GOÄ 4277: Chlamydien-KBR korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 4277
Quantitative Bestimmung mittels Komplementbindungsreaktion (KBR)-Chlamydia trachomatis
Punktzahl 250  
Einfachsatz 14,57 € 1,0x
Regelhöchstsatz 16,76 € 1,1x
Höchstsatz 18,94 € 1,3x
Ausschlüsse
437

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4277

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Die GOÄ-Ziffer 4277 beschreibt die quantitative Bestimmung mittels Komplementbindungsreaktion (KBR) für Chlamydia trachomatis. Diese Methode dient dem Nachweis spezifischer Antikörper im Serum des Patienten. Die erbrachte Leistung ist dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) der Gebührenordnung für Ärzte zugeordnet.

Im Rahmen dieser Untersuchung wird die Fähigkeit von Antigen-Antikörper-Komplexen analysiert, das Komplementsystem zu aktivieren. Da es sich um eine quantitative Bestimmung handelt, muss das Ergebnis in Form von Titern oder quantitativen Einheiten angegeben werden. Die Angabe der untersuchten Parameter auf der Liquidation ist eine zwingende formale Voraussetzung für die Erstattungsfähigkeit.

GOÄ 4277 in der Praxis: Diagnostik von Chlamydien-Infektionen

Die Bestimmung mittels KBR kommt vor allem bei Verdacht auf tiefergehende oder chronische Infektionen mit Chlamydia trachomatis zum Einsatz. Hierzu zählen beispielsweise die Pelvic Inflammatory Disease (PID), Salpingitis oder reaktive Arthritiden. Für den Nachweis einer akuten, oberflächlichen urogenitalen Infektion wird heutzutage jedoch meist der direkte Erregernachweis mittels Nukleinsäure-Amplifikationstest (NAT) bevorzugt.

In der klinischen Praxis ist die KBR wertvoll, um einen systemischen Verlauf oder Spätfolgen einer Chlamydien-Infektion zu beurteilen. Ein signifikanter Titeranstieg in zwei zeitlich versetzt entnommenen Serumproben sichert die Diagnose einer aktiven oder kürzlich abgelaufenen Infektion. Die Indikation muss in der Patientenakte klar dokumentiert sein, um Rückfragen von Kostenträgern zu vermeiden.

Tipp: Beachten Sie, dass für den direkten Erregernachweis mittels Genamplifikation andere Ziffern aus dem Abschnitt M der GOÄ heranzuziehen sind. Die Ziffer 4277 ist spezifisch für die serologische KBR-Diagnostik reserviert.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4277

Fallbeispiel 1: Verdacht auf chronische Adnexitis

Eine Patientin stellt sich mit chronischen Unterbauchschmerzen und unerfülltem Kinderwunsch vor. Zum Ausschluss einer abgelaufenen oder chronisch persistierenden Infektion mit Chlamydia trachomatis veranlasst der Arzt eine serologische Untersuchung mittels KBR. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4277 zum Regelsatz (1,15-fach), da keine laborchemischen Besonderheiten vorlagen.

Fallbeispiel 2: Verdacht auf reaktive Arthritis

Ein Patient klagt über Gelenkschmerzen im Knie nach einem urogenitalen Infekt vor einigen Wochen. Der Verdacht auf eine Chlamydien-induzierte reaktive Arthritis soll serologisch abgeklärt werden. Der Arzt bestimmt die Antikörper quantitativ mittels KBR und rechnet die Ziffer 4277 ab, wobei der Parameter Chlamydia trachomatis KBR auf der Rechnung explizit ausgewiesen wird.

Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei systemischer Infektion

Zur Beurteilung der therapeutischen Wirksamkeit bei einer systemischen Chlamydien-Infektion wird eine Titerkontrolle durchgeführt. Der Arzt vergleicht den aktuellen KBR-Titer mit dem Vorwert. Die erneute quantitative Bestimmung wird über die GOÄ-Ziffer 4277 liquidiert, da eine medizinische Notwendigkeit für die Verlaufskontrolle gegeben ist.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4277: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4277 ist das Fehlen der konkreten Parameterangabe auf der Rechnung. Die GOÄ schreibt explizit vor, dass die untersuchten Parameter anzugeben sind. Fehlt dieser Zusatz, kann die Erstattung durch private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen rechtmäßig verweigert werden.

Ein weiterer kritischer Punkt ist der Ausschluss bezüglich der Ziffer 437. Die Ziffer 437 (andere serologische Untersuchung) darf nicht nebeneinander für denselben Parameter oder im selben Abrechnungskontext berechnet werden, wenn es sich um dieselbe methodische Fragestellung handelt. Prüfer achten penibel auf diese Doppelabrechnungen im Laborbereich.

