Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4423
Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Agglutinations- oder Fällungsreaktion (z.B. Hämagglutination, Hämagglutinationshemmung, Latex-Agglutination) -Untersuchungen mit ähnlichem methodischen Aufwand. Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Die Gebührenziffer 4423 beschreibt eine klassische Methode der In-vitro-Diagnostik im Laborbereich. Sie erfasst qualitative Verfahren, bei denen die Verklumpung (Agglutination) oder Ausfällung (Präzipitation) von Antigen-Antikörper-Komplexen visuell oder apparativ ausgewertet wird. Typische Beispiele hierfür sind der Latex-Agglutinationstest oder die Hämagglutination.
Ein wesentlicher Aspekt dieser Leistungsbeschreibung ist die Verpflichtung zur Angabe des konkreten Parameters auf der Liquidation. Ohne die genaue Bezeichnung des nachgewiesenen Antikörpers ist die Rechnung formal fehlerhaft. Dies dient der Transparenz für Kostenträger und Patienten.
GOÄ 4423 in der Praxis: Indikationen und methodischer Aufwand
Die Anwendung der GOÄ-Ziffer 4423 ist in der täglichen Praxis weit verbreitet, insbesondere beim schnellen Nachweis von Infektionserregern oder immunologischen Reaktionen. Häufige Indikationen umfassen den qualitativen Nachweis von Antikörpern gegen bakterielle oder virale Antigene. Ein klassisches Einsatzgebiet ist der Nachweis von Rheumafaktoren oder Antistreptolysin-O mittels Latex-Partikeln.
Da es sich um ein qualitatives Verfahren handelt, liefert der Test ein binäres Ergebnis (positiv oder negativ). Für quantitative Bestimmungen, die einen präzisen Titerwert liefern, müssen andere, meist höher bewertete Ziffern herangezogen werden. Die Abgrenzung zu aufwendigeren ELISA-Verfahren oder quantitativen Messungen ist für eine korrekte Honorierung essenziell.
Tipp: Sollte im Verlauf einer Diagnostik ein qualitativer Schnelltest positiv ausfallen und eine anschließende quantitative Titerbestimmung notwendig werden, können beide Schritte nebeneinander berechnet werden, sofern es sich um unterschiedliche methodische Ansätze handelt.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4423
Fallbeispiel 1: Verdacht auf rheumatische Erkrankung
Ein Patient stellt sich mit Gelenkschmerzen in den Fingern vor. Zum Ausschluss einer rheumatoiden Arthritis wird ein qualitativer Latex-Agglutinationstest auf Rheumafaktoren im Serum durchgeführt. Das Ergebnis ist positiv. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4423 unter Angabe des Parameters Rheumafaktor qualitativ.
Fallbeispiel 2: Poststreptokokken-Erkrankung
Bei einem Kind besteht der Verdacht auf eine Folgeerkrankung nach einer Streptokokken-Infektion. Die Praxis führt einen qualitativen Nachweis von Antistreptolysin-O (ASL) mittels Agglutinationstest durch. Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer 4423, wobei Antistreptolysin-O-Antikörper als Parameter auf der Rechnung ausgewiesen wird.
Fallbeispiel 3: Suchtest auf Treponema pallidum
Im Rahmen einer erweiterten Diagnostik wird ein TPHA-Test (Treponema pallidum Hämagglutinations-Assay) als qualitativer Suchtest durchgeführt. Da es sich um eine Hämagglutinationsreaktion handelt, ist die Ziffer 4423 hierfür die korrekte Abrechnungsgrundlage. Der Parameter TPHA wird auf der Liquidation explizit aufgeführt.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4423: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4423 ist das Fehlen der konkreten Parameterangabe auf der Rechnung. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen diese Position regelmäßig, wenn lediglich der Zifferntext ohne den Zusatz des untersuchten Antikörpers aufgeführt wird. Die Angabe des Parameters ist eine zwingende Abrechnungsvoraussetzung.
Ein weiterer Konfliktpunkt betrifft den Ausschluss der Ziffer 437. Die Ziffer 437 darf nicht neben der Ziffer 4423 berechnet werden. Wird dieser Ausschluss missachtet, führt dies unweigerlich zu Beanstandungen bei der Rechnungsprüfung.
Achtung: Die Ziffer 4423 darf nicht für quantitative Bestimmungen herangezogen werden. Werden Titerstufen ermittelt, ist die Abrechnung nach einer quantitativen Ziffer zu prüfen, um Honorarverluste oder Vorwürfe der Falschabrechnung zu vermeiden.
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Dokumentation der GOÄ 4423: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament jeder rechtssicheren Abrechnung. In der Patientenakte müssen neben dem konkreten Untersuchungsanlass auch das verwendete Testverfahren und die Chargennummer des Testkits festgehalten werden. Das Testergebnis muss als reaktiv oder nicht reaktiv eindeutig dokumentiert sein.
Besonders bei manuell durchgeführten Agglutinationstests im Praxislabor ist die visuelle Ablesung fehleranfällig. Daher sollte auch der Name der durchführenden Person sowie der genaue Ablesezeitpunkt dokumentiert werden, um im Falle von Rückfragen der Kostenträger die fachgerechte Durchführung nachweisen zu können.
Dokumentation:
12.10.2023 - Qualitativer Latex-Agglutinationstest auf Rheumafaktoren (RF) durchgeführt. Charge: RF-Latex-98765. Ablesung nach 2 Minuten: Deutliche Agglutination sichtbar (Ergebnis: positiv). Durchführung durch MFA Müller.
GOÄ 4423: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 4423 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, unterliegt sie besonderen Bestimmungen bezüglich des Gebührenrahmens. Der Regelhöchstsatz für diese Laborleistung liegt bei dem 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur mit einer schriftlichen, patientenbezogenen Begründung zulässig.
Gründe für eine Überschreitung des Schwellenwertes können beispielsweise schwierige Probenverhältnisse sein, die eine wiederholte Durchführung oder besondere Vorbehandlungsschritte erforderlich machen. Die Begründung muss auf der Rechnung für den Laien verständlich formuliert sein.
Typische Ziffernkombinationen
Die Ziffer 4423 wird häufig im Rahmen einer umfassenden Labordiagnostik mit anderen Ziffern kombiniert. Zulässig ist die Nebeneinanderberechnung mit der Ziffer 250 (Blutentnahme) sowie mit grundlegenden Laborwerten aus dem Basislabor. Wichtig ist, dass bei der Kombination mit anderen immunologischen Nachweisen keine methodischen Überschneidungen vorliegen.
Ziffer 4423 in der neuen GOÄ
Die Sammelziffer 4423 für den qualitativen Antikörpernachweis mittels Agglutination oder Fällungsreaktion ohne eigenen spezifischen Code hat in der neuen GOÄ keinen Nachfolger. Der Entwurf bildet für jeden Analyten eine eigene Ziffer; eine generische Auffangposition für Agglutinationsverfahren ist nicht vorgesehen.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4423
Was hat nicht gestimmt?