Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2991 (Thorakotomie mit Herzmassage) erfordert präzise Dokumentation. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen und Steigerungssätzen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2991
GOÄ-Ziffer 2991: Thorakotomie mit Herzmassage – 1480 Punkte
Direkte Herzmassage, unabhängig von der Dauer. Ggf. Zuschlag nach Nr. 445. Abrechnungsausschluss: Nicht neben: 3010
Die GOÄ-Ziffer 2991 beschreibt eine hochgradig invasive, chirurgische Notfallmaßnahme im Bereich der Thoraxchirurgie. Sie umfasst die Eröffnung des Brustkorbs (Thorakotomie) mit dem primären Ziel, eine direkte Herzmassage manuell durchzuführen. Diese Maßnahme kommt in der Regel dann zum Einsatz, wenn konventionelle, geschlossene Reanimationsmaßnahmen erfolglos bleiben oder aufgrund spezifischer Verletzungsmuster kontraindiziert sind.
Die Leistung beinhaltet sowohl den chirurgischen Zugang als auch die manuelle Kompression des Herzmuskels. Da es sich um eine Notfallleistung handelt, ist die zeitliche Dauer der manuellen Massage für die Erfüllung des Leistungstextes unerheblich. Dennoch muss die Durchführung exakt dokumentiert werden, um spätere Rückfragen von Kostenträgern zu vermeiden.
GOÄ 2991 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Der Einsatz der GOÄ-Ziffer 2991 ist in der täglichen Praxis auf absolute Notfallsituationen beschränkt. Typische Indikationen für eine offene Herzdruckmassage sind penetrierende Thoraxverletzungen, schwere Thoraxtraumata mit Herzbeuteltamponade oder ein intraoperativer Herzstillstand bei bereits eröffnetem Brustkorb. In diesen Fällen ist der direkte Zugriff auf das Myokard die einzige Möglichkeit, einen minimalen Kreislauf aufrechtzuerhalten.
Die Abgrenzung zu anderen Reanimationsmaßnahmen ist essenziell. Während die geschlossene Herz-Lungen-Wiederbelebung nach anderen Ziffern bewertet wird, setzt die GOÄ 2991 zwingend die chirurgische Eröffnung des Thorax voraus. Die Abrechnung setzt daher eine entsprechende chirurgische Qualifikation und die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur voraus.
Tipp: Da diese Ziffer meist in extremen Notfallsituationen erbracht wird, sollte das OP-Team unmittelbar nach der Stabilisierung des Patienten ein detailliertes Protokoll anfertigen, um alle Teilschritte lückenlos zu erfassen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2991
Fallbeispiel 1: Penetrierendes Thoraxtrauma
Ein Patient wird mit einer schweren Stichverletzung im Bereich des linken Thorax eingeliefert und erleidet im Schockraum einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Es erfolgt eine sofortige Notfall-Thorakotomie zur Entlastung einer vermuteten Herzbeuteltamponade und anschließende direkte Herzmassage über einen Zeitraum von zehn Minuten. Nach erfolgreicher Stabilisierung wird der Patient in den Operationssaal verlegt. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 2991 zum Regelsatz.
Fallbeispiel 2: Intraoperativer Herzstillstand bei Thoraxeingriff
Während einer geplanten Lobektomie kommt es zu einem plötzlichen Herzstillstand des Patienten bei bereits eröffnetem Brustkorb. Der Operateur führt unverzüglich eine manuelle Herzmassage direkt am freigelegten Herzen durch, bis nach fünf Minuten eine stabile Rhythmisierung erreicht ist. Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2991 erfolgt hier neben den primären OP-Ziffern, wobei auf den Ausschluss der Ziffer 3010 geachtet werden muss.
