GOÄ 2953: Thorakoplastik korrekt abrechnen – Tipps & Regeln

5 Min. Lesezeit
GOÄ 2953
Thorakoplastik
Punktzahl 3140  
Einfachsatz 183,02 € 1,0x
Regelhöchstsatz 420,95 € 2,3x
Höchstsatz 640,57 € 3,5x
Ausschlüsse

Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 2953 (Thorakoplastik): Erfahren Sie alles über korrekte Indikationen, Ausschlussziffern und die rechtssichere Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2953

GOÄ-Ziffer 2953: Thorakoplastik (3140 Punkte, Einfachsatz: 183,02 €, Regelhöchstsatz: 420,95 €, Höchstsatz: 640,57 €)

Die offizielle Leistungsbeschreibung umfasst die teilweise oder vollständige Entfernung einer oder mehrerer Rippen im Rahmen einer Thorakoplastik. Diese chirurgische Maßnahme dient der gezielten Verkleinerung oder dem Verschluss des Pleuraraums. Die Leistung ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter der Rubrik XII (Thoraxchirurgie) angesiedelt.

Eine wichtige Vorbemerkung der GOÄ regelt das Verhältnis zu intrathorakalen Eingriffen. Muss neben einer Operation an intrathorakalen Organen eine Thorakoplastik ausgeführt werden, ist diese neben der Organoperation berechnungsfähig. Dies stellt eine wesentliche Ausnahme von den allgemeinen Kombinationsbeschränkungen dar.

GOÄ 2953 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext

Die Durchführung einer Thorakoplastik nach Ziffer 2953 kommt in der modernen Thoraxchirurgie vor allem bei komplizierten pleuralen Prozessen zum Einsatz. Ein klassisches Indikationsgebiet ist das chronische Pleuraempyem, bei dem eine Obliteration des infizierten Raumes erzielt werden muss. Durch die Resektion von Rippensegmenten sinkt die Brustwand ein, was den verbliebenen Hohlraum effektiv verkleinert.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Deckung ausgedehnter Defekte der Brustwand nach Trauma oder Tumorresektionen. Hierbei ermöglicht die Teilresektion von Rippen eine Mobilisation des Gewebes zur plastischen Rekonstruktion. Die Ziffer ist somit eng mit rekonstruktiven und infektionssanierenden Konzepten in der Thoraxchirurgie verknüpft.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2953

Fallbeispiel 1: Sanierung eines chronischen Pleuraempyems

Ein Patient stellt sich mit einem persistierenden, fistelnden Pleuraempyem vor. Zur Sanierung des Infektherdes und zur Obliteration der Resthöhle erfolgt die Resektion von Segmenten der 4. und 5. Rippe. Die Kollapstherapie der Empyemhöhle wird erfolgreich durchgeführt. Neben den allgemeinen chirurgischen Grundleistungen wird die GOÄ 2953 mit dem Regelsatz abgerechnet.

Fallbeispiel 2: Defektdeckung nach Tumorresektion an der Brustwand

Nach der Exzision eines malignen Tumors der Brustwand verbleibt ein großer Gewebedefekt. Zur Mobilisation des lokalen Gewebes und zur spannungsfreien Deckung wird eine Teilresektion benachbarter Rippen erforderlich. Diese plastische Thorakoplastik wird über die Ziffer 2953 abgerechnet. Die Tumorresektion selbst wird als eigenständige Hauptleistung daneben gestellt.

Fallbeispiel 3: Kombination mit einer intrathorakalen Organoperation

Bei einer komplexen Lobektomie aufgrund eines Bronchialkarzinoms zeigt sich intraoperativ die Notwendigkeit einer zusätzlichen Thorakoplastik zur Reduktion des Pleuraraums. Da es sich um eine Operation an intrathorakalen Organen handelt, erlaubt die GOÄ die Nebeneinanderberechnung. Die Ziffer 2953 wird zusätzlich zur Ziffer für die Lobektomie (z. B. GOÄ 2960) in Ansatz gebracht.

Häufige Fehler bei der GOÄ 2953: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die Missachtung der expliziten Ausschlussziffern. Die GOÄ 2953 darf nicht neben den Ziffern 2954 (ausgedehnte Thorakoplastik), 2955 (Rest-Thorakoplastik) oder 2959 (Pleurektomie) berechnet werden. Auch die Nebeneinanderberechnung mit der Ziffer 3010 (Rippenresektion) im selben Operationsgebiet ist unzulässig.

Achtung: Private Krankenversicherungen prüfen genau, ob eine Rippenresektion lediglich als Zugangsweg für einen anderen Eingriff diente. In solchen Fällen ist die separate Abrechnung der Ziffer 2953 oder 3010 nicht statthaft, da der Zugang mit der Hauptleistung abgegolten ist.

