Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 2350: So rechnen Sie die operative Versorgung offener Frakturen großer Röhrenknochen rechtssicher und fehlerfrei ab.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2350
Nagelung und/oder Drahtung und/oder Verschraubung (mit Metallplatten) eines großen Röhrenknochens bei offenem Knochenbruch
Die GOÄ-Ziffer 2350 beschreibt eine hochspezifische chirurgische Leistung zur Osteosynthese bei schweren Verletzungen. Sie umfasst die operative Stabilisierung eines großen Röhrenknochens, wenn eine offene Fraktur vorliegt. Zu den großen Röhrenknochen zählen anatomisch der Oberschenkelknochen (Femur), das Schienbein (Tibia), der Oberarmknochen (Humerus) sowie Speiche (Radius) und Elle (Ulna).
Die Leistung beinhaltet den operativen Zugang, die Reposition der Fragmente sowie das Einbringen der metallischen Implantate. Die Wahl des Verfahrens – ob Nagelung, Drahtung oder Plattenosteosynthese – richtet sich nach der Frakturmorphologie. Da es sich um eine offene Fraktur handelt, sind auch die Wundreinigung und das Debridement im Frakturbereich eng mit diesem Eingriff verknüpft.
GOÄ 2350 in der Praxis: Indikationen und klinischer Alltag
Im klinischen Alltag kommt die GOÄ 2350 vor allem in der Unfallchirurgie und Orthopädie zum Einsatz. Typische Szenarien sind Hochrasanztraumata, Sportunfälle oder schwere Stürze, die zu einer Durchspießung der Haut durch Knochenfragmente führen. Die Indikation zur operativen Versorgung ist bei offenen Frakturen aufgrund des hohen Infektionsrisikos fast immer dringlich gegeben.
Entscheidend für die korrekte Zuordnung dieser Ziffer ist das Vorliegen einer offenen Fraktur. Liegt lediglich eine geschlossene Fraktur vor, muss auf andere Ziffern wie die GOÄ 2349 ausgewichen werden. Die exakte Klassifikation des Weichteilschadens nach Gustilo-Anderson sollte daher stets in der Akte vermerkt werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2350
Fallbeispiel 1: Offene Tibiaschaftfraktur nach Verkehrsunfall
Ein Patient stellt sich mit einer zweitgradig offenen Schienbeinschaftfraktur nach einem Motorradunfall vor. Nach sterilem Debridement erfolgt die Reposition und die Stabilisierung mittels Verriegelungsnagel. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 2350 zum Regelhöchstsatz (2,3-fach) sowie die notwendigen Begleitleistungen. Zusätzlich kann bei ambulanter Durchführung der Zuschlag 445 geltend gemacht werden.
Fallbeispiel 2: Offene Humerusfraktur mit Plattenosteosynthese
Bei einer Patientin liegt eine erstgradig offene Oberarmschaftfraktur nach einem Sturz vor. Die Versorgung erfolgt über eine offene Reposition und eine stabile Plattenosteosynthese mit mehreren Schrauben. Da es sich um einen großen Röhrenknochen bei offener Fraktur handelt, ist die GOÄ 2350 die zutreffende Gebührenziffer. Die Abrechnung erfolgt unter Angabe der Diagnose und des Weichteilstatus.
Fallbeispiel 3: Komplexe offene Femurtrümmerfraktur
Ein Patient erleidet eine drittgradig offene Oberschenkeltrümmerfraktur mit starker Verschmutzung. Die Operation gestaltet sich aufgrund der Trümmerzone und der intensiven Wundreinigung extrem zeitaufwendig. Die GOÄ 2350 wird hier mit dem Höchstsatz (3,5-fach) abgerechnet. Die Begründung verweist auf die erhebliche anatomische Rekonstruktion und das Infektionsrisiko.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2350: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die fehlerhafte Nebeneinanderberechnung von ausgeschlossenen Leistungen. Die GOÄ 2350 darf explizit nicht neben der GOÄ 2349 (Osteosynthese bei geschlossener Fraktur) berechnet werden. Auch die Kombination mit den Ziffern 2351 und 2352 für kleine Röhrenknochen ist am selben Knochen unzulässig.