Fallbeispiel 3: Komplizierter Verlauf mit verlängerter Reanimation
Bei einer Notfall-Thorakotomie nach stumpfem Trauma gestaltet sich die direkte Herzmassage aufgrund massiver Verwachsungen im Mediastinum als extrem schwierig. Die manuelle Reanimation muss über 45 Minuten fortgesetzt werden, bevor eine stabile Herzaktion einsetzt. Aufgrund des erhöhten Zeitaufwands und der anatomischen Schwierigkeiten wird die GOÄ-Ziffer 2991 mit einem erhöhten Steigerungssatz von 3,5 abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2991: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2991 ist die gleichzeitige Ansetzung der Ziffer 3010 (Freilegung des Herzens). Die GOÄ schließt diese Kombination explizit aus, da die Freilegung des Herzens als immanenter Bestandteil der Thorakotomie zur Herzmassage angesehen wird. Private Krankenversicherungen kürzen Rechnungen umgehend, wenn beide Ziffern nebeneinander auftauchen.
Ein weiterer Streitpunkt mit Kostenträgern ist die Abgrenzung zur konventionellen Reanimation. Prüfstellen fordern gelegentlich den Nachweis, dass eine offene Thorakotomie tatsächlich medizinisch indiziert und durchgeführt wurde. Eine bloße externe Herzdruckmassage darf niemals unter der Ziffer 2991 abgerechnet werden, selbst wenn sie unter extremen Bedingungen stattfand.
Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 2991 setzt immer den chirurgischen Zugang voraus. Eine fehlerhafte Deklaration von externen Reanimationsmaßnahmen unter dieser Ziffer kann als Falschabrechnung gewertet werden.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 2991: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument, um Honorarkürzungen abzuwehren. Im Operationsbericht müssen der genaue Zugangsweg (z. B. anterolaterale Thorakotomie), die Indikation für das offene Vorgehen sowie die Durchführung der manuellen Kompression detailliert beschrieben werden. Auch die zeitliche Abfolge der Ereignisse sollte minutengenau festgehalten werden.
Besonders wichtig ist die Erfassung von Komplikationen oder anatomischen Besonderheiten, die einen erhöhten Aufwand begründen. Falls Verwachsungen gelöst werden mussten oder die Massage über einen ungewöhnlich langen Zeitraum durchgeführt wurde, gehört dies zwingend in den Bericht.
Dokumentationsbeispiel:
...Aufgrund des akuten Herz-Kreislauf-Stillstands bei V. a. Herzbeuteltamponade sofortige linksseitige anterolaterale Notfall-Thorakotomie im 5. ICR. Eröffnung des Perikards und Entlastung des Hämatoms. Anschließend direkte, manuelle Herzmassage über einen Zeitraum von 12 Minuten bis zum Wiedereintritt eines stabilen Sinusrhythmus...
GOÄ 2991: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 2991 kann bei Vorliegen besonderer Umstände über den Regelhöchstsatz von 2,3 gesteigert werden. Typische Kriterien für eine Faktorerhöhung auf bis zu 3,5 sind eine extrem lange Dauer der manuellen Herzmassage, schwierige anatomische Verhältnisse durch Voroperationen oder erhebliche Blutungen im Operationsgebiet, die die Sicht behindern. Die Begründung muss in der Liquidation einzelfallbezogen und medizinisch plausibel formuliert sein.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 2991 können weitere selbstständige operative Leistungen abgerechnet werden, sofern sie nicht dem Zielleistungsprinzip unterliegen oder explizit ausgeschlossen sind. Häufige Kombinationen umfassen gefäßchirurgische Maßnahmen oder die Versorgung von Lungenverletzungen. Der Ausschluss der Ziffer 3010 muss dabei stets beachtet werden. Zudem kann bei ambulanten Eingriffen der entsprechende OP-Zuschlag nach Ziffer 445 hinzugerechnet werden.
Ziffer 2991 in der neuen GOÄ
Ziffer 2991 (Thorakotomie mit Herzmassage) hat im Entwurf der neuen GOÄ keine eigenständige Nachfolgeziffer erhalten. Heute liegt der 2,3-fache Satz bei 198,42 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2991
Was hat nicht gestimmt?