer den Untersuchungsinhalt am besten abbildet.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4256
Was hat nicht gestimmt?