Zudem fordern Prüfstellen bei der Kombination mit Organoperationen einen klaren Nachweis der selbstständigen medizinischen Notwendigkeit der Thorakoplastik. Die bloße Erwähnung im OP-Bericht ohne funktionelle Begründung führt häufig zu Honorarkürzungen.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 2953: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wirksamste Mittel gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen die Anzahl und Lokalisation der resekzierten Rippen exakt angegeben werden. Auch die chirurgische Zielsetzung, wie beispielsweise die Volumenreduktion oder die Defektdeckung, muss klar formuliert sein.

Dokumentationsbeispiel: "Chronisches Pleuraempyem links. Posterolaterale Thorakotomie. Zur Obliteration der infizierten Resthöhle erfolgt die Teilresektion der 5. und 6. Rippe links (Thorakoplastik nach GOÄ 2953). Vollständige Mobilisation der Brustwand zur Kollapstherapie. Einlegen einer Thoraxdrainage, schichtweiser Wundverschluss."

Bei Kombinationseingriffen ist im Bericht explizit darzustellen, warum die Thorakoplastik eine eigenständige therapeutische Maßnahme darstellt und nicht lediglich den Zugangsweg für die Organoperation bildete.

GOÄ 2953: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Ein Überschreiten des Schwellenwertes von 2,3 bis zum Höchstsatz von 3,5 ist bei der GOÄ 2953 gut begründbar. Typische Erschwernisse sind ausgeprägte pleurale Verwachsungen nach Voroperationen oder chronischen Entzündungen. Auch ein stark erhöhtes Blutungsrisiko oder anatomische Besonderheiten rechtfertigen eine Faktorsteigerung.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird die Thorakoplastik mit Leistungen der Thorakotomie (z. B. GOÄ 2950) oder mit Resektionen an der Lunge kombiniert. Die Kombination mit der Ziffer 2960 (Lobektomie) ist unter Beachtung der Dokumentationsregeln zulässig. Auch Anästhesieleistungen und postoperative Überwachungsziffern gehören zum typischen Abrechnungsspektrum.

Tipp: Achten Sie bei der Kombination mit intrathorakalen Eingriffen darauf, die Ausnahmeregelung der GOÄ-Vorbemerkung aktiv zu nutzen und im Abrechnungsformular kurz auf die Organoperation zu verweisen.

Ziffer 2953 in der neuen GOÄ

Ziffer 2953 (Thorakoplastik) verzweigt in der neuen GOÄ je nach Technik oder Indikation. Bisheriger 2,3-facher Satz: 420,95 €.

  • bei bis zu vier Rippen / inkomplett: 9307 „Inkomplette Thorakoplastik (bis zu vier Rippen), auch als Korrekturthorakoplastik, ggf. einschließlich Thoraxdrainage(n)" (632,09 €)
  • bei mehr als vier Rippen / komplett: 9308 „Komplette Thorakoplastik (mehr als vier Rippen), auch als Korrekturthorakoplastik, ggf. einschließlich Thoraxdrainage(n)" (1.051,92 €)

Die Bandbreite reicht von 632,09 € bis 1.051,92 € — die Dokumentation des konkreten Vorgehens entscheidet über die Ziffer.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2953

Die GOÄ 2953 ist neben einer Operation an intrathorakalen Organen berechnungsfähig, wenn die Thorakoplastik zusätzlich zur Organoperation medizinisch notwendig ist. Dies ist eine explizite Ausnahme in den Bestimmungen der GOÄ. Die medizinische Notwendigkeit muss im OP-Bericht nachvollziehbar dokumentiert sein.
Neben der GOÄ 2953 dürfen die Ziffern 2954, 2955, 2959 sowie 3010 nicht abgerechnet werden. Diese Ausschlüsse verhindern eine unzulässige Doppelabrechnung ähnlicher oder enthaltener Teilleistungen. Insbesondere die selbstständige Rippenresektion nach Ziffer 3010 ist im selben Operationsgebiet ausgeschlossen.
Der Regelhöchstsatz bei einem 2,3-fachen Steigerungssatz beträgt für die GOÄ 2953 genau 420,95 Euro. Der einfache Gebührensatz liegt bei 183,02 Euro. Für eine Abrechnung über dem Schwellenwert ist eine patientenindividuelle Begründung erforderlich.
Die Hauptindikation umfasst die teilweise oder vollständige Entfernung von Rippen zur Volumenreduktion des Brustkorbs. Typische klinische Szenarien sind die Sanierung chronischer Pleuraempyeme oder die Deckung großer Brustwanddefekte. Auch die Kollapstherapie bei persistierenden Höhlen gehört dazu.
Ein erhöhter Steigerungssatz bis zum 3,5-fachen Satz kann durch einen überdurchschnittlichen operativen Aufwand begründet werden. Typische Gründe sind starke Verwachsungen im Operationsgebiet, vorangegangene Eingriffe oder ein erhöhtes Blutungsrisiko. Die Begründung muss konkret auf den Einzelfall bezogen sein.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich