Erfahren Sie, wie Sie die GOÄ-Ziffer 4532 für die Bakterienanzucht in CO2-Atmosphäre rechtssicher abrechnen und typische Honorarverluste vermeiden.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4532
Untersuchung zum Nachweis von Bakterien durch Anzüchtung oder Weiterzüchtung in CO2-Atmosphäre, je Nährmedium
Die GOÄ-Ziffer 4532 beschreibt eine spezialisierte mikrobiologische Laborleistung aus dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen). Sie kommt dann zum Einsatz, wenn für die Anzucht von Bakterien eine künstlich modifizierte Atmosphäre mit einem erhöhten Kohlendioxid-Anteil von meist 5 bis 10 Prozent geschaffen werden muss. Diese Methode unterscheidet sich grundlegend von der Standardbebrütung unter normalen atmosphärischen Bedingungen.
GOÄ 4532 in der Praxis: Indikationen und anspruchsvolle Erreger
Viele klinisch relevante Krankheitserreger sind capnophil, was bedeutet, dass sie für ein optimales Wachstum zwingend auf eine CO2-angereicherte Umgebung angewiesen sind. Typische Beispiele hierfür sind Streptococcus pneumoniae, Neisseria gonorrhoeae sowie verschiedene Campylobacter-Spezies. Ohne diese spezielle Atmosphäre würde die Kultur negativ bleiben, was zu einer folgenschweren Fehldiagnose führen kann.
Tipp: Da für die GOÄ 4532 im Gegensatz zu anderen Anzuchtziffern keine Mengenbegrenzung existiert, kann die Leistung für jedes beimpfte Nährmedium einzeln abgerechnet werden.
Die Abrechnung erfolgt somit flexibel je nach Anzahl der verwendeten Nährböden. Dies ist besonders bei komplexen Proben von Vorteil, bei denen mehrere Spezialmedien parallel eingesetzt werden müssen, um eine zuverlässige Diagnose zu sichern.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4532
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Pneumokokken-Pneumonie
Ein Patient stellt sich mit hohem Fieber und eitrigem Auswurf vor. Zum Nachweis von Streptococcus pneumoniae wird eine Sputum-Kultur auf einem Blutagar-Nährboden angelegt und in einem CO2-Inkubator bebrütet. Die Abrechnung der GOÄ 4532 erfolgt hierbei für das spezifische Nährmedium.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf Gonorrhö
Bei Verdacht auf eine Infektion mit Gonokokken wird ein urogenitaler Abstrich entnommen. Da Neisseria gonorrhoeae extrem empfindlich ist, erfolgt die Anzucht auf einem speziellen Kochblut-Agar unter einer CO2-Atmosphäre von 8 Prozent. Die Leistung wird ordnungsgemäß über die Ziffer 4532 liquidiert.
Fallbeispiel 3: Nachweis von Campylobacter im Stuhl
Bei einem Patienten mit schwerer Enteritis wird eine Stuhlprobe auf Campylobacter-Spezies untersucht. Die Bebrütung der Selektivmedien erfolgt unter mikroaerophilen Bedingungen mit erhöhtem CO2-Gehalt. Jedes eingesetzte Nährmedium wird separat nach GOÄ 4532 abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4532: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die gleichzeitige Berechnung der Ziffern 4531 und 4532 für dasselbe Nährmedium. Die GOÄ schließt diese Kombination explizit aus, um eine Doppelbelastung für denselben Arbeitsschritt zu verhindern. Wenn beide Bedingungen zutreffen, muss sich der Arzt für eine der beiden Abrechnungsziffern entscheiden.
Achtung: Sollten für das Nährmedium gleichzeitig Kriterien für höher bewertete Leistungen wie die GOÄ-Ziffern 4533, 4538 oder 4539 erfüllt sein, ist die Abrechnung der höherwertigen Leistung vorzuziehen.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen häufig die Abrechnung, wenn die medizinische Notwendigkeit einer CO2-Bebrütung nicht aus der dokumentierten Verdachtsdiagnose hervorgeht. Eine präzise Indikationsstellung ist daher unerlässlich.
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Dokumentation der GOÄ 4532: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Mittel, um Honorarkürzungen erfolgreich abzuwehren. In der Patientenakte müssen sowohl die Verdachtsdiagnose als auch die genauen Kulturbedingungen festgehalten werden. Insbesondere der Nachweis über die Verwendung einer modifizierten CO2-Atmosphäre muss klar dokumentiert sein.
Dokumentation: Verdacht auf Infektion mit Streptococcus pneumoniae. Sputum-Kultur angelegt auf Schafblut-Agar. Bebrütung im CO2-Inkubator bei 5 % CO2-Atmosphäre über 24 Stunden.
Auch die Anzahl der verwendeten Nährmedien muss präzise erfasst werden, da die Abrechnung je Nährmedium erfolgt. Dies erleichtert im Falle einer Prüfung den Nachweis der erbrachten Laborleistungen.
GOÄ 4532: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich bei der GOÄ 4532 um eine Leistung des Abschnitts M IV handelt, liegt der Regelhöchstsatz bei dem 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur in begründeten Ausnahmefällen möglich, beispielsweise bei extrem langsam wachsenden Erregern oder stark verunreinigten Proben, die einen erhöhten Aufwand erfordern.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 4532 lässt sich hervorragend mit nachfolgenden Identifizierungsleistungen kombinieren. Typischerweise folgen auf die Anzucht die Differenzierung mittels biochemischer Methoden nach GOÄ 4550 oder die Durchführung eines Antibiogramms nach GOÄ 4600 zur Bestimmung der Empfindlichkeit.
Ziffer 4532 in der neuen GOÄ
Die Anzüchtung in CO2-Atmosphäre je Nährmedium wird in der neuen GOÄ nach Nährmedientyp gegliedert — ohne eigene Atmosphären-Ziffer. Wichtig: Die alte 4532 hatte keine Mengenbegrenzung; alle neuen Ziffern sind auf maximal 4 Nährmedien je Probenmaterial begrenzt. Das kann zu einer Abrechnungsreduzierung für Labore führen, die bisher viele CO2-Medien eingesetzt haben:
- 12401 Universalnährmedium oder Differenzialnährmedium (z. B. Blut-Agar, Columbia-Agar) — 4,56 €
- 12402 Spezialnährmedium (z. B. Legionella-Agar) — 5,80 €
- 12403 Optimalnährmedium oder selektives Differenzialnährmedium (z. B. Schokoladen-Agar, CNA-Agar) — 4,84 €
- 12404 Anaerobes oder mikroaerophiles Medium (z. B. Campylobacter-/Brucella-Medien) — 6,42 €
Das Probenmaterial ist jeweils anzugeben. Heute bringt die 4532 beim 2,3-fachen Satz 6,70 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4532
Was hat nicht gestimmt?