GOÄ 2975: Dekortikation der Lunge korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 2975
Dekortikation der Lunge
Punktzahl 4800  
Einfachsatz 279,78 € 1,0x
Regelhöchstsatz 643,49 € 2,3x
Höchstsatz 979,23 € 3,5x

Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2975 (Dekortikation der Lunge): Erfahren Sie alles über Indikationen, Steigerungsfaktoren und typische Fallbeispiele.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2975

Die Gebührenordnung für Ärzte beschreibt die Leistung unter der Ziffer 2975 wie folgt:

GOÄ Ziffer 2975: Dekortikation der Lunge (4800 Punkte)

Unter dieser Ziffer wird die operative Entfernung des viszeralen Lungenfells (Pleura visceralis) abgerechnet. Diese Membran ist im Rahmen chronischer Entzündungsprozesse oder Vernarbungen häufig massiv verdickt. Die chirurgische Maßnahme dient dazu, die gefesselte Lunge wieder zu befreien und ihre normale Lungenentfaltung zu ermöglichen.

Die Leistung umfasst die sorgfältige Präparation und das vorsichtige Abschälen der pathologischen Gewebeschichten vom empfindlichen Lungenparenchym. Da es sich um einen hochkomplexen thoraxchirurgischen Eingriff handelt, sind alle typischen Teilschritte der Dekortikation in dieser Ziffer abgebildet.

GOÄ 2975 in der Praxis: Indikation und klinischer Einsatz

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2975 setzt eine strenge medizinische Indikation voraus. Typische klinische Szenarien umfassen das chronische Pleuraempyem im Stadium III sowie den ausgeprägten Fibrothorax. Auch nach schweren Traumata mit organisiertem Hämatothorax ist dieser Eingriff oft unumgänglich.

Ziel des Eingriffs ist die Beseitigung der respiratorischen Einschränkung. Die chirurgische Herausforderung besteht darin, die anatomische Grenze zwischen der verdickten Pleuraschale und dem gesunden Lungengewebe exakt zu finden. Eine erfolgreiche Schälung der Lunge führt zu einer sofortigen Verbesserung der Ventilationsparameter.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2975

Fallbeispiel 1: Chronisches Pleuraempyem

Ein Patient stellt sich mit einem chronischen Pleuraempyem im fortgeschrittenen Stadium vor. Es erfolgt die offene Thorakotomie mit vollständiger Dekortikation der Lunge zur Sanierung des Infektherdes. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 2975 zum Regelhöchstsatz, da der Eingriff ohne außergewöhnliche Komplikationen verläuft.

Fallbeispiel 2: Posttraumatischer Fibrothorax

Nach einem schweren Thoraxtrauma hat sich bei einer Patientin ein ausgeprägter Fibrothorax entwickelt, der die Lungenfunktion stark einschränkt. Die chirurgische Freilegung und Dekortikation erfordern eine äußerst feine Präparation. Aufgrund des hohen Zeitaufwands wird die GOÄ 2975 mit einem erhöhten Steigerungsfaktor von 3,0 abgerechnet.

Fallbeispiel 3: Dekortikation bei chronischer Pleuritis

Bei einem Patienten mit Zustand nach tuberkulöser Pleuritis zeigt sich eine massive, schwielige Einmauerung der Lunge. Die Dekortikation gestaltet sich aufgrund der extremen Gewebehärte als überdurchschnittlich schwierig. Die Abrechnung der Ziffer 2975 erfolgt hier mit dem Höchstsatz von 3,5 unter Angabe der konkreten Erschwernisse.

Häufige Fehler bei der GOÄ 2975: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 2975 ist die unzulässige Kombination mit anderen pleuralen Eingriffen. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen hier besonders streng nach dem sogenannten Zielleistungsprinzip. Doppelte Abrechnungen von Teilschritten führen regelmäßig zu Beanstandungen.

Achtung: Die Nebeneinanderberechnung von GOÄ 2975 und GOÄ 2977 (Pleurektomie) am selben Lungenflügel ist nicht zulässig. Die Dekortikation beinhaltet bereits die Entfernung der viszeralen Pleura, weshalb eine zusätzliche Pleurektomie als Doppelabrechnung eingestuft wird.

Zudem darf der Zugangsweg über eine Thorakotomie nicht separat berechnet werden, wenn er zwingender Bestandteil des Haupteingriffs ist. Nur eigenständige, über den Standardzugang hinausgehende Maßnahmen sind separat ansatzfähig.

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Dokumentation der GOÄ 2975: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im OP-Bericht müssen die Dicke der Pleuraschwiele, der Grad der Verwachsungen und die angewandte Präparationstechnik detailliert beschrieben werden. Auch eventuelle Parenchymverletzungen und deren Versorgung gehören in die Akte.

