Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2280 birgt durch strenge Indikationsvorgaben und seltene Anwendung Hürden. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Fehler vermeiden.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2280
Die Gebührenordnung für Ärzte beschreibt die Leistung unter der Ziffer 2280 wie folgt:
GOÄ Ziffer 2280: Redressement des Rumpfes bei schweren Wirbelsäulenverkrümmungen (1135 Punkte)
Diese Leistung ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter der Knochenchirurgie angesiedelt. Sie beschreibt das manuelle, oft kraftvolle Wiederaufrichten oder Geraderichten des Rumpfes bei hochgradigen Deformitäten. Da es sich um eine hochgradig invasive, manuelle Einwirkung auf den Achsenskelett-Apparat handelt, ist diese Ziffer für Standardtherapien ungeeignet.
Die Maßnahme zielt darauf ab, fixierte Fehlstellungen der Wirbelsäule durch gezielten konservativ-manuellen Druck und Zug zu korrigieren. Häufig erfolgt dieser Eingriff im Vorfeld einer Korsettversorgung oder als vorbereitende Maßnahme vor operativen Eingriffen.
GOÄ 2280 in der Praxis: Indikation und klinischer Kontext
Die Abrechnung der GOÄ 2280 setzt eine schwere Wirbelsäulenverkrümmung voraus. Typische Indikationen sind fortgeschrittene, rigide Skoliosen oder ausgeprägte Kyphosen, die eine mechanische Mobilisation erfordern. Einfache Haltungsfehler oder leichte degenerative Veränderungen rechtfertigen den Ansatz dieser Ziffer keinesfalls.
In der klinischen Realität wird das Redressement des Rumpfes fast ausschließlich unter Allgemeinanästhesie durchgeführt. Die enormen mechanischen Kräfte, die zur Mobilisierung der rigiden Wirbelsäulenabschnitte notwendig sind, wären für den wachen Patienten unerträglich. Daher ist die Ziffer im ambulanten Praxisalltag ohne OP-Anbindung ein seltener Ausnahmefall.
Abzugrenzen ist diese Leistung strikt von den chirotherapeutischen Eingriffen nach den GOÄ-Ziffern 3305 und 3306. Während die Chirotherapie auf die Behebung von Blockierungen abzielt, dient das Redressement der strukturellen Formkorrektur des gesamten Rumpfes.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2280
Fallbeispiel 1: Redressement bei hochgradiger Skoliose
Eine jugendliche Patientin mit einer progredienten, rigiden Skoliose von über 40 Grad nach Cobb stellt sich vor. Zur Vorbereitung einer Gipsabdrucknahme für ein Derotationskorsett erfolgt ein manuelles Redressement des Rumpfes in Narkose. Der Arzt mobilisiert die Hauptkrümmung unter kontrolliertem Druck.
Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2280 zum Regelsatz. Die begleitende Narkose wird separat über die entsprechenden Anästhesieziffern liquidiert.
Fallbeispiel 2: Präoperatives Redressement bei schwerer Kyphose
Bei einem erwachsenen Patienten mit fixierter, posttraumatischer Kyphose soll eine operative Versteifung stattfinden. Am Vortag der Operation wird ein konservatives Redressement des Rumpfes zur präoperativen Gewebelockerung durchgeführt. Die Prozedur erfolgt unter Analgosedierung im OP-Saal.
Hier ist der Ansatz der GOÄ 2280 vollkommen gerechtfertigt, da eine schwere, fixierte Verkrümmung vorliegt. Die Dokumentation muss die anatomischen Besonderheiten und den Dehnungsgrad exakt beschreiben.
Fallbeispiel 3: Redressement bei neuromuskulärer Deformität
Ein Patient mit schwerer infantiler Zerebralparese zeigt eine hochgradige, fixierte Beckenschiefstands-Skoliose. Unter Allgemeinanästhesie führt der Orthopäde ein vorsichtiges, manuelles Redressement des Rumpfes durch, um die Sitzfähigkeit im Rollstuhl zu verbessern. Die Behandlung erfordert aufgrund der Spastik einen extremen Zeitaufwand.
Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 2280. Wegen des erhöhten Risikos und des enormen Zeitaufwands wird ein erhöhter Steigerungssatz von 3,5 gewählt und entsprechend begründet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2280: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung des Redressements mit einfachen manualmedizinischen Mobilisationen. Private Krankenversicherungen fordern bei der Abrechnung der GOÄ 2280 regelmäßig den Nachweis einer schweren, strukturellen Verkrümmung an. Kann diese nicht radiologisch oder klinisch zweifelsfrei belegt werden, droht die Honorarkürzung.
Ein weiterer Ausschluss betrifft die Behandlung eines akuten oder fixierten Schiefhalses (Torticollis). Für diese Indikation darf die GOÄ 2280 explizit nicht herangezogen werden. Hier müssen stattdessen die spezifischen Ziffern für die Halswirbelsäulentherapie gewählt werden.
Achtung: Die GOÄ-Ziffer 2280 darf nicht neben den Ziffern 2286 (Redressement eines Klumpfußes) oder 2287 (Redressement eines sonstigen Fußes) am selben Tag abgerechnet werden. Achten Sie bei komplexen Traumata oder Fehlbildungssyndromen penibel auf diese Ausschlussvorgaben.
Zudem beanstanden Prüfstellen häufig das Fehlen eines Narkoseprotokolls. Da die Leistung ohne Narkose medizinisch kaum vertretbar ist, führt eine Durchführung am wachen Patienten fast immer zu Rückfragen der Kostenträger.
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Dokumentation der GOÄ 2280: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen der exakte Schweregrad der Wirbelsäulendeformität (z. B. Angabe des Cobb-Winkels) sowie die klinische Rigidität dokumentiert sein. Auch die Notwendigkeit und Durchführung der Narkose muss zweifelsfrei hervorgehen.
Der Ablauf des manuellen Redressements sollte schrittweise beschrieben werden. Dazu gehören Angaben zu den angewendeten Grifftechniken, der Richtung der Krafteinwirkung und der Dauer der Prozedur.
Dokumentationsbeispiel: Schwere, rigide thorakolumbale Skoliose (Cobb-Winkel 42 Grad). Manuelles Redressement des Rumpfes in Intubationsnarkose. Kontrollierter, dreidimensionaler Druck auf den Rippenbuckel bei gleichzeitigem Beckenzug zur Derotation. Dauer der manuellen Mobilisation: 25 Minuten. Postoperativ verbesserte passive Aufrichtbarkeit.
Zusätzlich sollten prä- und postinterventionelle fotografische oder radiologische Befunde archiviert werden. Dies liefert im Streitfall den unumstößlichen Beweis für die medizinische Notwendigkeit des Eingriffs.
GOÄ 2280: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Schwellenwert der GOÄ 2280 liegt beim 2,3-fachen Satz (152,17 €). Eine Überschreitung dieses Satzes bis zum 3,5-fachen Höchstsatz (231,56 €) ist bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen möglich. Typische Begründungen sind eine extreme Rigidität der Wirbelsäule, erhebliche Adipositas des Patienten oder ein unvorhersehbar hoher Zeitaufwand bei neuromuskulären Begleiterkrankungen.
Die Begründung auf der Rechnung muss stets patientenindividuell und medizinisch nachvollziehbar formuliert sein. Allgemeine Floskeln wie erhöhter Zeitaufwand ohne nähere Erläuterung werden von den privaten Krankenversicherungen meist zurückgewiesen.
Tipp: Nutzen Sie für die Steigerung konkrete anatomische Messwerte. Eine Formulierung wie Erhöhter Schwierigkeitsgrad bei fixierter Torsionsskoliose mit ausgeprägter knöcherner Rigidität sichert Ihren Honoraranspruch ab.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird das Redressement in Kombination mit bildgebenden Verfahren abgerechnet. Die prä- oder postoperative Röntgendiagnostik der Wirbelsäule nach den Ziffern 410 ff. GOÄ ist neben der 2280 voll berechnungsfähig. Auch die anästhesiologischen Leistungen (z. B. GOÄ 2030 für die Narkose) sind regelhaft kombinierbar.
Nicht zulässig ist hingegen die gleichzeitige Abrechnung von chirotherapeutischen Wirbelsäuleneingriffen am selben Tag, sofern diese dieselbe anatomische Region betreffen. Hier gilt das Zielleistungsprinzip der GOÄ.
Ziffer 2280 in der neuen GOÄ
Für Redressement des Rumpfes bei schweren Wirbelsäulenverkrümmungen (heute 2,3-fach: 152,17 €) sieht der Entwurf keine eigenständige Nachfolgeleistung vor. Der Gesamtkatalog enthält keine konservativ-manuelle Ziffer für das Redressement des Rumpfes bei schwerer Wirbelsäulenverkrümmung; die vorhandenen Wirbelsäulenoperationen sind keine inhaltlich gleichartige Leistung.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2280
Was hat nicht gestimmt?