Der NMP 22 Schnelltest nach GOÄ-Ziffer A3911.H3 dient der Blasenkrebs-Früherkennung. Unser Leitfaden zeigt die rechtssichere Abrechnung und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A3911.H3
A3911.H3: Nukleäres-Matrix-Protein (NMP) 22 – Schnelltest – analog Nr. 3911 GOÄ (n. Empfehlung der BÄK)
Die Ziffer A3911.H3 beschreibt eine analoge Bewertung für den immunologischen Schnelltest zum Nachweis von nukleärem Matrixprotein 22 im Urin. Diese Leistung wurde von der Bundesärztekammer (BÄK) analog zur Ziffer 3911 GOÄ eingestuft, um eine zeitgemäße urologische Labordiagnostik abzubilden. Der Test dient der qualitativen oder semiquantitativen Bestimmung des Proteins, das von Tumorzellen der Blase vermehrt freigesetzt wird.
Im Leistungsumfang sind die Probenvorbereitung, die Durchführung des immunologischen Testverfahrens sowie die visuelle oder apparative Auswertung enthalten. Die Ziffer deckt somit alle labortechnischen Schritte ab, die für das Vor-Ort-Ergebnis in der Praxis notwendig sind. Eine gesonderte Berechnung von Verbrauchsmaterialien oder Reagenzien ist im Rahmen der GOÄ-Bestimmungen ausgeschlossen.
GOÄ A3911.H3 in der Praxis: Indikation und klinischer Stellenwert
Der NMP 22 Schnelltest besitzt einen hohen Stellenwert in der urologischen Diagnostik, insbesondere bei der Abklärung einer schmerzlosen Hämaturie. Da das nukleäre Matrixprotein 22 spezifisch von proliferierenden Urothelzellen abgegeben wird, eignet sich der Test hervorragend als ergänzendes Diagnostikum. Er kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn ein begründeter Verdacht auf ein Urothelkarzinom der Harnblase besteht.
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Tumornachsorge nach der Resektion eines Blasenkarzinoms. Hier hilft der Test, Rezidive frühzeitig und nicht-invasiv zu erkennen, oft noch vor sichtbaren Veränderungen in der Zystoskopie. Die Kombination aus Zystoskopie und NMP 22 Schnelltest erhöht die diagnostische Sicherheit für den Patienten signifikant.
Tipp: Nutzen Sie den Schnelltest gezielt bei Risikogruppen wie Rauchern oder Personen mit beruflicher Exposition gegenüber chemischen Gefahrstoffen, um eine frühzeitige Diagnose zu sichern.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A3911.H3
Fallbeispiel 1: Abklärung einer Mikrohämaturie
Ein 62-jähriger Patient stellt sich mit einer symptomlosen, im Urinstatus nachgewiesenen Mikrohämaturie vor. Zum Ausschluss eines urologischen Tumors wird neben der Sonographie ein NMP 22 Schnelltest durchgeführt. Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer A3911.H3 analog, da eine konkrete klinische Symptomatik die urologische Abklärung medizinisch notwendig macht.
Fallbeispiel 2: Rezidivprophylaxe bei bekanntem Blasenkarzinom
Eine 74-jährige Patientin befindet sich in der regelmäßigen Nachsorge nach der Resektion eines oberflächlichen Harnblasenkarzinoms. Im Rahmen der Kontrolluntersuchung wird der NMP 22 Schnelltest zur Früherkennung eines Rezidivs eingesetzt. Die medizinische Notwendigkeit ist durch die urologische Tumorhistorie vollständig gegeben, sodass die Ziffer A3911.H3 problemlos liquidiert werden kann.