Achtung: Die KBR ist eine klassische Methode, die zunehmend durch modernere ELISA-Verfahren ersetzt wird. Achten Sie darauf, dass Sie bei der Durchführung eines ELISA nicht die Ziffer 4277, sondern die dafür vorgesehenen spezifischen Ziffern ansetzen.

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Dokumentation der GOÄ 4277: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament jeder erfolgreichen GOÄ-Abrechnung. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, das Datum der Blutentnahme sowie das detaillierte Laborergebnis dokumentiert sein. Insbesondere bei der KBR ist die Angabe des exakten Titerwerts zwingend erforderlich.

Sollte eine Verlaufskontrolle notwendig sein, muss die medizinische Begründung für die wiederholte Blutentnahme aus der Akte hervorgehen. Dies schützt die Praxis vor Regressansprüchen und erleichtert die Argumentation bei Nachfragen der privaten Krankenversicherungen.

Dokumentation: Verdacht auf reaktive Arthritis nach urogenitalem Infekt. Blutentnahme zur quantitativen Bestimmung von Chlamydia trachomatis-Antikörpern mittels KBR. Ergebnis: Titer 1:64 (positiv). Indikation für Verlaufskontrolle in 4 Wochen gestellt.

GOÄ 4277: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Im Bereich des Abschnitts M (Laborleistungen) ist der Gebührenrahmen stark eingeschränkt. Der Regelhöchstsatz liegt bei dem 1,15-fachen Satz, der Höchstsatz bei dem 1,3-fachen Satz. Eine Überschreitung des Schwellenwertes erfordert eine schriftliche Begründung auf der Rechnung.

Gründe für eine Steigerung können ein ungewöhnlich hoher analytischer Aufwand bei schwierigen Serumverhältnissen sein. Auch technische Schwierigkeiten bei der Komplementaktivierung, die eine Wiederholung der Testreihe erforderlich machen, können eine Steigerung rechtfertigen.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ-Ziffer 4277 wird häufig im Rahmen einer umfassenden Infektionsdiagnostik mit anderen Laborziffern kombiniert. Zulässig ist die Kombination mit der Ziffer 250 (Blutentnahme) sowie mit anderen serologischen Bestimmungen für unterschiedliche Erreger. Wichtig ist, dass keine unzulässigen Überschneidungen mit den Ausschlussziffern wie der Ziffer 437 vorliegen.

Ziffer 4277 in der neuen GOÄ

Für die Ziffer 4277 sieht der Entwurf keine eigenständige Nachfolgeleistung vor. Die bisherige Untersuchungsmethode ist im neuen Leistungskatalog nicht mehr als eigenständiger Code geführt. Der bisherige 2,3-fache Satz liegt bei 16,76 €; im Einzelfall ist zu prüfen, welche neue Ziffer den Untersuchungsinhalt am besten abbildet.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4277

Die GOÄ-Ziffer 4277 rechnet die quantitative Bestimmung von Chlamydia trachomatis-Antikörpern mittels Komplementbindungsreaktion (KBR) ab. Diese Methode dient dem Nachweis systemischer oder chronischer Chlamydien-Infektionen. Die Leistung ist mit 250 Punkten bewertet.
Zum einfachen Gebührensatz beträgt das Honorar für die GOÄ-Ziffer 4277 genau 14,57 Euro. Der in der Praxis übliche Regelhöchstsatz (1,15-fach) liegt bei 16,76 Euro. Der maximale Höchstsatz (1,3-fach) beträgt 18,94 Euro.
Die GOÄ-Ziffer 4277 darf nicht neben der Ziffer 437 für denselben Parameter abgerechnet werden. Zudem sind allgemeine laborchemische Ausschlussregeln des Abschnitts M zu beachten. Eine Doppelabrechnung ähnlicher serologischer Verfahren für denselben Erreger ist unzulässig.
Ja, die Angabe des untersuchten Parameters ist eine zwingende Voraussetzung für die Abrechnung der GOÄ 4277. Auf der Liquidation muss explizit vermerkt werden, dass es sich um die Bestimmung von Chlamydia trachomatis handelt. Fehlt dieser Hinweis, kann der Kostenträger die Erstattung verweigern.
Eine Steigerung über den Regelhöchstsatz von 1,15 bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur bei erhöhtem Aufwand zulässig. Typische Begründungen sind schwierige Probenbeschaffenheiten wie stark hämolytische Seren oder technische Besonderheiten bei der Durchführung der KBR. Die Begründung muss auf der Rechnung angegeben werden.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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