Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4286
Bestimmung von Antikörpern mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Borrelia burgdorferi
Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Die GOÄ-Ziffer 4286 beschreibt die quantitative oder qualitative Bestimmung von spezifischen Antikörpern gegen Borrelia burgdorferi mittels eines Ligandenassays. In der medizinischen Praxis handelt es sich hierbei meist um einen Enzym-Immunassay (ELISA oder EIA). Diese Untersuchung dient als Suchtest beim Verdacht auf eine Lyme-Borreliose.
Die Leistung umfasst explizit auch eine eventuell notwendige Doppelbestimmung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve. Diese Teilschritte können daher nicht separat in Rechnung gestellt werden. Gemäß den Abrechnungsbestimmungen müssen die konkret untersuchten Parameter (z. B. IgG- oder IgM-Antikörper) auf der Liquidation zwingend angegeben werden.
GOÄ 4286 in der Praxis: Diagnostik bei Verdacht auf Lyme-Borreliose
Die Bestimmung von Borrelien-Antikörpern ist der erste Schritt in der serologischen Stufendiagnostik bei Verdacht auf eine Lyme-Borreliose. Typische klinische Indikationen umfassen anhaltende Gelenkbeschwerden (Lyme-Arthritis), neurologische Symptome (Neuroborreliose) oder chronische Hautveränderungen. Auch nach einem bekannten Zeckenbiss mit unklaren Allgemeinsymptomen ist die Durchführung indiziert.
Es ist wichtig zu beachten, dass die alleinige Bestimmung mittels Ligandenassay bei einem positiven oder grenzwertigen Ergebnis eine Bestätigung erfordert. Hierfür wird in der Regel ein Immunoblot (Western Blot) herangezogen. Die GOÄ-Ziffer 4286 deckt dabei die initiale Suchreaktion ab, die für IgG- und IgM-Antikörper getrennt berechnet werden kann, sofern beide Parameter medizinisch notwendig sind.
Tipp: Da für den vollständigen Ausschluss oder Nachweis oft sowohl IgG- als auch IgM-Antikörper bestimmt werden müssen, kann die Ziffer 4286 am selben Behandlungstag für beide Immunglobulinklassen nebeneinander abgerechnet werden. In der Rechnung müssen die Parameter dann als "Borrelia-burgdorferi-IgG" und "Borrelia-burgdorferi-IgM" getrennt ausgewiesen werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4286
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Lyme-Arthritis
Ein Patient stellt sich mit einer seit Wochen bestehenden, schmerzhaften Schwellung des Kniegelenks ohne adäquates Trauma vor. Zum Ausschluss einer Lyme-Arthritis veranlasst die Praxis die Bestimmung von Borrelien-Antikörpern (IgG und IgM) im Serum mittels ELISA. Die Abrechnung erfolgt durch den zweifachen Ansatz der GOÄ-Ziffer 4286, da zwei getrennte Parameter (IgG und IgM) untersucht und auf der Rechnung spezifisch ausgewiesen werden.
Fallbeispiel 2: Abklärung neurologischer Symptome
Eine Patientin klagt über ungeklärte radikuläre Schmerzen und leichte Fazialisparese nach einem Zeckenstich vor zwei Monaten. Es besteht der dringende Verdacht auf eine Neuroborreliose. Im Rahmen der laborchemischen Stufendiagnostik wird die Ziffer 4286 für den Suchtest im Serum abgerechnet. Bei positivem Befund schließt sich die Bestätigungsdiagnostik an.
Fallbeispiel 3: Atypisches Erythema migrans
Ein Patient zeigt eine unscharf begrenzte, rötliche Hautveränderung am Oberschenkel, die klinisch nicht eindeutig als Erythema migrans klassifiziert werden kann. Zur diagnostischen Absicherung wird eine serologische Untersuchung eingeleitet. Die Bestimmung der Borrelien-Antikörper wird über die Ziffer 4286 liquidiert, um eine aktive oder abgelaufene Infektion zu differenzieren.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4286: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4286 ist das Fehlen der genauen Parameterbezeichnung auf der Liquidation. Da der offizielle Leistungstext vorschreibt, dass die untersuchten Parameter anzugeben sind, führen unvollständige Angaben wie lediglich "Borrelien-Antikörper" oft zu Rückfragen oder Kürzungen durch private Krankenversicherungen. Es muss präzise zwischen IgG- und IgM-Antikörpern unterschieden werden.
