Die untersuchten Viren sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4302
Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Agglutinationsreaktion (z.B. Hämagglutination, Hämagglutinationshemmung, Latex-Agglutination) -Untersuchungen mit analogem methodischen Aufwand -
Die untersuchten Viren sind in der Rechnung anzugeben.
Die GOÄ-Ziffer 4302 beschreibt eine klassische Methode der In-vitro-Diagnostik im Laborbereich. Sie erfasst den qualitativen, also den reinen Nachweis des Vorhandenseins oder Fehlens spezifischer Antikörper im Serum oder anderen Körperflüssigkeiten des Patienten. Die zugrundeliegende Methodik basiert auf der sichtbaren Verklumpung (Agglutination) von Antigen-Antikörper-Komplexen.
Diese Leistung ist dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) der Gebührenordnung für Ärzte zugeordnet. Da es sich um eine spezialisierte Laborleistung handelt, gelten hier besondere Bestimmungen bezüglich der Erbringung und Abrechnung im eigenen Labor oder im Rahmen einer Laborgemeinschaft.
GOÄ 4302 in der Praxis: Indikationen und methodischer Aufwand
Der qualitative Nachweis von Antikörpern mittels Agglutinationsreaktion kommt bei verschiedenen klinischen Fragestellungen zum Einsatz. Typische Anwendungsgebiete sind der schnelle Nachweis von Infektionskrankheiten, bei denen eine rasche immunologische Reaktion des Körpers nachgewiesen werden soll. Häufige Beispiele hierfür sind der Nachweis von Antikörpern gegen das Röteln-Virus oder bestimmte bakterielle Erreger mittels Latex-Agglutinationstest.
Auch Untersuchungen mit einem analogen methodischen Aufwand können unter dieser Ziffer abgerechnet werden. Dies eröffnet der Praxis eine gewisse Flexibilität bei der Anwendung modernerer, aber methodisch vergleichbarer Schnelltests. Wichtig ist jedoch, dass der qualitative Charakter der Untersuchung gewahrt bleibt; quantitative Bestimmungen erfordern andere Ziffern aus dem Abschnitt M.
Tipp: Achten Sie bei der Auswahl des Testverfahrens darauf, dass es sich tatsächlich um ein qualitatives Verfahren handelt. Sobald eine Titerbestimmung oder eine quantitative Auswertung erfolgt, ist die GOÄ 4302 nicht mehr die zutreffende Ziffer.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4302
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Röteln-Infektion
Eine schwangere Patientin stellt sich mit unklarem Exanthem in der Praxis vor. Zum Ausschluss einer akuten Röteln-Infektion führt der Arzt einen qualitativen Hämagglutinationshemmungstest (HAH) im Labor durch. Der Nachweis verläuft positiv, was auf das Vorliegen von Antikörpern hinweist. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4302 unter Angabe des untersuchten Erregers (Röteln-Virus) auf der Liquidation.
Fallbeispiel 2: Latex-Agglutinationstest bei V.a. Streptokokken-Infektion
Ein Patient stellt sich mit akuter Tonsillitis vor. Zur schnellen Differenzierung wird ein qualitativer Latex-Agglutinationstest zum Nachweis von Streptokokken-Antikörpern (z. B. Antistreptolysin O qualitativ) durchgeführt. Da es sich um eine Agglutinationsreaktion mit analogem Aufwand handelt, erfolgt die Abrechnung über die Ziffer 4302 mit dem Zusatz des Erregers.
Fallbeispiel 3: Ausschluss einer rheumatoiden Arthritis mittels Rheumafaktor-Schnelltest
Bei einem Patienten mit Gelenkbeschwerden soll ein qualitativer Schnelltest auf Rheumafaktoren (Latex-Test) durchgeführt werden. Der Test basiert auf einer klassischen Agglutinationsreaktion. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die GOÄ 4302, da der methodische Aufwand der Leistungsbeschreibung entspricht.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4302: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4302 ist das Fehlen der konkreten Erregerangabe auf der Rechnung. Die Leistungsbeschreibung fordert explizit: „Die untersuchten Viren sind in der Rechnung anzugeben.“ Fehlt diese Angabe, führt dies regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen (PKV) oder Beihilfestellen, die eine Erstattung dann verweigern können.
Zudem müssen die strikten Abrechnungsausschlüsse beachtet werden. Die GOÄ 4302 darf nicht neben der Ziffer 437 (Allergologische Diagnostik) oder der Ziffer 4305 (anderer spezifischer Antikörpernachweis) für denselben Erreger abgerechnet werden. Ein Nebeneinanderbezug führt bei einer Rechnungsprüfung unweigerlich zur Streichung einer der beiden Positionen.
Achtung: Die Kombination von GOÄ 4302 und GOÄ 4305 für denselben Untersuchungsgang ist unzulässig. Prüfen Sie vor der Rechnungsstellung genau, ob parallel ein anderer spezifischer Antikörpernachweis durchgeführt und liquidiert wurde.
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Dokumentation der GOÄ 4302: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament jeder rechtssicheren Abrechnung. In der Patientenakte muss nicht nur das Testergebnis (positiv/negativ) festgehalten werden, sondern auch das konkret verwendete Testverfahren sowie die Charge des Testkits. Dies dient sowohl der Qualitätssicherung als auch dem Nachweis der erbrachten Leistung im Falle von Rückfragen durch Kostenträger.
Zusätzlich sollte die medizinische Indikation, die zur Durchführung des Tests führte, klar aus der Dokumentation hervorgehen. Dies erleichtert im Nachgang auch die Begründung eventueller Schwellenwertüberschreitungen oder die Argumentation bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen.
Dokumentationsbeispiel:
12.10.2023: V.a. Röteln-Infektion bei Schwangerer im 1. Trimenon. Durchführung HAH-Test (qualitativ) zum Nachweis von Röteln-Antikörpern. Verwendetes Testkit: Rubella-Latex (Charge: 98765). Ergebnis: Positiv. Befund an Patientin übermittelt.
GOÄ 4302: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 4302 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, unterliegt sie besonderen Regeln bezüglich des Gebührenrahmens. Der Regelhöchstsatz für diese Laborleistungen liegt bei dem 1,15-fachen Satz (6,03 €). Eine Steigerung bis zum Höchstsatz des 1,3-fachen Satzes (6,82 €) ist nur unter Angabe einer besonderen, patientenbezogenen Begründung zulässig.
Typische Begründungen für eine Überschreitung des Schwellenwertes können ein ungewöhnlich hoher logistischer oder technischer Aufwand bei der Probenaufbereitung sein, beispielsweise bei stark lipämischen oder hämolytischen Blutproben, die eine Vorbehandlung erfordern.
Typische Ziffernkombinationen
In der täglichen Praxis wird die GOÄ 4302 häufig mit Ziffern für die Blutentnahme (z. B. GOÄ 250) kombiniert. Auch die Beratung des Patienten über das Testergebnis (z. B. GOÄ 1 oder GOÄ 3 bei längeren Gesprächen) ist eine regelmäßige Begleitposition, sofern die formalen Voraussetzungen dieser Ziffern erfüllt sind und sie an unterschiedlichen Tagen oder mit zeitlichem Abstand erbracht werden.
Ziffer 4302 in der neuen GOÄ
Der alte Sammeltatbestand für qualitative Antikörpernachweise mittels Agglutinationsreaktion mit analogem methodischen Aufwand hat in der neuen GOÄ keinen eigenständigen Nachfolger. Der Entwurf führt für Hämagglutinationshemmtests erregerspezifische quantitative Ziffern ein; eine generische Auffangposition für qualitative Untersuchungen mit vergleichbarem Aufwand ist nicht mehr vorgesehen.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4302
Was hat nicht gestimmt?