Die Abrechnung der Viskokanaloplastik nach GOÄ-Ziffer A1382 wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Analogbewertung, Steigerungssätzen und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A1382
Viskokanobplasie (Viskokanaloplastik) – analog Nr. 1382 (Zyklodiolyse)
Die Ziffer A1382 beschreibt die analoge Abrechnung der Viskokanaloplastik. Da diese moderne, mikroinvasive Operationsmethode zur Behandlung des Glaukoms nicht im ursprünglichen Gebührenverzeichnis von 1996 enthalten ist, erfolgt die Liquidation analog über die Ziffer 1382. Diese Ziffer ist mit einer Bewertung von 2.500 Punkten hinterlegt.
Die Leistung umfasst die operative Freilegung und das anschließende Sondieren des Schlemm-Kanals mittels eines Mikrokatheters. Durch das kontrollierte Einbringen einer hochviskosen elastischen Substanz wird der Abflussweg für das Kammerwasser dauerhaft gedehnt. Alle für diesen Eingriff notwendigen mikrochirurgischen Teilschritte sind mit dieser Ziffer abgegolten.
GOÄ A1382 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Die Viskokanaloplastik stellt ein etabliertes Verfahren in der operativen Glaukomtherapie dar. Sie wird primär bei Patienten mit einem chronischen Offenwinkelglaukom angewendet, bei denen eine medikamentöse Augendrucksenkung nicht mehr ausreicht oder Unverträglichkeiten gegenüber Glaukomtropfen bestehen. Auch bei Pseudoexfoliationsglaukomen zeigt diese Methode gute klinische Ergebnisse.
Im Gegensatz zu filtrierenden Eingriffen bleibt die Bindehaut bei diesem Verfahren weitgehend unberührt. Dies minimiert das Risiko für postoperative Infektionen oder die Entstehung eines Sickerkissens. Die Abrechnung der Ziffer A1382 setzt voraus, dass die Kanaloplastik als eigenständige, medizinisch notwendige Hauptleistung durchgeführt wird.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A1382
Fallbeispiel 1: Unkomplizierte Viskokanaloplastik bei Offenwinkelglaukom
Ein Patient leidet an einem progredienten Offenwinkelglaukom unter maximaler lokaler Therapie. Es erfolgt eine komplikationslose Viskokanaloplastik am linken Auge mit einer 360-Grad-Sondierung. Die Abrechnung erfolgt mit dem Regelhöchstsatz (2,3-fach), da keine intraoperativen Besonderheiten vorlagen. Dies entspricht einem Honorar von 335,15 €.
Fallbeispiel 2: Erschwerte Viskokanaloplastik bei voroperiertem Auge
Bei einem Patienten mit Zustand nach Selektiver Lasertrabekuloplastik (SLT) zeigt sich der Schlemm-Kanal teilweise verklebt. Die Sondierung erfordert einen deutlich erhöhten Zeitaufwand und den Einsatz spezieller Mikroinstrumente zur Adhäsiolyse. Der behandelnde Augenarzt rechnet die Ziffer A1382 mit dem Höchstsatz (3,5-fach) ab. Die Liquidation beläuft sich auf 510,01 € und wird im OP-Bericht ausführlich begründet.
Fallbeispiel 3: Kombinierte Operation aus Katarakt-OP und Viskokanaloplastik
Ein Patient weist sowohl eine fortgeschrittene Katarakt als auch ein therapieresistentes Glaukom auf. In einer Sitzung werden eine Phakoemulsifikation mit Intraokularlinsen-Implantation und eine Viskokanaloplastik durchgeführt. Neben der Ziffer 1375 für die Kataraktoperation wird die Ziffer A1382 analog für den Glaukomeingriff abgerechnet. Beide Leistungen sind nebeneinander voll erstattungsfähig.
Häufige Fehler bei der GOÄ A1382: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Kombination mit anderen drucksenkenden Eingriffen am selben Auge. Die gleichzeitige Abrechnung einer Trabekulektomie nach Nr. 1380 und der Viskokanaloplastik nach Nr. A1382 wird von privaten Krankenversicherungen meist abgelehnt. Solche Kombinationen sind nur in seltenen, medizinisch begründeten Ausnahmefällen statthaft.
Achtung: Die analoge Abrechnung der Viskokanaloplastik darf nicht mit der Ziffer für eine einfache Zyklodiolyse verwechselt werden. Da es sich um eine Analogbewertung handelt, muss die Ziffer auf der Rechnung zwingend mit einem vorangestellten "A" oder dem klaren Hinweis "analog" gekennzeichnet werden, um formale Rechnungsfehler zu vermeiden.
Häufig versuchen Kostenträger auch, die Viskokanaloplastik auf kostengünstigere Ziffern wie die Nr. 1345 (Parazentese) herunterzustufen. Dies widerspricht den Empfehlungen der Bundesärztekammer. Eine fundierte Abwehr solcher Kürzungen erfordert den Verweis auf die offizielle Analogbewertung der Ziffer 1382.
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Dokumentation der GOÄ A1382: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen alle Teilschritte der Viskokanaloplastik detailliert beschrieben werden. Insbesondere der Grad der Sondierung (z. B. 360 Grad) und die Menge des verwendeten Viskoelastikums sind exakt zu protokollieren.
Dokumentation: Präparation des skleralen Zugangs, Darstellung des Schlemm-Kanals. Erfolgreiche, vollständige 360-Grad-Sondierung mit dem Mikrokatheter. Kontinuierliche Dilatation des Lumens durch Applikation von hochviskosem Natriumhyaluronat beim Rückzug. Spannungsfreie Naht des skleralen Deckels. Intraokulärer Druck postoperativ stabil.
Zusätzlich sollten eventuelle anatomische Besonderheiten wie Engpässe oder Blutungen im Kanal dokumentiert werden. Diese Angaben dienen als direkte Grundlage für eine eventuelle Faktorerhöhung über den Regelsatz hinaus.
GOÄ A1382: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Gebührensatzes über den 2,3-fachen Regelsatz hinaus bis zum 3,5-fachen Höchstsatz ist bei der Viskokanaloplastik gut begründbar. Typische Kriterien für eine Steigerung sind ein stark verengter Schlemm-Kanal, ausgeprägte Synechien oder starke intraoperative Blutungen. Auch ein Zustand nach vorangegangenen intraokularen Eingriffen, der die Präparation erschwert, rechtfertigt einen höheren Faktor.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der Hauptleistung A1382 können begleitende Leistungen abgerechnet werden. Hierzu gehören die Anästhesie (z. B. Retrobulbäranästhesie nach Nr. 470) sowie die postoperative Überwachung. Die Verwendung des Operationsmikroskops ist nach Ziffer 440 zusätzlich berechnungsfähig, sofern keine systemischen Ausschlüsse vorliegen.
Tipp: Bei der kombinierten Durchführung mit einer Kataraktoperation (Phakoemulsifikation) sollte darauf geachtet werden, dass beide Eingriffe eigenständige Indikationen besitzen. Eine getrennte Dokumentation der jeweiligen Operationsschritte erleichtert die Durchsetzung des vollen Honoraranspruchs bei der privaten Krankenversicherung.
Ziffer A1382 in der neuen GOÄ
Die Viskokanaloplastie (bisher Analogziffer zu Nr. 1382 GOÄ, Goniotrepanation) wird in der neuen GOÄ mit einer eigenen Regelleistung abgebildet — ohne Analogkonstrukt.
10341 „Senkung des Augeninnendrucks bei Glaukom durch Trabekulektomie und/oder … Kanaloplastie …" — 581,13 €; die Viskokanaloplastie ist dort namentlich aufgeführt. Der bisherige 2,3-fache Satz der Analogziffer lag bei 335,16 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A1382
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