Die untersuchten Keime sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4581
Untersuchung durch Phagentypisierung von angezüchteten Bakterien (Bacteriocine oder ähnliche Methoden), je Untersuchung -Salmonellen
Die untersuchten Keime sind in der Rechnung anzugeben.
Die Gebührenordnungsziffer 4581 beschreibt eine hochspezialisierte Laborleistung zur Feintypisierung von Salmonellen. Diese Methode nutzt spezifische Bakteriophagen, um bakterielle Isolate innerhalb einer Spezies weiter zu differenzieren. Die Leistung setzt voraus, dass die entsprechenden Erreger bereits in einer Vorkultur erfolgreich angezüchtet wurden.
Die Phagentypisierung dient vor allem der Aufklärung von Infektionsketten und epidemiologischen Zusammenhängen. Der Verordnungsgeber schreibt zwingend vor, dass die konkret untersuchten Keime auf der Rechnung aufgeführt werden müssen. Ohne diese Angabe ist die Abrechnung formal fehlerhaft und kann von Kostenträgern zurückgewiesen werden.
GOÄ 4581 in der Praxis: Epidemiologische Relevanz und Indikation
Die Phagentypisierung nach GOÄ 4581 kommt primär dann zum Einsatz, wenn ein begründeter Verdacht auf ein lokales Ausbruchsgeschehen vorliegt. Durch die Bestimmung des spezifischen Phagentyps lässt sich feststellen, ob verschiedene Patienten an demselben Salmonellen-Stamm erkrankt sind. Dies erleichtert die Identifikation der gemeinsamen Infektionsquelle, beispielsweise kontaminierter Lebensmittel.
Klinisch ist die Differenzierung mittels Phagen oder Bacteriocinen abzugrenzen von der einfachen serologischen Bestimmung der O- und H-Antigene (Serotypisierung). Während die Serotypisierung den Erreger als Salmonella enteritidis identifiziert, geht die Phagentypisierung einen Schritt weiter. Sie liefert den subspezifischen Phagentyp, was für den öffentlichen Gesundheitsdienst und das Infektionsschutzgesetz von entscheidender Bedeutung ist.
Tipp: Die Durchführung dieser Untersuchung erfolgt häufig in spezialisierten Laboren oder Konsiliarlaboratorien. Niedergelassene Ärzte, die diese Leistung als Auftragsleistung veranlassen, müssen auf die korrekte Weitergabe der Probenbegleitdaten achten.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4581
Fallbeispiel 1: Häufung von Gastroenteritis-Fällen in einer Gemeinschaftseinrichtung
In einem Altenheim treten zeitgleich mehrere schwere Fälle von Gastroenteritis auf. Die Stuhlkulturen von drei Patienten zeigen ein Wachstum von Salmonellen. Zur Abklärung eines gemeinsamen Ausbruchsherdes veranlasst der behandelnde Arzt die Phagentypisierung der isolierten Stämme.
Die Begründung für die Untersuchung liegt in der epidemiologischen Notwendigkeit der Infektionskettenaufklärung. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4581 je untersuchtem Stamm (3-mal bei drei unterschiedlichen Patientenproben), jeweils unter Nennung des Keims auf der Rechnung.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf lebensmittelbedingten Salmonellen-Ausbruch
Ein Patient erkrankt nach dem Verzehr von rohem Ei an einer Salmonellose. Zur Verifizierung der Infektionsquelle wird der isolierte Keim mittels Phagentypisierung untersucht, um ihn mit Proben aus dem verdächtigen Betrieb abzugleichen.
Die präzise Stammidentifizierung sichert den epidemiologischen Zusammenhang ab. Die Abrechnung erfolgt mit dem Regelhöchstsatz von 16,76 Euro (1,15-facher Satz) unter Angabe des Keims Salmonella enteritidis.
Fallbeispiel 3: Differenzierung bei rezidivierender Salmonellen-Infektion
Ein Patient leidet nach scheinbar erfolgreicher Therapie erneut an einer Salmonellen-Gastroenteritis. Es soll geklärt werden, ob es sich um ein Rezidiv des alten Stammes oder um eine Neuinfektion mit einem anderen Phagentyp handelt.
Die Phagentypisierung des neu angezüchteten Stammes liefert die therapeutisch und hygienisch relevante Antwort. Die Abrechnung der GOÄ 4581 erfolgt neben der kulturellen Primärdiagnostik und wird auf der Liquidation entsprechend begründet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4581: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Abrechnungsfehler ist das Fehlen der Keimbezeichnung auf der Liquidation. Da der offizielle Leistungstext diese Angabe explizit fordert, führt das Versäumnis regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen und Beihilfestellen. Die bloße Nennung der Ziffer ohne den Zusatz Salmonella enteritidis (oder des jeweiligen Serovars) reicht nicht aus.
Zudem beanstanden Prüfer oft die unzulässige Nebeneinanderberechnung von verschiedenen Typisierungsverfahren, wenn diese keinen eigenständigen medizinischen Mehrwert bieten. Die Phagentypisierung darf nicht pauschal bei jedem Salmonellen-Befund durchgeführt werden, sondern erfordert eine konkrete epidemiologische oder klinische Fragestellung.
Achtung: Die GOÄ 4581 darf nur für bereits angezüchtete Bakterien berechnet werden. Eine Abrechnung direkt aus dem klinischen Primärmaterial (z. B. Stuhlprobe) ohne vorherige Isolierung und Reinzucht ist methodisch unmöglich und abrechnungstechnisch unzulässig.
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Dokumentation der GOÄ 4581: Praxisbewährte Hinweise
Für eine rechtssichere Abrechnung ist eine lückenlose Dokumentation im Laborbuch beziehungsweise in der Patientenakte unerlässlich. Es muss klar hervorgehen, aus welchem Primärmaterial der Stamm isoliert wurde und welche spezifischen Phagen-Reaktionsmuster beobachtet wurden. Auch das Ergebnis der Typisierung (z. B. Angabe des spezifischen Lysotyps) gehört in den Befundbericht.
Zusätzlich sollte die klinische Indikation – wie der Verdacht auf ein Ausbruchsgeschehen oder eine Reinfektion – dokumentiert werden. Dies dient als Argumentationshilfe bei eventuellen Rückfragen der Kostenträger.
Dokumentationsbeispiel:
Isolat aus Stuhlkultur vom 12.10.2023. Identifiziert als Salmonella enteritidis. Durchführung der Phagentypisierung mittels standardisiertem Phagensatz. Ergebnis: Phagentyp PT4 nachgewiesen. Indikation: Epidemiologische Abklärung bei Verdacht auf Ausbruch in Kita.
GOÄ 4581: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ 4581 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, unterliegt sie dem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15 (16,76 Euro), der Höchstsatz bei 1,3 (18,94 Euro). Eine Überschreitung des Schwellenwertes bis zum 1,3-fachen Satz ist nur bei Vorliegen besonderer Erschwernisse zulässig.
Solche Erschwernisse können beispielsweise in einer schwierigen Stammreinzucht bei starker Begleitflora oder in atypischen Reaktionsmustern der Phagen liegen, die eine Wiederholung der Testung erforderlich machen. Die Begründung muss individuell und patientenbezogen auf der Rechnung formuliert werden.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 4581 wird regelmäßig in Kombination mit den Ziffern für die Erregeranzucht und die primäre Identifizierung abgerechnet. Typisch ist die Kombination mit der GOÄ-Ziffer 4538 (Kulturelle Untersuchung zur Identifizierung von Salmonellen) oder Ziffern für die serologische Differenzierung. Es ist darauf zu achten, dass die Einzelschritte der Diagnostik logisch aufeinander aufbauen und die jeweiligen Leistungstexte exakt erfüllt sind.
Ziffer 4581 in der neuen GOÄ
Die Phagentypisierung von Salmonellen hat im Entwurf keine eigenständige Nachfolgeleistung. (Heute beim 2,3-fachen Satz: 16,76 €.)
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4581
Was hat nicht gestimmt?