Die untersuchten Keime sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4580
Die untersuchten Keime sind in der Rechnung anzugeben.
Die GOÄ-Ziffer 4580 beschreibt die Untersuchung durch Phagentypisierung von bereits angezüchteten Bakterien, speziell für Staphylokokken. Diese Methode, auch als Lysotypie bekannt, nutzt spezifische Bakteriophagen, um bakterielle Stämme innerhalb einer Spezies feinzutypisieren. Sie geht damit weit über die bloße Identifizierung der Bakterienart hinaus.
Die Leistung ist im Abschnitt M II (Speziallabor) der Gebührenordnung für Ärzte verortet. Sie umfasst alle präparativen und analytischen Schritte, die für die Durchführung der Bacteriocine oder ähnlicher Methoden notwendig sind. Voraussetzung für die Abrechnung ist, dass die Keime zuvor erfolgreich isoliert und angezüchtet wurden.
GOÄ 4580 in der Praxis: Epidemiologische Differenzierung und Infektionskontrolle
In der täglichen Praxis kommt die GOÄ-Ziffer 4580 vor allem dann zum Einsatz, wenn epidemiologische Fragestellungen geklärt werden müssen. Ein klassisches Szenario ist der Verdacht auf eine nosokomiale Infektionskette in einer Klinik oder Pflegeeinrichtung. Hierbei reicht es nicht aus zu wissen, dass mehrere Patienten mit Staphylococcus aureus infiziert sind.
Erst die Phagentypisierung ermöglicht es, die Identität der Stämme zu belegen oder zu widerlegen. Auch bei der Abklärung von multiresistenten Erregern (MRSA) liefert diese Methode wertvolle Erkenntnisse für das Hygienemanagement. Die Untersuchung hilft dabei, Infektionsquellen präzise zu identifizieren und gezielte Schutzmaßnahmen einzuleiten.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4580
Fallbeispiel 1: MRSA-Ausbruch auf einer Intensivstation
Auf einer Intensivstation treten zeitgleich drei Fälle von Wundinfektionen mit Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus auf. Zur Klärung einer gemeinsamen Infektionsquelle veranlasst der behandelnde Arzt eine Feintypisierung der Isolate mittels Phagentypisierung. Die Begründung in der Dokumentation stützt sich auf den dringenden Verdacht einer nosokomialen Infektionskette. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4580 je untersuchtem Stamm neben den Basiskulturen.
Fallbeispiel 2: Rezidivierende Furunkulose bei einem Patienten
Ein Patient leidet unter chronisch-rezidivierenden Hautinfektionen durch Staphylokokken. Um festzustellen, ob es sich um ein endogenes Reservoir mit demselben Stamm oder um wiederholte Neuinfektionen handelt, wird eine Typisierung durchgeführt. Die medizinische Notwendigkeit ergibt sich aus der therapeutischen Konsequenz für die Sanierungstherapie. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die GOÄ 4580 unter Angabe des Keims.
Fallbeispiel 3: Umgebungsuntersuchung im Rahmen des Ausbruchsmanagements
Nach dem Nachweis eines spezifischen Staphylokokken-Stammes bei mehreren Patienten werden Abstriche des Personals genommen. Bei zwei Mitarbeitern wird Staphylococcus aureus nachgewiesen. Die anschließende Lysotypie der Mitarbeiter-Isolate dient dem Abgleich mit dem Ausbruchsstamm. Die Abrechnung der GOÄ 4580 erfolgt für die Typisierung der Isolate der betroffenen Mitarbeiter zur Vektorsuche.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4580: Was Prüfer beanstanden
Der mit Abstand häufigste Fehler bei der Liquidation der GOÄ-Ziffer 4580 ist das Fehlen der konkreten Keimangabe auf der Rechnung. Die GOÄ schreibt explizit vor, dass die untersuchten Keime anzugeben sind. Fehlt diese Information, ist die Rechnung formal fehlerhaft, was regelmäßig zu Erstattungskürzungen durch private Krankenversicherungen führt.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Abgrenzung zu einfachen Identifizierungsverfahren. Die GOÄ-Ziffer 4580 darf nicht für die bloße Bestimmung der Spezies (z. B. Unterscheidung zwischen S. aureus und Koagulase-negativen Staphylokokken) herangezogen werden. Hierfür sind die Ziffern 4530 bis 4538 vorgesehen. Nur die tatsächliche Stammentypisierung mittels Phagen rechtfertigt den Ansatz dieser Spezialleistung.
Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 4580 ohne vorherige oder gleichzeitige Dokumentation der medizinischen Notwendigkeit (z. B. epidemiologischer Zusammenhang) wird von Prüfstellen häufig als unplausibel zurückgewiesen.
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Dokumentation der GOÄ 4580: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte muss klar hervorgehen, warum eine differenzierte Stammentypisierung medizinisch indiziert war. Einfache Routineuntersuchungen ohne epidemiologischen oder therapeutischen Mehrwert rechtfertigen die Ziffer nicht.
Neben der Indikation müssen auch das methodische Vorgehen und das konkrete Ergebnis dokumentiert werden. Dazu gehört die Angabe des verwendeten Phagensatzes sowie das resultierende Lysotypie-Muster des Staphylokokken-Stammes. Diese Daten sollten direkt in den Laborbefund einfließen.
Dokumentation: Phagentypisierung von Staphylococcus aureus (Isolat Pat. Müller, Station 3) zur Abklärung einer nosokomialen Infektionskette. Durchführung mittels Standard-Phagensatz. Ergebnis: Nachweis des Phagenmusters 80/81. Indikation: Epidemiologischer Abgleich mit Indexpatient.
GOÄ 4580: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 4580 dem Abschnitt M II (Speziallabor) angehört, liegt der Gebührenrahmen zwischen dem 1,0-fachen und dem 1,3-fachen Satz. Eine Überschreitung des Regelhöchstsatzes (1,15-fach) auf den Höchstsatz von 1,3 ist nur bei Vorliegen besonderer Erschwernisse zulässig. Typische Begründungen sind ein atypisches Phagenreaktionsmuster, das zusätzliche Testreihen erforderte, oder stark verunreinigte Ausgangskulturen, die eine aufwendige Vorreinigung notwendig machten.
Typische Ziffernkombinationen
Die Phagentypisierung steht nie isoliert. Sie setzt immer eine erfolgreiche Anzüchtung und Identifizierung voraus. Daher wird die GOÄ 4580 regelmäßig in Kombination mit der GOÄ-Ziffer 4500 (Anzüchtung von Bakterien) und der GOÄ-Ziffer 4530 (Identifizierung mittels biochemischer Reaktionen) abgerechnet. Auch die Kombination mit Resistenzprüfungen (z. B. GOÄ 4600) ist im klinischen Alltag die Regel und gebührenrechtlich vollkommen zulässig.
Tipp: Achten Sie bei der Kombination von Laborziffern darauf, dass die jeweiligen Einzelschritte logisch aufeinander aufbauen und die Dokumentation die zeitliche Abfolge der Analysen widerspiegelt.
Ziffer 4580 in der neuen GOÄ
Die Phagentypisierung von Staphylokokken hat im Entwurf keine eigenständige Nachfolgeleistung. (Heute beim 2,3-fachen Satz: 16,76 €.)
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4580
Was hat nicht gestimmt?