Dokumentation: Thorakotomie rechts. Darstellung einer bis zu 1,5 cm dicken, schwieligen Pleuraschale. Mühsame, schichtweise Dekortikation der gesamten viszeralen Pleura unter Schonung des Lungenparenchyms. Vollständige Entfaltung des rechten Lungenflügels nach Abschluss der Schälung nachweisbar.

Besonders bei der Anwendung von Steigerungsfaktoren über dem 2,3-fachen Satz ist eine detaillierte Begründung im Bericht unerlässlich. Pauschale Formulierungen wie "erhöhter Zeitaufwand" reichen für die Erstattung meist nicht aus.

GOÄ 2975: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Steigerungsfaktors bis zum 3,5-fachen Satz ist bei der GOÄ 2975 gut begründbar, wenn besondere Erschwernisse vorliegen. Hierzu zählen eine extreme Gewebeadhärenz, massive intraoperative Blutungen oder die Notwendigkeit einer erweiterten Parenchymschonung bei vorbeschädigter Lunge. Jede Abweichung vom Regelsatz muss patientenindividuell begründet werden.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 2975 können begleitende Leistungen wie die Einlegung einer Thoraxdrainage (GOÄ 2952) oder postoperative Überwachungsleistungen berechnet werden. Nicht kombiniert werden dürfen hingegen Leistungen, die methodisch in der Dekortikation aufgehen. Die sorgfältige Beachtung der Ausschlusskriterien sichert eine honorargerechte und prüfsichere Abrechnung.

Tipp: Dokumentieren Sie die genaue OP-Dauer und den Einsatz spezieller mikrochirurgischer Instrumente. Dies liefert die optimale Argumentationsbasis für eine erfolgreiche Durchsetzung höherer Steigerungssätze gegenüber den Kostenträgern.

Ziffer 2975 in der neuen GOÄ

Ziffer 2975 (Dekortikation der Lunge) verzweigt in der neuen GOÄ je nach Technik oder Indikation. Bisheriger 2,3-facher Satz: 643,49 €.

  • bei offen chirurgisch; komplette Dekortikation: 9328 „Offen chirurgisch komplette Dekortikation der Lunge, ggf. einschließlich -Thoraxdrainage(n) -Adhäsiolyse, je Seite" (1.035,87 €) — je Seite
  • bei thorakoskopisch; komplette Dekortikation: 9329 „Thorakoskopisch komplette Dekortikation der Lunge, ggf. einschließlich -Thoraxdrainagen(n) -Adhäsiolyse, je Seite" (977,63 €) — je Seite
  • bei offen chirurgisch; inkomplette Dekortikation: 9330 „Offen chirurgisch inkomplette Dekortikation der Lunge, als selbständige Leistung, ggf. einschließlich -Thoraxdrainage(n) -Adhäsiolyse, je Seite" (655,60 €) — je Seite
  • bei thorakoskopisch; inkomplette Dekortikation: 9331 „Thorakoskopisch inkomplette Dekortikation der Lunge, als selbständige Leistung, ggf. einschließlich -Thoraxdrainage(n) -Adhäsiolyse, je Seite" (679,34 €) — je Seite

Die Bandbreite reicht von 655,60 € bis 1.035,87 € — die Dokumentation des konkreten Vorgehens entscheidet über die Ziffer.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2975

Die GOÄ-Ziffer 2975 rechnet die Dekortikation der Lunge ab, also die operative Entfernung einer verdickten Pleuraschicht. Diese Maßnahme dient dazu, die eingeschränkte Entfaltungsfähigkeit der Lunge wiederherzustellen. Der Eingriff ist mit 4800 Punkten bewertet.
Der einfache Gebührensatz der GOÄ 2975 beträgt 279,78 €. Bei Abrechnung des Regelhöchstsatzes (2,3-facher Satz) liegt das Honorar bei 643,49 €. Unter Ausschöpfung des Höchstsatzes (3,5-facher Satz) können bis zu 979,23 € geltend gemacht werden.
Nein, eine Nebeneinanderberechnung der GOÄ 2975 und der Pleurektomie nach GOÄ 2977 am selben Lungenflügel ist im Regelfall nicht zulässig. Die Dekortikation umfasst bereits die Entfernung der viszeralen Pleura, weshalb dies als Doppelabrechnung gewertet würde.
Ein erhöhter Steigerungsfaktor kann durch einen extremen Verwachsungsgrad, massive Blutungen oder ein hohes Risiko für Parenchymverletzungen begründet werden. Auch eine außergewöhnlich lange Operationsdauer aufgrund anatomischer Besonderheiten rechtfertigt eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz.
Ja, die Dekortikation der Lunge kann sowohl offen-chirurgisch als auch videoassistiert thorakoskopisch (VATS) durchgeführt und über die GOÄ 2975 abgerechnet werden. Der gewählte Zugangsweg sollte im OP-Bericht präzise dokumentiert werden, um Rückfragen der Kostenträger zu vermeiden.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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