Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2352 bei offenen Schenkelhalsfrakturen erfordert Präzision. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen, Steigerungssätzen und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2352
Nagelung und/oder Verschraubung (mit Metallplatten) eines Schenkelhalses bei offenem Knochenbruch
Die GOÄ-Ziffer 2352 beschreibt eine hochspezifische chirurgische Leistung zur Stabilisierung des Schenkelhalses. Diese Ziffer findet Anwendung, wenn ein offener Knochenbruch vorliegt und dieser mittels Nagelung, Verschraubung oder einer Kombination aus beiden Verfahren (ggf. unter Verwendung von Metallplatten) versorgt wird. Die Leistung ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter der Frakturbehandlung eingegliedert.
Die medizinische Maßnahme umfasst die Reposition der Fragmente sowie die anschließende stabile Osteosynthese unter sterilen Bedingungen. Da es sich um eine offene Fraktur handelt, sind die Anforderungen an das Debridement und die Infektionsprophylaxe im Vergleich zu geschlossenen Brüchen deutlich erhöht. Die Ziffer deckt den gesamten operativen Zugang sowie die Einbringung des Osteosynthesematerials ab.
GOÄ 2352 in der Praxis: Korrekte Anwendung und Indikation
Die Indikation zur Abrechnung der GOÄ 2352 ist streng an das Vorliegen einer offenen Schenkelhalsfraktur gebunden. Typische klinische Szenarien umfassen hochenergetische Traumata, wie sie beispielsweise bei Verkehrsunfällen oder Stürzen aus großer Höhe vorkommen. Hierbei kommt es zu einer Durchspießung der Haut durch Knochenfragmente oder einer direkten äußeren Gewalteinwirkung mit Eröffnung des Frakturbereichs.
Eine präzise Abgrenzung ist zu den geschlossenen Frakturversorgungen notwendig. Wird ein Schenkelhalsbruch operiert, bei dem die Hautbarriere intakt geblieben ist, darf die GOÄ 2352 nicht herangezogen werden. In diesen Fällen ist die GOÄ-Ziffer 2349 die korrekte Wahl für die operative Versorgung.
Achtung: Die fehlerhafte Einstufung einer geschlossenen Fraktur als offene Fraktur zur Erzielung eines höheren Honorars ist unzulässig und führt bei Prüfungen unweigerlich zur Kürzung der Liquidation.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2352
Fallbeispiel 1: Versorgung einer offenen Schenkelhalsfraktur nach Sturz
Ein 72-jähriger Patient erleidet bei einem Sturz im Garten eine offene Schenkelhalsfraktur (Grad I nach Gustilo/Anderson). In einer Notfalloperation erfolgt die Wundreinigung, Reposition und die anschließende Verschraubung des Schenkelhalses mit kanülierten Schrauben. Da eine offene Fraktur vorlag, ist die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2352 vollumfänglich gerechtfertigt. Neben der Hauptleistung können die Anästhesie und eventuelle radiologische Kontrollen separat liquidiert werden.
Fallbeispiel 2: Komplexe Trümmerfraktur mit Plattenosteosynthese
Eine 45-jährige Patientin wird nach einem Motorradunfall mit einer offenen, dislozierten Schenkelhals-Trümmerfraktur eingeliefert. Der Operateur führt ein ausgedehntes Debridement durch und stabilisiert den Knochen mittels einer dynamischen Hüftschraube (DHS) und einer zusätzlichen Antirotationsschraube. Die aufwendige Rekonstruktion bei offenem Bruch erfüllt alle Kriterien der GOÄ 2352. Aufgrund der Komplexität der Trümmerzone kann hier zudem ein erhöhter Steigerungssatz begründet werden.
Fallbeispiel 3: Versorgung bei infektionsgefährdeter offener Fraktur
Ein Patient stellt sich mit einer zweitgradig offenen Schenkelhalsfraktur nach einem landwirtschaftlichen Unfall vor. Nach intensiver Jet-Lavage und chirurgischem Debridement erfolgt die Nagelung des Schenkelhalses zur axialen Stabilisierung. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 2352, da die offene Frakturversorgung im Vordergrund steht. Die aufwendige Keimsanierung und das Debridement rechtfertigen eine zusätzliche Dokumentation für eine Faktorsteigerung.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2352: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die Missachtung der expliziten Ausschlusskriterien der GOÄ. Die Ziffer 2352 darf nicht neben den Ziffern 2349, 2350 oder 2351 abgerechnet werden. Diese Ziffern beschreiben alternative oder einfachere Verfahren zur Versorgung von Schenkelhalsfrakturen, die sich gegenseitig ausschließen.
