GOÄ 2954: Thorakoplastik abrechnen – Tipps & Fallbeispiele

4 Min. Lesezeit
GOÄ 2954
Thorakoplastik mit Höhleneröffnung – auch Jalousieplastik –
Punktzahl 4620  
Einfachsatz 269,29 € 1,0x
Regelhöchstsatz 619,37 € 2,3x
Höchstsatz 942,52 € 3,5x
Ausschlüsse

Leitfaden zur korrekten Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2954 (Thorakoplastik mit Höhleneröffnung). Erfahren Sie alles zu Indikationen, Ausschlüssen und Steigerung.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2954

Thorakoplastik mit Höhleneröffnung – auch Jalousieplastik –

Die GOÄ-Ziffer 2954 beschreibt eine hochkomplexe thoraxchirurgische Rekonstruktion im Bereich der Brustwand. Im Zentrum dieser Leistung steht die Thorakoplastik mit Höhleneröffnung, welche zur Sanierung tief liegender Prozesse dient. Die Abrechnung dieser Ziffer setzt voraus, dass während des Eingriffs die Pleurahöhle eröffnet wird.

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Ziffer ist die sogenannte Jalousieplastik nach Heller. Hierbei werden Rippen oberhalb und unterhalb eines Defekts mobilisiert und wie die Lamellen einer Jalousie über den Defekt gezogen. Diese Technik ermöglicht einen stabilen und dichten Verschluss der Brustwand.

GOÄ 2954 in der Praxis: Rekonstruktion komplexer Brustwanddefekte

In der chirurgischen Praxis kommt die GOÄ 2954 vor allem bei ausgedehnten Defekten der Thoraxwand zum Einsatz. Typische Indikationen sind chronische, fistelnde Pleuraempyeme oder Zustand nach radikalen Tumorresektionen. Auch schwere Traumata mit konsekutiver Instabilität der Brustwand erfordern häufig diese plastische Rekonstruktion.

Die Abgrenzung zu einfacheren Eingriffen ist für eine korrekte Honorierung entscheidend. Im Gegensatz zur GOÄ 2953 ist die Eröffnung der Pleurahöhle bei der Ziffer 2954 ein obligater Leistungsbestandteil. Ohne diese Eröffnung darf lediglich die niedrigere Ziffer berechnet werden.

Tipp: Achten Sie bei der Abgrenzung genau auf den Operationsbericht. Wurde die Pleurahöhle eröffnet, ist stets die höher bewertete Ziffer 2954 anstelle der Ziffer 2953 anzusetzen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2954

Fallbeispiel 1: Sanierung eines chronischen Pleuraempyems

Ein Patient stellt sich mit einem persistierenden, fistelnden Pleuraempyem vor. Es erfolgt die Resektion infizierter Rippenanteile, die Eröffnung der Pleurahöhle zur Ausräumung und der plastische Verschluss mittels Jalousieplastik. Die Eröffnung der Höhle und die plastische Deckung mittels Rippenmobilisation erfüllen alle Kriterien der GOÄ 2954 zur Defektdeckung.

Fallbeispiel 2: Brustwandrekonstruktion nach Tumorresektion

Nach der radikalen Resektion eines malignen Brustwandtumors verbleibt ein großflächiger Defekt. Zur mechanischen Stabilisierung und zum dichten Verschluss wird eine Jalousieplastik unter Eröffnung der Pleurahöhle durchgeführt. Der plastische Verschluss des Defekts durch Rippenverschiebung mit Höhleneröffnung begründet die Abrechnung der Ziffer 2954 als Hauptleistung.

Fallbeispiel 3: Versorgung einer posttraumatischen Thoraxwandinstabilität

Ein Patient leidet nach einem schweren Trauma unter einer instabilen Thoraxwand mit respiratorischer Insuffizienz. Die chirurgische Stabilisierung erfolgt über eine plastische Umlagerung der Rippenstrukturen mit Eröffnung der Pleurahöhle zur Inspektion. Diese aufwendige Mobilisation und Deckung entspricht der Leistungsbeschreibung der GOÄ 2954 für Thoraxchirurgie.

Häufige Fehler bei der GOÄ 2954: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung ist die unzulässige Kombination mit anderen plastischen Eingriffen an der Brustwand. Die Ziffern 2953 (Thorakoplastik ohne Höhleneröffnung) und 2955 (Plastische Deckung von Brustwanddefekten) dürfen nicht nebeneinander berechnet werden. Private Krankenversicherungen (PKV) prüfen diese Ausschlusskriterien sehr genau und kürzen Rechnungen bei Doppelabrechnungen konsequent.

