Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4404
Bestimmung von Antikörpern mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Untersuchungen mit ähnlichem methodischen Aufwand
Die GOÄ-Ziffer 4404 beschreibt die quantitative oder qualitative Bestimmung von Antikörpern unter Verwendung von Ligandenassays. Zu diesen modernen Verfahren gehören unter anderem der Enzyme-Linked Immunosorbent Assay (ELISA), der Radioimmunoassay (RIA) sowie Chemilumineszenz-Immunoassays (CLIA). Diese Methoden zeichnen sich durch eine hohe Sensitivität und Spezifität aus.
Ein wesentlicher Aspekt dieser Ziffer ist, dass eine eventuell notwendige Doppelbestimmung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve bereits mit der Gebühr abgegolten sind. Eine separate Berechnung dieser Teilschritte ist somit ausgeschlossen. Zudem verlangt die Leistungsbeschreibung explizit, dass die untersuchten Parameter auf der Rechnung einzeln aufgeführt werden müssen.
GOÄ 4404 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz
In der täglichen Praxis findet die GOÄ-Ziffer 4404 breite Anwendung in verschiedenen medizinischen Fachbereichen. Ein Hauptanwendungsgebiet ist die Infektionsserologie, bei der spezifische Immunglobuline (IgG, IgM oder IgA) gegen Erreger wie Borrelien, das Epstein-Barr-Virus oder SARS-CoV-2 nachgewiesen werden. Dies ermöglicht die Abklärung akuter oder abgelaufener Infektionen.
Ein weiteres wichtiges Feld ist die Diagnostik von Autoimmunerkrankungen. Hierbei werden Autoantikörper bestimmt, die sich gegen körpereigenes Gewebe richten. Typische Beispiele sind die Bestimmung von Schilddrüsen-Antikörpern bei Verdacht auf eine Autoimmunthyreoiditis oder von Transglutaminase-Antikörpern bei Verdacht auf Zöliakie.
Die Abgrenzung zu einfacheren labormedizinischen Verfahren ist essenziell. Die Ziffer 4404 darf nur dann herangezogen werden, wenn tatsächlich ein Ligandenassay oder ein Verfahren mit vergleichbarem methodischen Aufwand zum Einsatz kommt. Einfachere Schnelltests oder Agglutinationstests fallen unter andere Gebührenordnungsziffern.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4404
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Hashimoto-Thyreoiditis
Eine Patientin stellt sich mit chronischer Müdigkeit und Gewichtszunahme vor. Zum Ausschluss einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung veranlasst der Arzt die Bestimmung der Schilddrüsen-Peroxidase-Antikörper (Anti-TPO) im Serum mittels ELISA. Die Abrechnung erfolgt korrekt nach der GOÄ-Ziffer 4404 unter Angabe des Parameters "Anti-TPO".
Fallbeispiel 2: Abklärung einer Lyme-Borreliose
Nach einem Zeckenbiss und dem Auftreten unspezifischer Gelenkschmerzen soll eine Borrelien-Infektion abgeklärt werden. Das Labor führt eine Bestimmung von Borrelien-IgG- und IgM-Antikörpern mittels eines Ligandenassays durch. Da es sich um zwei getrennte Parameter handelt, kann die GOÄ-Ziffer 4404 zweimal auf der Liquidation ausgewiesen werden.
Fallbeispiel 3: Diagnostik bei Verdacht auf Zöliakie
Bei anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden wird die Bestimmung von Gewebe-Transglutaminase-Antikörpern (tTG-IgA) veranlasst. Die Analyse erfolgt über einen hochspezifischen ELISA-Test. Die Abrechnung dieses Parameters erfolgt regelkonform über die GOÄ-Ziffer 4404.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4404: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Liquidation ist das Versäumnis, den konkreten untersuchten Parameter auf der Rechnung anzugeben. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen weisen Rechnungen ohne diese Spezifikation regelmäßig zurück. Die bloße Nennung der Ziffernnummer reicht für eine Erstattung nicht aus.
Zudem muss der strikte Ausschluss bezüglich der Ziffer 437 beachtet werden. Diese Ziffer, welche Zuschläge für außerhalb der Sprechstunde erbrachte Leistungen regelt, darf nicht in Kombination mit der GOÄ 4404 abgerechnet werden. Ein Verstoß führt bei einer Rechnungsprüfung unweigerlich zur Kürzung.
Achtung: Die mehrfache Abrechnung der GOÄ 4404 für denselben Parameter zur Absicherung des Ergebnisses (Doppelbestimmung) ist unzulässig. Solche qualitätssichernden Maßnahmen sind mit dem einfachen Gebührensatz bereits vollständig abgegolten.
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Dokumentation der GOÄ 4404: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament jeder rechtssicheren Abrechnung. In der Patientenakte müssen die medizinische Indikation, das angewandte Testverfahren sowie das konkrete Laborergebnis detailliert festgehalten werden. Dies schützt die Praxis bei eventuellen Rückfragen der Kostenträger.
Besonders wichtig ist die Archivierung der originalen Laborbefunde inklusive der Referenzbereiche. Sollte ein externer Labordienstleister beauftragt werden, müssen die entsprechenden Überweisungsdokumente und die eingehenden Befundberichte deckungsgleich in der elektronischen Akte hinterlegt sein.
Dokumentation: Verdacht auf Lyme-Borreliose bei Z.n. Zeckenbiss. Bestimmung von Borrelien-IgG-Antikörpern mittels ELISA (Ligandenassay). Ergebnis: 45 RU/ml (positiv, Referenzbereich < 16 RU/ml). Indikation für weiterführenden Immunoblot gegeben.
GOÄ 4404: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Laborleistung des Abschnitts M unterliegt die GOÄ-Ziffer 4404 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz, während der maximale Höchstsatz auf den 1,3-fachen Faktor begrenzt ist. Eine Überschreitung des Regelsatzes erfordert eine einzelfallbezogene, medizinische Begründung.
Gründe für eine Faktorerhöhung auf das 1,3-fache können beispielsweise schwierige Probenaufbereitungen bei lipämischen oder hämolytischen Seren sein. Auch unerwartete Kreuzreaktionen, die eine aufwendige manuelle Nachbereitung oder zusätzliche Verdünnungsreihen erfordern, rechtfertigen den erhöhten Satz.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 4404 wird häufig mit der Ziffer 250 für die Blutentnahme kombiniert. Zudem ist die gleichzeitige Abrechnung mehrerer Antikörperspezifikationen zulässig, sofern es sich um unterschiedliche Zielantigene handelt. Bei der Kombination mit anderen labormedizinischen Ziffern ist stets auf die Einhaltung der allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M zu achten.
Tipp: Dokumentieren Sie zeitaufwendige Besonderheiten bei der Probenanalyse sofort im Laborbuch. Nur so lässt sich eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz gegenüber den privaten Krankenversicherungen überzeugend begründen.
Ziffer 4404 in der neuen GOÄ
Die Sammelziffer 4404 für Ligandenassay-Antikörperbestimmungen mit ähnlichem methodischem Aufwand hat in der neuen GOÄ keinen Nachfolger. Jeder Analyt erhält eine eigene Ziffer; eine generische Auffangposition für nicht explizit gelistete Untersuchungen ist nicht mehr vorgesehen. Der korrekte neue Code muss anhand des konkret untersuchten Analyten einzeln bestimmt werden.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4404
Was hat nicht gestimmt?