Fallbeispiel 3: Vorsorge bei beruflicher Hochrisikoexposition
Ein 55-jähriger Patient, der jahrzehntelang in der chemischen Industrie mit aromatischen Aminen gearbeitet hat, wünscht eine urologische Abklärung. Aufgrund des extrem hohen Expositionsrisikos ist der Test medizinisch indiziert. Die Durchführung des Schnelltests wird dokumentiert und über die GOÄ-Ziffer A3911.H3 im Rahmen der kurativen Diagnostik abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ A3911.H3: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der Ziffer A3911.H3 ist die Durchführung als reines, symptomloses Screening ohne dokumentierte Risikofaktoren. Private Krankenversicherungen fordern in solchen Fällen oft den Nachweis einer medizinischen Notwendigkeit. Liegt kein konkreter Verdacht oder kein Risikoprofil vor, muss die Leistung als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) vereinbart werden.
Zudem beanstanden Prüfstellen regelmäßig die gleichzeitige Abrechnung von anderen quantitativen Tumormarkern aus derselben Urinprobe am selben Kalendertag. Die Ziffer A3911.H3 darf nicht mit anderen urologischen Tumormarkern wie dem PCA3-Test kumuliert werden, wenn diese demselben diagnostischen Zweck dienen. Achten Sie daher streng auf die Ausschlussbestimmungen des Abschnitts M der GOÄ.
Achtung: Die Abrechnung der Ziffer A3911.H3 als Routineleistung bei jedem urologischen Patienten ohne spezifische Indikation führt unweigerlich zu Honorarkürzungen und Rückfragen der Kostenträger.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ A3911.H3: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das wichtigste Werkzeug, um Honorarverluste bei der Abrechnung der Ziffer A3911.H3 zu vermeiden. In der Patientenakte müssen die genaue urologische Fragestellung, die klinischen Symptome sowie das konkrete Testergebnis dokumentiert werden. Auch die Chargennummer des verwendeten Schnelltest-Kits sollte aus Gründen der Qualitätssicherung erfasst werden.
Zusätzlich sollte die sich aus dem Testergebnis ergebende therapeutische Konsequenz, wie etwa die Einleitung einer Zystoskopie bei positivem Befund, vermerkt werden. Dies belegt die klinische Relevanz der Untersuchung gegenüber den privaten Krankenversicherungen und Beihilfestellen im Falle einer Nachprüfung.
Dokumentation: Pat. stellt sich vor mit schmerzloser Makrohämaturie. Durchführung NMP 22 Schnelltest (A3911.H3) zur urologischen Tumorausschlussdiagnostik. Testergebnis: Positiv. Einleitung einer zeitnahen Zystoskopie und urologischen Abklärung vereinbart.
GOÄ A3911.H3: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Ziffer A3911.H3 unterliegt dem Gebührenrahmen für Laborleistungen und kann im Regelfall bis zum 1,15-fachen Satz gesteigert werden. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur bei Vorliegen besonderer Erschwernisse zulässig. Solche Erschwernisse können beispielsweise in einer schwierigen Probenaufbereitung bei stark verunreinigtem Urin oder einer aufwendigen Differenzialdiagnostik begründet sein.
Typische Ziffernkombinationen
In der urologischen Praxis wird die Ziffer A3911.H3 häufig mit grundlegenden urologischen Leistungen kombiniert. Zulässig ist die gemeinsame Abrechnung mit der symptombezogenen Untersuchung nach GOÄ-Ziffer 5 sowie urologischen Ultraschallleistungen nach den Ziffern 410 und 420. Auch die Kombination mit einer Zystoskopie nach GOÄ-Ziffer 1785 ist im Rahmen der erweiterten Diagnostik absolut üblich und erstattungsfähig.
Ziffer A3911.H3 in der neuen GOÄ
A3911.H3 (NMP-22-Schnelltest, Nuclear Matrix Protein 22 im Urin, analog Nr. 3911 GOÄ) hat im aktuellen Entwurf keinen eigenständigen Nachfolger. Für diesen Analyt ist kein eigener Kode im Entwurf hinterlegt. Bisher lag der 2,3-fache Satz bei 30,16 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A3911.H3
Was hat nicht gestimmt?