Ein weiterer kritischer Punkt betrifft den Verschluss des Brustbeins. Die GOÄ 2350 darf nicht für die Sternumverdrahtung im Rahmen von intrathorakalen Eingriffen herangezogen werden. Der Verschluss des Sternums gilt als unumgänglicher Bestandteil des operativen Zugangsweges und ist mit der Primärleistung abgegolten. Nur bei einer sekundären Revision wegen einer echten Sternumdehiszenz ist eine Abrechnung (dann über GOÄ 2356) statthaft.
Achtung: Private Krankenversicherungen prüfen die Diagnose "offene Fraktur" sehr genau. Fehlt der Nachweis einer offenen Wunde mit Knochenkontakt in der Dokumentation, droht eine Herabstufung auf die schlechter bewertete GOÄ 2349.
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Dokumentation der GOÄ 2350: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise OP-Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss die Diagnose der offenen Fraktur und den genauen Weichteilschaden detailliert beschreiben. Auch die Darstellung des Frakturbereichs und die Beschreibung der verwendeten Implantate (z. B. Platten, Schrauben, Nägel) sind zwingend erforderlich.
Zusätzlich sollten Angaben zur Spülung und zum Debridement der Wunde dokumentiert werden. Dies stützt nicht nur die Indikation der GOÄ 2350, sondern liefert auch wertvolle Argumente für eine eventuelle Faktorerhöhung. Ein kurzes, prägnantes Dokumentationsmuster erleichtert den Prüfprozess erheblich.
Dokumentation: "Zweitgradig offene Tibiaschaftfraktur rechts. Ausgiebiges chirurgisches Debridement der kontaminierten Wunde. Offene Reposition der Fragmente und stabile Fixation mittels LCD-Platte und sechs winkelstabilen Schrauben. Postoperative Röntgenkontrolle zeigt anatomische Stellung."
GOÄ 2350: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 2350 kann bei erhöhtem Aufwand über den Regelsatz von 2,3 hinaus bis zum Höchstsatz von 3,5 gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Schwellenüberschreitung sind eine starke Verschmutzung der Wunde, eine ausgeprägte Trümmerzone oder schwierige anatomische Verhältnisse. Auch eine signifikante Verlängerung der Operationszeit durch anatomische Varianten rechtfertigt den erhöhten Faktor.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der Hauptleistung GOÄ 2350 können weitere selbstständige Leistungen anfallen und berechnet werden. Hierzu gehört die Wundversorgung nach den Ziffern 2006 oder 2008, sofern diese über das normale Maß der Frakturversorgung hinausgeht. Im ambulanten Bereich ist zudem der Zuschlag 445 für ambulantes Operieren obligat anzusetzen, um den erhöhten Sachaufwand abzubilden.
Tipp: Achten Sie bei der Kombination von GOÄ 2350 mit Weichteileingriffen darauf, dass es sich um getrennte operative Schritte handelt. Eine reine Wundnaht im direkten Zugangsgebiet der Osteosynthese ist meist nicht separat berechenbar.
Ziffer 2350 in der neuen GOÄ
Die neue GOÄ löst die bisherige Ziffer 2350 (Nagelung und/oder Drahtung und/oder Verschraubung (mit Metallplatten) eines großen Röhrenknochens bei offenem Knochenbruch, heute 2,3-fach: 222,55 €) je nach erbrachter Leistung in verschiedene Nachfolgeziffern auf:
- 7584 Osteosynthese durch einen Draht oder mehrere Drähte (180,79 €) — bei: draht
- 7594 Osteosynthese durch intramedullären Nagel oder durch mehrere intramedulläre Nägel (393,41 €) — bei: intramedullaerer nagel
- 7586 Osteosynthese durch eine Platte (337,08 €) — bei: platte
- 7587 Osteosynthese durch eine winkelstabile Platte (284,02 €) — bei: winkelstabile platte
- 7589 Osteosynthese durch Fixateur externe (205,72 €) — bei: fixateur externe
Die Bandbreite der abrechenbaren Gesamtsumme reicht von 180,79 € bis 393,41 € — die Dokumentation des konkreten Eingriffs entscheidet.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2350
Was hat nicht gestimmt?