Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 2062: So rechnen Sie die Drahtstiftung an Hand und Fuß rechtssicher ab. Mit Fallbeispielen, Ausschlüssen und Dokumentationstipps.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2062
Drahtstiftung zur Fixierung von mehreren kleinen Gelenken, Drahtstiftung an der Daumenbasis oder an der Mittelhand oder am Mittelfuß mittels gekreuzter Drähte
Die GOÄ-Ziffer 2062 beschreibt eine operative Leistung aus dem Bereich der Extremitätenchirurgie. Sie umfasst die temporäre oder permanente Stabilisierung von Knochenfragmenten oder Gelenken mittels einer Drahtstiftung. Diese Methode kommt vor allem an den filigranen Strukturen der Hand und des Fußes zum Einsatz.
Die Leistung beinhaltet das operative Einbringen von Drähten, in der Regel Kirschner-Drähten, zur mechanischen Fixation. Die Besonderheit dieser Ziffer liegt in der geometrischen Anordnung oder der Anzahl der versorgten Strukturen. Es muss sich entweder um die Fixierung mehrerer kleiner Gelenke oder um die Verwendung gekreuzter Drähte an spezifischen Lokalisationen wie der Daumenbasis handeln.
GOÄ 2062 in der Praxis: Indikationen und klinische Anwendung
In der chirurgischen und orthopädischen Praxis ist die GOÄ 2062 eine häufig genutzte Ziffer bei der Versorgung von Frakturen und Luxationen. Typische Indikationen sind instabile Knochenbrüche im Bereich der Mittelhandknochen oder der Mittelfußknochen. Auch bei der operativen Versorgung einer instabilen Bennett-Fraktur an der Daumenbasis ist diese Ziffer das Standardinstrument zur Abrechnung.
Ein weiteres großes Anwendungsgebiet ist die Korrektur von Fehlstellungen an den Zehen oder Fingern. Wenn im Rahmen einer Arthrodese oder Korrekturoperation mehrere kleine Gelenke temporär blockiert werden müssen, ist der Ansatz dieser Ziffer gerechtfertigt. Die verwendeten Kirschner-Drähte verbleiben meist für einige Wochen im Knochen, bis eine ausreichende biologische Stabilität erreicht ist.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2062
Fallbeispiel 1: Bennett-Fraktur an der Daumenbasis
Ein Patient stellt sich mit einer dislozierten, instabilen Bennett-Fraktur der Daumenbasis vor. Nach erfolgreicher Reposition erfolgt die perkutane Fixation des Daumensattelgelenks mit zwei gekreuzten Kirschner-Drähten unter Durchleuchtungskontrolle. Da die Stabilisierung an der Daumenbasis mittels gekreuzter Drähte erfolgte, ist die Abrechnung der GOÄ 2062 vollumfänglich begründet. Die geschlossene Reposition wird hierbei separat berechnet.
Fallbeispiel 2: Arthrodese mehrerer Zehengelenke
Bei einer Patientin mit ausgeprägten Krallenzehen D2 und D3 wird eine Resektionsarthrodese der PIP-Gelenke durchgeführt. Zur internen Schienung wird jeweils ein Kirschner-Draht retrograd eingebracht. Da hierbei eine Fixierung von mehreren kleinen Gelenken vorliegt, rechnet die Praxis die GOÄ 2062 ab. Die Durchführung einer Arthrodese stellt die medizinische Notwendigkeit zweifelsfrei dar.
Fallbeispiel 3: Trümmerfraktur des Os metatarsale V
Nach einem direkten Trauma zeigt sich eine mehrfragmentäre Fraktur des fünften Mittelfußknochens. Der Operateur führt eine offene Einrichtung durch und stabilisiert die Fragmente mit gekreuzten Drähten. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 2062, da die Fixierung am Mittelfuß mittels gekreuzter Drähte stattfand. Die offene Freilegung und die Osteosynthese bilden das klinische Fundament für diese Liquidation.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2062: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die fehlerhafte Kombination mit der GOÄ-Ziffer 2060. Der Ausschluss der Ziffer 2060 neben der Ziffer 2062 für dieselbe anatomische Region ist in den Allgemeinen Bestimmungen festgeschrieben. Private Krankenversicherungen kürzen Rechnungen umgehend, wenn beide Ziffern für denselben Eingriff nebeneinander auftauchen.
Zudem versuchen Prüfstellen oft, die Abrechnung zu mindern, wenn aus dem Operationsbericht nicht eindeutig hervorgeht, dass tatsächlich gekreuzte Drähte oder mehrere Gelenke versorgt wurden. Eine einfache, parallele Drahtung rechtfertigt an Daumen, Mittelhand oder Mittelfuß nicht den Ansatz der GOÄ 2062. Auch eine unzulässige Mehrfachberechnung pro eingebrachtem Draht wird regelmäßig beanstandet, da die Ziffer die gesamte Leistung pro Sitzung und Region abgilt.
Achtung: Achten Sie darauf, dass bei der Versorgung von Daumenbasis, Mittelhand oder Mittelfuß die Verwendung gekreuzter Drähte explizit im OP-Bericht dokumentiert ist. Andernfalls droht eine Herabstufung auf die schlechter bewertete GOÄ 2060.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 2062: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen die genaue anatomische Lokalisation, die Indikation sowie die exakte operative Technik detailliert beschrieben werden. Insbesondere die Anzahl der verwendeten Drähte und deren geometrische Anordnung (z. B. gekreuzt) sind unverzichtbare Angaben.
Auch der Einsatz bildgebender Verfahren zur Lagekontrolle sollte dokumentiert werden. Die postoperative Stabilitätsprüfung rundet den Bericht ab. Für die Patientenakte empfiehlt sich zudem die Archivierung der intraoperativen Durchleuchtungsbilder als Nachweis der korrekten Drahtlage.
Dokumentation: Nach geschlossener Reposition der Metatarsale-IV-Fraktur rechts erfolgt die perkutane Einbringung von zwei gekreuzten Kirschner-Drähten (Durchmesser 1,6 mm) zur stabilen Fixation. Die anschließende Bildwandlerkontrolle zeigt eine anatomiegerechte Stellung und korrekte Drahtlage. Das Gelenk ist klinisch stabil.
Tipp: Nutzen Sie in Ihrer Praxissoftware standardisierte Textbausteine für die OP-Dokumentation, die alle abrechnungsrelevanten Begriffe wie "gekreuzte Drähte" oder "Fixierung mehrerer Gelenke" bereits enthalten.
GOÄ 2062: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Regelsatz der GOÄ 2062 kann bei Vorliegen besonderer Umstände bis zum 3,5-fachen Satz gesteigert werden. Ein erhöhter Zeitaufwand durch stark dislozierte Frakturen, ausgeprägte Weichteilschäden oder anatomische Varianten rechtfertigt eine solche Steigerung. Auch die Revision einer bereits vorbestehenden Drahtstiftung oder das Operieren in infiziertem Gewebe sind anerkannte Begründungen, die individuell im Liquidationsträger formuliert werden müssen.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 2062 lässt sich hervorragend mit anderen operativen und diagnostischen Ziffern kombinieren. Bei ambulanten Eingriffen in der Praxis ist der Zuschlag 442 (Zuschlag für ambulante operative Leistungen) zusätzlich berechnungsfähig. Ebenso können Anästhesieleistungen (z. B. Leitungsanästhesien nach GOÄ 490/491) und postoperative Röntgenkontrollen (GOÄ 5000er-Serie) regelkonform angesetzt werden. Auch die Reposition von Frakturen vor der Drahtung ist als eigenständige Leistung neben der GOÄ 2062 abrechenbar.
Ziffer 2062 in der neuen GOÄ
Die Drahtstiftung zur Fixierung von mehreren kleinen Gelenken, Drahtstiftung an der Daumenbasis oder an der Mittelhand oder am Mittelfuß mittels gekreuzter Drähte wird zur neuen Nummer 7584 — Festpreis 180,79 €. Das sind 264 % mehr als der heutige 2,3-fache Satz von 49,61 €. Die gekreuzten Drähte werden als Osteosynthese durch einen oder mehrere Drähte abgebildet; die alte Ziffer war neben 2060 ausgeschlossen. 7584 hat im Gegensatz zu den Entfernungscodes keine Größenqualifikation, deckt daher alle genannten Lokalisationen ab.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2062
Was hat nicht gestimmt?