GOÄ 1758: Samenleiterrekonstruktion korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 1758
Operative Wiederherstellung der Durchgängigkeit eines Samenleiters
Punktzahl 1110  
Einfachsatz 64,70 € 1,0x
Regelhöchstsatz 148,81 € 2,3x
Höchstsatz 226,45 € 3,5x

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 1758 für die operative Wiederherstellung des Samenleiters erfordert Präzision. Erfahren Sie alles zu Fallstricken und Tipps.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1758

Operative Wiederherstellung der Durchgängigkeit eines Samenleiters

Die GOÄ-Ziffer 1758 beschreibt eine hochspezialisierte urologische Leistung zur Wiederherstellung der männlichen Zeugungsfähigkeit. Diese mikrochirurgische Rekonstruktion erfordert eine präzise Operationstechnik unter Verwendung eines Operationsmikroskops. Der Eingriff umfasst das Aufsuchen, die Mobilisation sowie die Prüfung der Durchgängigkeit der Samenleiterenden.

Im Anschluss erfolgt die eigentliche Verbindung der Enden, meist in Form einer Vaso-Vasostomie oder einer Vaso-Epididymostomie. Die Leistung nach Ziffer 1758 beinhaltet das gesamte operative Vorgehen inklusive der aufwendigen, mehrschichtigen Nahttechnik zur Sicherung der langfristigen Durchgängigkeit. Vorbereitende Maßnahmen und die intraoperative Qualitätskontrolle sind ebenfalls mit der Gebühr abgegolten.

GOÄ 1758 in der Praxis: Indikationen und klinischer Ablauf

Der häufigste Grund für die Durchführung dieser Operation ist der Wunsch nach einer Refertilisierung nach Sterilisation (Vasektomie). Aber auch postentzündliche Verschlüsse, beispielsweise nach einer schweren Epididymitis, oder traumatische Verletzungen des Samenleiters stellen klare Indikationen dar. Der Eingriff wird in der Regel ambulant oder kurzstationär durchgeführt.

Da es sich bei der Refertilisierung nach einer bewussten Sterilisation medizinisch um eine Verlangensleistung handeln kann, ist die Abgrenzung der Kostentragung essenziell. Bei medizinisch notwendigen Rekonstruktionen, etwa nach Unfällen oder Entzündungen, ist die Indikation für die private Krankenversicherung meist unstrittig. In allen Fällen ist eine präzise präoperative Aufklärung und Indikationsstellung unabdingbar.

Tipp: Da die Refertilisierung nach einer Sterilisation häufig nicht von den privaten Krankenversicherungen getragen wird, empfiehlt sich der Abschluss einer schriftlichen Honorarvereinbarung nach § 2 GOÄ vor dem Eingriff.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1758

Fallbeispiel 1: Refertilisierung nach Vasektomie

Ein Patient wünscht fünf Jahre nach einer beidseitigen Vasektomie die Wiederherstellung seiner Zeugungsfähigkeit. Es erfolgt eine beidseitige mikrochirurgische Vaso-Vasostomie in Vollnarkose. Die Abrechnung erfolgt für beide Seiten getrennt, da es sich um paarige Organe handelt. Somit kann die GOÄ 1758 zweimal (bzw. mit dem Zusatz "beidseitig") in Ansatz gebracht werden.

Fallbeispiel 2: Einseitige Rekonstruktion nach Entzündung

Bei einem Patienten liegt ein einseitiger Verschluss des Samenleiters nach einer abgelaufenen Nebenhodenentzündung vor. Der Urologe führt eine einseitige operative Wiederherstellung der Durchgängigkeit durch. Die Abrechnung erfolgt einfach über die GOÄ-Ziffer 1758 zum Regelsatz, da keine außergewöhnlichen operativen Erschwernisse vorlagen.

Fallbeispiel 3: Komplexe Revision bei ausgeprägter Vernarbung

Ein Patient stellt sich zur Refertilisierung vor, nachdem ein erster Rekonstruktionsversuch alio loco missglückt ist. Aufgrund massiver Vernarbungen im Operationsgebiet gestaltet sich das Aufsuchen der Samenleiterenden als extrem schwierig. Der Behandler rechnet die GOÄ 1758 mit einem erhöhten Steigerungssatz (z. B. 3,5-fach) ab und begründet dies mit dem stark erhöhten Zeitaufwand und der schwierigen Präparation.

Häufige Fehler bei der GOÄ 1758: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 1758 ist die unvollständige Dokumentation der Beidseitigkeit. Wenn der Eingriff an beiden Samenleitern durchgeführt wird, muss dies explizit aus der Rechnung hervorgehen. Andernfalls kürzen private Kostenträger die Liquidation oft auf eine einfache Ausführung.