Zudem ist der explizite Ausschluss der Ziffer 437 zu beachten. Die Ziffer 437 (Zuschlag für die Anwendung eines höherwertigen Verfahrens) darf nicht neben der Ziffer 4286 berechnet werden, da die moderne Ligandenassay-Methodik bereits vollumfänglich durch die Bewertung der Ziffer 4286 abgegolten ist. Ein unzulässiger Nebeneinanderansatz wird von Prüfstellen sofort moniert.
Achtung: Die Ziffer 4286 darf nicht für Bestätigungstests wie den Immunoblot verwendet werden. Für den Western Blot ist eine eigene, höher bewertete Ziffer anzusetzen. Die missbräuchliche Nutzung der 4286 für komplexere Bestätigungsverfahren stellt einen schwerwiegenden Abrechnungsfehler dar.
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Dokumentation der GOÄ 4286: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche Abrechnungsprüfung. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation (z. B. Gelenkschmerz, Zustand nach Zeckenbiss) sowie der konkrete Laborauftrag dokumentiert sein. Auch der anschließende Laborbefund mit den exakten Messwerten und der medizinischen Interpretation gehört zwingend in die Dokumentation.
Sollten sowohl IgG als auch IgM bestimmt worden sein, muss die medizinische Notwendigkeit dieser dualen Anforderung aus der Dokumentation hervorgehen. Dies ist besonders wichtig, wenn private Kostenträger die Notwendigkeit der parallelen Bestimmung anzweifeln.
Dokumentation: Verdacht auf Lyme-Borreliose bei Z. n. Zeckenstich vor 6 Wochen und persistierender Arthralgie im rechten Knie. Laborauftrag: Borrelien-Serologie (IgG und IgM mittels ELISA) gemäß GOÄ 4286. Befund: IgG negativ, IgM grenzwertig. Weiteres Vorgehen: Verlaufskontrolle in 4 Wochen empfohlen.
GOÄ 4286: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 4286 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, unterliegt sie einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt hier beim 1,15-fachen Satz (23,46 €), während der Höchstsatz beim 1,3-fachen Satz (26,52 €) gedeckelt ist. Eine Steigerung über den Schwellenwert von 1,15 hinaus erfordert eine schriftliche Begründung auf der Rechnung.
Typische Begründungen für das Erreichen des 1,3-fachen Satzes sind ein ungewöhnlich hoher Analyseaufwand durch störende Begleitfaktoren im Patientenserum (z. B. starke Lipämie oder das Vorliegen von Rheumafaktoren), die eine aufwendige Probenvorbereitung oder wiederholte Messungen notwendig machen.
Typische Ziffernkombinationen
In der täglichen Praxis wird die Ziffer 4286 häufig mit der Ziffer 250 (Blutentnahme mittels Spritze, Kanüle oder Vakuumbehältnis) kombiniert. Zudem ist die Kombination mit anderen serologischen Suchtests oder der anschließenden Bestätigungsdiagnostik mittels Immunoblot (z. B. nach GOÄ 4390) absolut üblich und zulässig, sofern die medizinische Notwendigkeit gegeben ist.
Ziffer 4286 in der neuen GOÄ
In der neuen GOÄ wird die Leistung zur neuen Nummer 11339 — „Borrelia burgdorferi, IA Antikörpernachweis, z.B. Dritt-Generationstests (z.B. VlsE-Antigen)“. Festpreis: 13,05 € (aktueller 2,3-facher Satz: 23,46 € — weniger als heute).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4286
Was hat nicht gestimmt?