Ein weiterer Streitpunkt mit privaten Krankenversicherungen (PKV) ist die unzureichende Differenzierung zwischen offenen und geschlossenen Frakturen. Wenn aus dem OP-Bericht nicht eindeutig hervorgeht, dass eine Eröffnung der Haut- und Weichteildecke bis zum Knochen vorlag, fordern Prüfstellen regelmäßig eine Herabstufung auf die niedriger bewertete Ziffer 2349.
Tipp: Achten Sie darauf, dass die Klassifikation der offenen Fraktur (z. B. nach Gustilo/Anderson) bereits im Diagnoseteil des Operationsberichts und auf der Rechnung explizit genannt wird.
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Dokumentation der GOÄ 2352: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Werkzeug zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss den Zustand der Weichteile, das Ausmaß der Knochenfreilegung und die genaue Lokalisation der Wunde detailliert beschreiben. Auch die durchgeführten Schritte der Wundreinigung und Reposition müssen chronologisch und nachvollziehbar dargestellt werden.
Zusätzlich sollten die verwendeten Implantate (z. B. Schraubenanzahl, Plattentyp) exakt dokumentiert werden. Dies dient nicht nur der forensischen Sicherheit, sondern stützt auch die Plausibilität der Abrechnung gegenüber den Kostenträgern.
Dokumentationsbeispiel: "Präoperativ zeigt sich eine ca. 4 cm lange Wunde über dem lateralen Oberschenkel mit sichtbarem Knochenkontakt bei dislozierter Schenkelhalsfraktur (offene Fraktur Grad II). Nach sterilem Abwaschen und sterilem Abdecken erfolgt ein ausgedehntes chirurgisches Debridement. Anschließend offene Reposition der Fragmente unter Bildwandlerkontrolle und stabile Osteosynthese mittels dreier kanülierter Schenkelhalsschrauben."
GOÄ 2352: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 2352 kann bei erhöhtem Schwierigkeitsgrad oder überdurchschnittlichem Zeitaufwand über den Regelhöchstsatz von 2,3 gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Faktorsteigerung bis zum 3,5-fachen Satz sind eine ausgeprägte Trümmerzone, stark verschmutzte Wundverhältnisse bei landwirtschaftlichen Unfällen oder erhebliche anatomische Varianten. Auch eine extreme Adipositas des Patienten, die den operativen Zugang und die Reposition massiv erschwert, stellt eine anerkannte Begründung dar.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 2352 können selbstverständlich die erbrachten Anästhesieleistungen sowie radiologische Leistungen zur intraoperativen Lagekontrolle (z. B. Bildwandlernutzung nach GOÄ 5295) abgerechnet werden. Auch die Zuschläge für ambulantes Operieren (z. B. Zuschlag C nach GOÄ 444) oder für operationelle Eingriffe zu unzeiten (Zuschläge G oder H) sind unter den entsprechenden Voraussetzungen kombinierbar. Nicht berechnungsfähig sind hingegen die primäre Wundversorgung nach den Ziffern 2001 bis 2005, da diese als Bestandteil der operativen Frakturversorgung anzusehen sind.
Ziffer 2352 in der neuen GOÄ
Die neue GOÄ löst die bisherige Ziffer 2352 (Nagelung und/oder Verschraubung (mit Metallplatten) eines Schenkelhalses bei offenem Knochenbruch, heute 2,3-fach: 297,62 €) je nach erbrachter Leistung in verschiedene Nachfolgeziffern auf:
- 7583 Osteosynthese durch Schraube(n) (196,79 €) — bei: schraube
- 7588 Osteosynthese durch eine dynamische Kompressionsschraube (= DHS) am Hüftkopf (299,68 €) — bei: dhs
- 7594 Osteosynthese durch intramedullären Nagel oder durch mehrere intramedulläre Nägel (393,41 €) — bei: intramedullaerer nagel
- 7586 Osteosynthese durch eine Platte (337,08 €) — bei: platte
Die Bandbreite der abrechenbaren Gesamtsumme reicht von 196,79 € bis 393,41 € — die Dokumentation des konkreten Eingriffs entscheidet.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2352
Was hat nicht gestimmt?