Ebenfalls ausgeschlossen ist die Nebeneinanderberechnung mit der Thoraxfensterung nach GOÄ 2959 oder der Pleurektomie nach GOÄ 3010. Sollten diese Eingriffe in derselben Sitzung durchgeführt werden, muss die am höchsten bewertete Leistung ausgewählt werden.

Achtung: Die gleichzeitige Abrechnung der GOÄ 2954 und der Pleurektomie nach GOÄ 3010 ist ausgeschlossen. Sollten beide Eingriffe medizinisch notwendig sein, muss die höher bewertete Leistung gewählt oder ein entsprechender Steigerungssatz begründet werden.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 2954: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist essenziell, um Kürzungen durch Kostenträger erfolgreich abzuwehren. Der Operationsbericht muss die Eröffnung der Pleurahöhle explizit erwähnen und begründen. Zudem sollte die Technik der Rippenmobilisation, insbesondere die Jalousieplastik nach Heller, detailliert im Operationsbericht beschrieben werden.

Dokumentationsbeispiel: "... Nach Resektion der nekrotischen Rippenanteile erfolgte die Eröffnung der Pleurahöhle zur Inspektion und Spülung. Anschließend Mobilisation der Rippensegmente ober- und unterhalb des Defekts. Plastischer Verschluss des Brustwanddefekts durch lamellenartiges Übereinanderziehen der Rippenstrukturen (Jalousieplastik nach Heller) ..."

GOÄ 2954: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Schwellenwerts über den 2,3-fachen Satz hinaus bis zum 3,5-fachen Satz ist bei besonders schwierigen Verhältnissen gerechtfertigt. Typische Begründungen sind ein erhöhter Zeitaufwand durch massive pleurale Adhäsionen oder eine erschwerte Präparation bei Zustand nach Voroperationen. Diese Besonderheiten müssen patientenindividuell begründet werden.

Typische Ziffernkombinationen

Zulässig ist die Kombination mit selbstständigen Anästhesieleistungen sowie mit präoperativen diagnostischen Maßnahmen. Nicht kombiniert werden dürfen hingegen die im Abrechnungsausschluss genannten operativen Ziffern der Thoraxchirurgie. Achten Sie stets auf eine saubere Trennung der erbrachten Einzelleistungen.

Ziffer 2954 in der neuen GOÄ

Ziffer 2954 (Thorakoplastik mit Höhleneröffnung – auch Jalousieplastik –) verzweigt in der neuen GOÄ je nach Technik oder Indikation. Bisheriger 2,3-facher Satz: 619,37 €.

  • bei bis zu vier Rippen / inkomplett: 9307 „Inkomplette Thorakoplastik (bis zu vier Rippen), auch als Korrekturthorakoplastik, ggf. einschließlich Thoraxdrainage(n)" (632,09 €)
  • bei mehr als vier Rippen / komplett: 9308 „Komplette Thorakoplastik (mehr als vier Rippen), auch als Korrekturthorakoplastik, ggf. einschließlich Thoraxdrainage(n)" (1.051,92 €)

Die Bandbreite reicht von 632,09 € bis 1.051,92 € — die Dokumentation des konkreten Vorgehens entscheidet über die Ziffer.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2954

Der entscheidende Unterschied liegt in der Eröffnung der Pleurahöhle. Während die GOÄ 2953 eine Thorakoplastik ohne Höhleneröffnung beschreibt, setzt die höher bewertete GOÄ 2954 diese Eröffnung zwingend voraus. Daher ist die GOÄ 2954 mit 4620 Punkten deutlich höher bewertet als die GOÄ 2953.
Nein, eine Nebeneinanderberechnung der GOÄ 2954 und der GOÄ 2955 ist laut den Abrechnungsbestimmungen ausgeschlossen. Da die Jalousieplastik nach GOÄ 2954 bereits den plastischen Verschluss des Defekts beinhaltet, ist die zusätzliche plastische Deckung nach GOÄ 2955 nicht separat berechenbar.
Eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz kann durch einen außergewöhnlich hohen operativen Aufwand begründet werden. Typische Gründe sind ausgeprägte pleurale Verwachsungen, stark vernarbtes Gewebe nach Voroperationen oder eine erhebliche Blutungskomplikation während des Eingriffs.
Nein, die Thoraxfensterung nach GOÄ 2959 ist explizit von der gemeinsamen Abrechnung mit der GOÄ 2954 ausgeschlossen. Sollten beide Verfahren in einer Sitzung durchgeführt werden, darf nur die höher bewertete Leistung liquidiert werden.
Der Operationsbericht muss die Eröffnung der Pleurahöhle sowie die spezifische Technik der Thorakoplastik, wie die Mobilisation der Rippensegmente, detailliert beschreiben. Nur durch diese präzise Dokumentation lässt sich die Abrechnung der GOÄ 2954 gegenüber Kostenträgern rechtssicher belegen.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich