Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4289
Bestimmung von Antikörpern mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Leptospiren (IgA, IgG oder IgM)
Die GOÄ-Ziffer 4289 beschreibt die quantitative oder qualitative Bestimmung von Leptospiren-Antikörpern im Labor. Diese Untersuchung erfolgt mittels eines modernen Ligandenassays, wie beispielsweise eines ELISA-Verfahrens. Die Leistung umfasst die eventuelle Durchführung einer Doppelbestimmung sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve.
Gemäß den allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) ist die Angabe des konkret untersuchten Parameters auf der Rechnung zwingend erforderlich. Die Ziffer ist dem Speziallabor zugeordnet, weshalb besondere Abrechnungsbestimmungen bezüglich der Steigerungssätze gelten.
GOÄ 4289 in der Praxis: Diagnostik der Leptospirose
Die Bestimmung von Antikörpern gegen Leptospiren kommt bei begründetem Verdacht auf eine Leptospirose zum Einsatz. Diese bakterielle Infektionskrankheit wird häufig durch Kontakt mit infiziertem Tierurin oder kontaminiertem Wasser übertragen. Typische Risikogruppen sind Kanalarbeiter, Tierärzte oder Personen nach Freizeitaktivitäten im Süßwasser.
Klinisch äußert sich die Erkrankung oft durch plötzliches Fieber, Kopfschmerzen und ausgeprägte Muskelschmerzen. In schweren Fällen kann es zum Organbefall mit Ikterus und akutem Nierenversagen kommen. Der serologische Nachweis der verschiedenen Immunglobulinklassen (IgA, IgG, IgM) sichert die Diagnose ab.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4289
Fallbeispiel 1: Verdacht auf akute Leptospirose
Ein Patient stellt sich mit akutem Fieber, Wadenschmerzen und beginnendem Ikterus nach einer Kanalsanierung vor. Es besteht der dringende Verdacht auf eine akute Leptospirose. Zur schnellen Diagnosesicherung wird die Bestimmung von Leptospiren-IgM veranlasst. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4289 zum Regelsatz.
Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle bei bekannter Infektion
Bei einem Patienten mit einer vor Wochen diagnostizierten Leptospirose soll der Verlauf der Immunantwort kontrolliert werden. Hierzu wird eine Bestimmung der Leptospiren-IgG-Antikörper durchgeführt, um den Anstieg oder Abfall des Titerverlaufs zu dokumentieren. Die Leistung wird über die Ziffer 4289 liquidiert.
Fallbeispiel 3: Differenzialdiagnostik bei unklarem Fieber
Ein Reiserückkehrer leidet unter unklarem Fieber nach einem Süßwasserbad in den Tropen. Im Rahmen der Differenzialdiagnostik werden sowohl Leptospiren-IgG als auch Leptospiren-IgM parallel bestimmt. Da es sich um zwei getrennte Parameter handelt, kann die GOÄ-Ziffer 4289 zweimal auf der Rechnung aufgeführt werden.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4289: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung dieser Ziffer ist die Missachtung der Ausschlussziffer 437. Die Ziffer 437 (Komplementbindungsreaktion) darf für denselben Erreger nicht am selben Tag neben der Ziffer 4289 abgerechnet werden. Die Prüfstellen der privaten Krankenversicherungen achten streng auf diese Ausschlussregelung.
Zudem führt eine unvollständige Rechnungslegung regelmäßig zu Rückfragen. Wird auf der Liquidation lediglich "Leptospiren-Antikörper" ohne Angabe der spezifischen Immunglobulinklasse ausgewiesen, ist die Rechnung formal fehlerhaft. Der exakte Parameter muss stets transparent benannt werden.
Achtung: Die bloße Angabe "Leptospiren-Antikörper" ohne Nennung der spezifischen Immunglobulinklasse (IgG, IgM oder IgA) führt häufig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen und Beihilfestellen.
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Dokumentation der GOÄ 4289: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentationspflicht ist die beste Absicherung gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, das Expositionsrisiko sowie das angewandte Testverfahren präzise festgehalten werden. Auch das Testergebnis inklusive des Referenzbereichs gehört zwingend in die Dokumentation.
Für eine spätere Plausibilitätsprüfung ist es ratsam, den zeitlichen Verlauf der Symptome im Verhältnis zur Blutentnahme zu dokumentieren. Dies erleichtert die Argumentation bei Nachfragen der Kostenträger bezüglich der medizinischen Notwendigkeit. Eine strukturierte Erfassung in der Patientenakte sichert den Abrechnungsanspruch.
Tipp: Dokumentieren Sie stets das konkrete Expositionsrisiko (z. B. "Kanalarbeiter", "Rattenkontakt") im Krankenblatt, um bei eventuellen Rückfragen der Versicherung die medizinische Notwendigkeit sofort belegen zu können.
Dokumentation: V. a. Leptospirose bei Zustand nach Süßwasserbad in den Tropen vor 10 Tagen. Anforderung Leptospiren-IgM und IgG mittels ELISA (GOÄ 4289). Ergebnis: IgM positiv, IgG negativ.
GOÄ 4289: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Steigerungsfähigkeit im Laborbereich ist stark reglementiert. Der Regelhöchstsatz für Leistungen des Speziallabors liegt bei dem 1,15-fachen Satz. Ein Überschreiten bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur bei Vorliegen besonderer, patientenbezogener Erschwernisse zulässig, die auf der Rechnung detailliert begründet werden müssen.
Typische Ziffernkombinationen
Sinnvolle Ziffernkombinationen ergeben sich meist aus der differenzialdiagnostischen Abklärung. So wird die GOÄ 4289 häufig zusammen mit anderen serologischen Untersuchungen wie dem Nachweis von Hantaviren oder Borrelien durchgeführt. Auch die Kombination mit Basislaborwerten wie dem Blutbild oder Entzündungsparametern ist üblich und zulässig.
Ziffer 4289 in der neuen GOÄ
Die Leistung wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 11350 — „Leptospira, IA Antikörpernachweis“. Festpreis: 18,47 € (aktueller 2,3-facher Satz: 23,46 € — etwas weniger als heute).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4289
Was hat nicht gestimmt?