Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2345 birgt Fallstricke. Erfahren Sie, wie Sie Tibiakopf- und Fersenbeinverschraubungen rechtssicher und vollständig liquidieren.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2345
Tibiakopfverschraubung oder Verschraubung des Fersenbeinbruchs
Die GOÄ-Ziffer 2345 beschreibt eine spezifische operative Leistung aus dem Bereich der Frakturbehandlung. Sie umfasst die operative Stabilisierung (Osteosynthese) mittels Schrauben bei zwei konkreten anatomischen Entitäten: dem Tibiakopf (Schienbeinkopf) und dem Calcaneus (Fersenbein).
Die Leistung beinhaltet den operativen Zugang, das Freilegen der Fraktur, die anatomische Reposition der Fragmente sowie das Einbringen der Osteosyntheseschrauben. Auch die anschließende Wundversorgung und der primäre Wundverschluss sind mit dieser Gebühr abgegolten.
GOÄ 2345 in der Praxis: Indikationen und klinischer Alltag
Die Anwendung der GOÄ-Ziffer 2345 setzt eine präzise Indikationsstellung voraus. Typischerweise kommt diese Ziffer bei dislozierten Frakturen des Tibiakopfes oder des Fersenbeins zum Einsatz, die eine stabile innere Fixation erfordern, um eine frühfunktionelle Nachbehandlung zu ermöglichen.
Besonders beim Fersenbeinbruch ist eine exakte Wiederherstellung der Gelenkflächen essenziell, um posttraumatische Arthrosen zu verhindern. Die Verschraubung stellt hierbei ein minimalinvasives oder offenes Standardverfahren dar, das eine hohe mechanische Stabilität gewährleistet.
Tipp: Bei besonders komplexen Trümmerfrakturen, die über eine reine Verschraubung hinausgehen und beispielsweise eine zusätzliche Plattenosteosynthese erfordern, sollte geprüft werden, ob höher bewertete Ziffern wie die GOÄ 2347 anwendbar sind.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2345
Fallbeispiel 1: Isolierte Tibiakopf-Spaltfraktur
Ein Patient stellt sich mit einer dislozierten lateralen Tibiakopf-Spaltfraktur vor. Es erfolgt die offene Reposition und die anschließende Tibiakopfverschraubung mit zwei kanülierten Zugschrauben. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2345 zum Regelsatz (2,3-fach).
Fallbeispiel 2: Dislozierte Calcaneusfraktur
Bei einer geschlossenen, dislozierten Fersenbeinfraktur wird eine perkutane Reposition und anschließende Verschraubung des Fersenbeinbruchs durchgeführt. Da der Eingriff ambulant in der Praxis stattfindet, wird zusätzlich der ambulante Operationszuschlag nach GOÄ-Ziffer 444 berechnet.
Fallbeispiel 3: Komplexe Tibiakopffraktur mit Weichteilschaden
Eine komplexe Tibiakopffraktur erfordert aufgrund starker Weichteilschwellung eine verzögerte definitive Versorgung. Die schrittweise Reposition und die schwierigen anatomischen Verhältnisse rechtfertigen den Ansatz der GOÄ-Ziffer 2345 mit einem erhöhten Steigerungssatz von 3,5-fach unter Angabe einer detaillierten Begründung.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2345: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt in der unzulässigen Nebeneinanderberechnung von GOÄ 2345 und anderen Osteosyntheseverfahren am selben Knochensegment. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen genau, ob eine Doppelabrechnung vorliegt, wenn neben der Verschraubung auch eine Plattenosteosynthese (z. B. nach GOÄ 2347) deklariert wird.
Zudem ist zu beachten, dass die Reposition der Fraktur integraler Bestandteil der GOÄ 2345 ist. Eine zusätzliche Abrechnung einer geschlossenen oder offenen Reposition nach den Ziffern 2320 oder 2324 für denselben Knochen ist daher nicht zulässig und führt regelmäßig zu Beanstandungen.
Achtung: Die GOÄ-Ziffer 2345 darf nicht angewendet werden, wenn lediglich eine temporäre Fixierung (z. B. mittels Kirschner-Drähten) erfolgt, da dies nicht dem Leistungsinhalt einer definitiven Verschraubung entspricht.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 2345: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen der genaue Zugangsweg, die Darstellung der Fraktur, die Repositionsschritte sowie die Anzahl und Dimensionen der verwendeten Osteosyntheseschrauben detailliert beschrieben werden.
Auch die intraoperative Bildwandlerkontrolle zur Überprüfung des Repositions- und Verschraubungsergebnisses sollte dokumentiert und die entsprechenden Bilddaten archiviert werden. Dies dient als objektiver Nachweis der erbrachten chirurgischen Leistung.
Dokumentation: "...Nach lateralem Zugang Darstellung der Tibiakopf-Spaltfraktur. Anatomische Reposition unter Bildwandlerkontrolle. Einbringen von zwei Spongiosaschrauben (4,0 mm) mit Unterlegscheiben zur stabilen Kompression. Stabile Fixation überprüft..."
GOÄ 2345: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus ist bei der GOÄ 2345 bei Vorliegen besonderer Erschwernisse möglich. Typische Begründungen für einen erhöhten Steigerungssatz (bis zum 3,5-fachen Satz) sind eine ausgeprägte Trümmerzone, schlechte Knochenqualität (z. B. bei schwerer Osteoporose) oder erhebliche Weichteilkomplikationen, die den operativen Zugang erschweren.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 2345 können begleitende Leistungen abgerechnet werden, sofern sie eigenständige operative Schritte darstellen. Hierzu gehören beispielsweise die Anästhesieleistungen, die postoperative radiologische Kontrolle sowie der ambulante Operationszuschlag nach GOÄ 444, sofern die Kriterien für ambulantes Operieren erfüllt sind.
Ziffer 2345 in der neuen GOÄ
Tibiakopfverschraubung oder Verschraubung des Fersenbeinbruchs wird in der neuen GOÄ zur Nummer 7583 „Osteosynthese durch Schraube(n)" mit festem Satz von 196,79 € (heute 2,3-fach: 123,88 €). Abrechnungseinheit: 1x je Osteosynthese. Anatomische Alt-Spezifikation wird durch das neue Verfahren Schraubenosteosynthese ersetzt.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2345
Was hat nicht gestimmt?