Der quantitative CK-MB-Schnelltest nach GOÄ-Ziffer A3788 ist essenziell bei Verdacht auf Myokardschäden. Erfahren Sie alles zur korrekten Abrechnung.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A3788
Untersuchung zum Nachweis von Creatinkinase-Isoenzym MB (CK-MB) mittels Immunoassay - analog als Schnelltest, quantitativ
Die Analogziffer A3788 beschreibt die quantitative Bestimmung des herzspezifischen Isoenzyms CK-MB mittels eines Schnelltests. Diese Leistung wird im Rahmen der patientennahen Sofortdiagnostik (Point-of-Care-Testing, POCT) erbracht. Sie dient der schnellen Abklärung kardialer Ereignisse direkt in der Praxis.
Im Gegensatz zu qualitativen Tests liefert dieses Verfahren einen präzisen numerischen Messwert. Die medizinische Relevanz liegt in der schnellen Verfügbarkeit des Ergebnisses innerhalb weniger Minuten. Dies ermöglicht eine sofortige therapeutische Entscheidung bei akutem Verdacht auf Myokardschädigung.
GOÄ A3788 in der Praxis: Indikation und klinische Relevanz bei akutem Koronarsyndrom
Der quantitative CK-MB-Schnelltest kommt vor allem bei Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom (ACS) zum Einsatz. Da CK-MB nach einem Myokardinfarkt rasch ansteigt und innerhalb von 48 Stunden wieder abfällt, eignet sich dieser Parameter hervorragend zur Diagnostik von Reinfarkten. In dieser Konstellation bietet er einen entscheidenden Vorteil gegenüber Troponin, welches tagelang erhöht bleibt.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Abgrenzung von Skelettmuskelschäden gegenüber echten Myokardschäden. Durch die Bestimmung des prozentualen Anteils der CK-MB an der Gesamt-CK lässt sich die kardiale Spezifität genauer eingrenzen. Die Abrechnung der Ziffer setzt voraus, dass die Messung quantitativ und mit einem dafür geeigneten Analysengerät durchgeführt wurde.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A3788
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Reinfarkt nach vier Tagen
Ein Patient stellt sich vier Tage nach einem stattgehabten Myokardinfarkt mit erneuten Thoraxschmerzen in der Praxis vor. Zur Abklärung eines potenziellen Reinfarkts wird ein quantitativer CK-MB-Schnelltest durchgeführt. Da das Troponin aus dem Erstinfarkt noch erhöht ist, liefert der CK-MB-Wert hier die entscheidende Information. Die Abrechnung erfolgt über die Analogziffer A3788 neben der symptombezogenen Untersuchung.
Fallbeispiel 2: Akuter Thoraxschmerz in der Notfallsprechstunde
Eine Patientin klagt über akuten, unklaren Thoraxschmerz seit zwei Stunden. Neben einem EKG wird ein kardiales Screening mittels quantitativem CK-MB- und Troponin-Schnelltest in der Praxis durchgeführt. Die schnelle quantitative Bestimmung sichert den Ausschluss eines akuten Infarkts ab. Abgerechnet werden die Ziffern 651 (EKG), A3785 (Troponin) und A3788 für den CK-MB-Test.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle nach kardiologischer Intervention
Zur Verlaufskontrolle nach einer perkutanen koronaren Intervention (PCI) wird am Folgetag eine Blutentnahme durchgeführt. Der behandelnde Arzt veranlasst die Bestimmung der CK-MB zur Überprüfung einer prozedurassoziierten Myokardschädigung. Die quantitative Analyse erfolgt direkt vor Ort. Abgerechnet wird die Leistung nach GOÄ A3788 zum Regelsatz.
Häufige Fehler bei der GOÄ A3788: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die Verwechslung von qualitativen und quantitativen Schnelltests. Ein rein qualitativer Test (visueller Streifentest ohne Messgerät) darf nicht nach der Ziffer A3788 berechnet werden. Für qualitative Schnelltests sind gegebenenfalls andere, niedrigere Ziffern heranzuziehen.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen häufig die Nebeneinanderberechnung von CK-MB und der Gesamt-CK, wenn die medizinische Notwendigkeit nicht klar aus der Dokumentation hervorgeht. Auch die gleichzeitige Abrechnung der Laborziffer 3788 (Zentrallabor) und der Analogziffer A3788 für dieselbe Blutprobe ist strikt ausgeschlossen.
Achtung: Die Abrechnung der Ziffer A3788 setzt zwingend den Einsatz eines kalibrierten, quantitativen Messsystems in der Praxis voraus. Reine Ja/Nein-Schnelltests erfüllen die Leistungsvoraussetzungen nicht und führen bei Prüfungen regelmäßig zu Honorarkürzungen.
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Dokumentation der GOÄ A3788: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Kostenträger. In der Patientenakte müssen die präzise Indikation (z. B. Ausschluss Reinfarkt) sowie der exakte quantitative Messwert dokumentiert werden. Auch die Uhrzeit der Blutentnahme und der Messung sind bei akuten kardialen Ereignissen von hoher Relevanz.
Zusätzlich sollte der Gerätetyp oder das verwendete Messverfahren in den Stammdaten oder der Dokumentation hinterlegt sein. Dies erleichtert den Nachweis der quantitativen Methodik im Falle einer Nachfrage durch die private Krankenversicherung.
Dokumentation: 10:15 Uhr: Blutentnahme bei V. a. Reinfarkt bei Z. n. Hinterwandinfarkt vor 5 Tagen. Quantitativer CK-MB-Schnelltest (Gerät: Cobas h 232) ergibt 18,4 ng/ml (Referenzbereich < 5,0 ng/ml). Befundbesprechung erfolgt.
GOÄ A3788: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich bei der Ziffer A3788 um eine Leistung des Abschnitts M (Laborleistungen) handelt, ist der Gebührenrahmen in der Regel auf den 1,15-fachen Satz begrenzt. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur in seltenen, medizinisch begründeten Ausnahmefällen möglich. Solche Gründe müssen auf der Rechnung patientenbezogen und detailliert dargelegt werden.
Typische Ziffernkombinationen
Der CK-MB-Schnelltest wird selten isoliert durchgeführt. Sinnvolle und zulässige Kombinationen umfassen die symptombezogene Untersuchung nach Ziffer 5, das Schreiben eines 12-Kanal-EKGs nach Ziffer 651 sowie weitere kardiale Biomarker wie Troponin (Ziffer A3785). Auch die Blutentnahme nach Ziffer 250 ist neben der Laborleistung eigenständig berechenbar.
Tipp: Achten Sie bei der Kombination von CK-MB und Troponin darauf, dass die Dokumentation die Notwendigkeit beider Parameter stützt. Dies ist besonders bei der zeitkritischen Abklärung eines vermuteten Reinfarkts der Fall.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A3788
Was hat nicht gestimmt?