Zudem versuchen Prüfstellen regelmäßig, den Zuschlag für das Operationsmikroskop (GOÄ 440) zu streichen, mit der Begründung, die Mikrochirurgie sei bereits in der Ziffer 1758 impliziert. Dies ist jedoch unzulässig, da die GOÄ 1758 den Einsatz des Mikroskops nicht zwingend im Legendentext vorschreibt. Die Zusatzberechnung der GOÄ 440 ist daher rechtens und sollte konsequent verteidigt werden.

Achtung: Die Nebeneinanderberechnung von GOÄ 1758 und GOÄ 1755 (Unterbindung, Exzision oder Resektion am Samenleiter) für dieselbe Seite in derselben Sitzung ist ausgeschlossen. Achten Sie darauf, diese Ziffern strikt zu trennen.

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Dokumentation der GOÄ 1758: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Schild gegen Honorarkürzungen. Im OP-Bericht müssen alle Teilschritte der mikrochirurgischen Anastomose detailliert beschrieben werden. Insbesondere die Darstellung der Samenleiterenden, die Durchgängigkeitsprüfung mittels Spülung und die exakte Nahttechnik (z. B. zweischichtige Vaso-Vasostomie) müssen dokumentiert sein.

Auch die Verwendung spezifischer Materialien wie ultrafeiner Nahtmaterialien (z. B. Stärke 9-0 oder 10-0) stützt die Plausibilität des mikrochirurgischen Aufwands. Bei einer geplanten Steigerung des Gebührensatzes sollten die konkreten anatomischen Erschwernisse direkt im Bericht hervorgehoben werden.

Dokumentationsbeispiel: ... Präparation des Samenleiters links unter dem Operationsmikroskop. Darstellung der verödeten Enden und Resektion des Narbengewebes. Erfolgreiche Durchgängigkeitsprüfung des abdominalen Anteils mittels Kochsalzspülung. Durchführung einer zweischichtigen, mikrochirurgischen Vaso-Vasostomie mit Einzelknopfnähten (Mucosa 10-0, Adventitia 9-0). ...

GOÄ 1758: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Eine Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus ist bei der GOÄ 1758 gut begründbar. Typische Argumente für eine Faktorsteigerung sind ein extrem langer Verschlusszeitraum (länger als 10 Jahre), der zu starker Atrophie führt, oder ausgeprägte Verwachsungen nach Voroperationen im Leistenbereich. Auch ein unvorhergesehener Wechsel auf eine Vaso-Epididymostomie aufgrund fehlender Spermien im intraoperativen Ausstrich rechtfertigt einen höheren Faktor.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der Hauptleistung GOÄ 1758 können verschiedene Begleitleistungen abgerechnet werden. Hierzu gehören die GOÄ 440 (Zuschlag für die Anwendung eines Operationsmikroskops) sowie gegebenenfalls ambulante OP-Zuschläge. Auch die intraoperative mikroskopische Untersuchung des Vas-Analisats auf Spermienfreiheit bzw. Spermienvorkommen kann nach den entsprechenden Laborziffern liquidiert werden. Die postoperative Überwachung ist über die entsprechenden Überwachungsziffern darstellbar.

Ziffer 1758 in der neuen GOÄ

Die bisherige Ziffer 1758 erhält in der neuen GOÄ die Nummer 10220 — „Operative Wiederherstellung der Durchgängigkeit eines Samenleiters, als selbständige Leistung, je Seite" — mit einem Festpreis von 732,11 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 148,81 €). Abrechnung: je Seite.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1758

Ja, die GOÄ-Ziffer 1758 kann bei beidseitiger Durchführung auch zweimal berechnet werden. Hierzu muss die Abrechnung den Zusatz 'beidseitig' oder die getrennte Aufführung der Seiten für links und rechts enthalten.
Die Kostenübernahme durch private Krankenversicherungen hängt vom individuellen Tarif und der medizinischen Indikation ab. Bei einer Refertilisierung nach freiwilliger Sterilisation lehnen Versicherer die Erstattung häufig ab, weshalb eine vorherige Klärung ratsam ist.
Neben der GOÄ 1758 sind andere operative Eingriffe am Samenleiter, die denselben operativen Zugang betreffen, wie die GOÄ 1755, am selben Samenleiter nicht nebeneinander berechenbar. Allgemeine urologische Basisleistungen sind jedoch kombinierbar.
Eine Schwellenwertüberschreitung über den 2,3-fachen Satz ist bei schwierigen anatomischen Verhältnissen, starker Vernarbung oder extrem feinen Gewebestrukturen gerechtfertigt. Diese Erschwernisse müssen detailliert im OP-Bericht dokumentiert werden.
Ja, die Anwendung des Operationsmikroskops kann mit der GOÄ-Ziffer 440 zusätzlich berechnet werden. Da die Refertilisierung eine mikrochirurgische Präzision erfordert, ist dieser Zuschlag in der urologischen Praxis die Regel.
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