Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4287
Die Leistungsbeschreibung der GOÄ-Ziffer 4287 im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) lautet im offiziellen Text wie folgt:
Bestimmung von Antikörpern mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Campylobacter. Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Diese Ziffer beschreibt die quantitative oder qualitative Bestimmung von spezifischen Antikörpern gegen Campylobacter-Spezies im Serum oder Plasma. Die Methode des Ligandenassays umfasst moderne immunologische Verfahren wie den ELISA (Enzyme-Linked Immunosorbent Assay).
In der Leistung sind eventuell erforderliche Doppelbestimmungen sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve bereits vollständig abgegolten. Eine gesonderte Berechnung dieser Teilschritte ist daher ausgeschlossen.
GOÄ 4287 in der Praxis: Diagnostik postinfektiöser Komplikationen
Die Bestimmung von Campylobacter-Antikörpern ist in der Akutphase einer Gastroenteritis meist nicht die Methode der ersten Wahl, da hier der direkte Erregernachweis im Stuhl im Vordergrund steht. Ihre primäre klinische Bedeutung erlangt die Serodiagnostik bei der Abklärung von Folgeerkrankungen.
Typische Indikationen für die Bestimmung mittels Ligandenassay sind der Verdacht auf eine postinfektiöse reaktive Arthritis oder das Guillain-Barré-Syndrom. Da diese Komplikationen oft erst Wochen nach der eigentlichen Infektion auftreten, ist der Erreger im Stuhl meist nicht mehr nachweisbar.
In diesen Fällen liefert der Nachweis von spezifischen IgG- und IgA-Antikörpern den entscheidenden Hinweis auf eine stattgehabte Infektion. Die Differenzierung der Immunglobulinklassen hilft zudem bei der zeitlichen Einordnung des Infektionsgeschehens.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4287
Fallbeispiel 1: Verdacht auf reaktive Arthritis nach Gastroenteritis
Ein Patient stellt sich mit akuten Gelenkschmerzen im Knie vor, nachdem er vor vier Wochen an einem schweren Magen-Darm-Infekt litt. Zum Ausschluss einer reaktiven Arthritis nach Campylobacter-Infektion wird eine Antikörperbestimmung durchgeführt.
Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4287 für die Bestimmung der IgG-Antikörper. Da zusätzlich IgA-Antikörper bestimmt werden, kann die Ziffer für jeden Parameter einzeln angesetzt werden, sofern dies medizinisch begründet ist.
Abrechnung: 2 × GOÄ 4287 (jeweils für IgG und IgA, Kennzeichnung auf der Rechnung erforderlich).
Fallbeispiel 2: Neurologische Abklärung bei Verdacht auf Guillain-Barré-Syndrom
Eine Patientin zeigt aufsteigende Lähmungserscheinungen und Parästhesien. Zur differentialdiagnostischen Abklärung eines Guillain-Barré-Syndroms (GBS) nach einer asymptomatischen oder abgelaufenen Campylobacter-Infektion wird die Serologie veranlasst.
Die Bestimmung der Antikörper mittels ELISA wird mit der GOÄ-Ziffer 4287 liquidiert. Die Dokumentation der neurologischen Symptomatik begründet die medizinische Notwendigkeit dieser Laborleistung.
Fallbeispiel 3: Chronisch-rezidivierende Arthralgien
Bei einem Patienten mit unklaren, rezidivierenden Gelenkbeschwerden ohne erinnerbare Durchfallepisode wird ein umfassendes Screening auf postinfektiöse Arthritiden durchgeführt. Neben Yersinien und Salmonellen wird auch Campylobacter serologisch untersucht.
Die Bestimmung der Campylobacter-Antikörper wird über die GOÄ-Ziffer 4287 abgerechnet. Die parallelen Untersuchungen anderer Erreger werden über die jeweils zutreffenden spezifischen GOÄ-Ziffern liqudiert.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4287: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4287 ist das Versäumnis, die untersuchten Parameter auf der Liquidation explizit anzugeben. Die bloße Nennung der Ziffer ohne den Zusatz wie „Campylobacter-IgG“ oder „Campylobacter-IgA“ führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.
Achtung: Die GOÄ-Ziffer 4287 darf nicht neben der GOÄ-Ziffer 437 (kulturelle Untersuchung auf Campylobacter) abgerechnet werden. Diese Ausschlussregelung der GOÄ soll eine Doppelabrechnung von direktem und indirektem Erregernachweis im selben Behandlungsfall verhindern.
Zudem beanstanden Prüfstellen häufig die mehrfache Berechnung der Ziffer am selben Untersuchungstag, wenn die medizinische Notwendigkeit der getrennten Bestimmung von IgG- und IgA-Antikörpern nicht aus der Dokumentation hervorgeht. Eine präzise Indikationsstellung ist hier unerlässlich.
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Dokumentation der GOÄ 4287: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche Honorardurchsetzung. In der Patientenakte müssen die klinische Symptomatik, die den Verdacht begründet, sowie das konkrete Untersuchungsergebnis detailliert festgehalten werden.
Insbesondere bei der Bestimmung mehrerer Immunglobulinklassen (z. B. IgG und IgA) muss die therapeutische oder diagnostische Relevanz dieser differenzierten Betrachtung dokumentiert sein. Dies sichert die Abrechnung bei eventuellen Rückfragen der Kostenträger ab.
Dokumentation: Verdacht auf reaktive Arthritis nach Enteritis vor 4 Wochen. Anforderung Campylobacter-Serologie (IgG und IgA) mittels ELISA zum Ausschluss einer abgelaufenen Infektion. Befund: IgG positiv, IgA negativ, vereinbar mit abgelaufener Infektion.
Die Aufbewahrung der Laborbefunde inklusive der Rohdaten oder der Bestätigung des externen Labors sollte den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und jederzeit griffbereit sein.
GOÄ 4287: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Leistungen des Abschnitts M sind in ihrer Steigerungsfähigkeit stark reglementiert. Der Regelhöchstsatz liegt bei dem 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen zulässig.
Gründe für eine Überschreitung des Schwellenwertes können ein ungewöhnlich hoher diagnostischer Aufwand durch störende Begleitfaktoren im Serum oder eine extrem dringliche Eilanalytik bei akutem klinischem Verdacht sein. Die Begründung muss individuell und patientenbezogen auf der Rechnung formuliert werden.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die GOÄ-Ziffer 4287 häufig im Rahmen eines größeren diagnostischen Programms eingesetzt. Sinnvolle und zulässige Kombinationen umfassen die Bestimmung von Entzündungsparametern wie dem C-reaktiven Protein (CRP) nach GOÄ-Ziffer 3525 oder der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) nach GOÄ-Ziffer 3501.
Tipp: Bei der Abklärung postinfektiöser Arthritiden empfiehlt sich oft die parallele Bestimmung von Antikörpern gegen andere enteropathogene Erreger wie Yersinien (GOÄ 4297) oder Salmonellen (GOÄ 4293). Diese sind nebeneinander voll berechnungsfähig.
Ziffer 4287 in der neuen GOÄ
In der neuen GOÄ wird die Leistung zur neuen Nummer 11341 — „Campylobacter, IA Antikörpernachweis, z.B. gegen C. jejuni/C. coli-Antigene“. Festpreis: 17,79 € (aktueller 2,3-facher Satz: 23,46 € — weniger als heute).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4287
Was hat nicht gestimmt?