Die Abrechnung der diagnostischen Thorakotomie nach GOÄ 2990 birgt Fallstricke. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen, Steigerungsfaktoren und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2990
Thorakotomie zu diagnostischen Zwecken
Die GOÄ-Ziffer 2990 beschreibt die diagnostische Eröffnung des Brustkorbes (Thorakotomie). Diese Leistung ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie), Unterabschnitt XII (Thoraxchirurgie) der Gebührenordnung für Ärzte verortet. Sie ist mit einer Punktzahl von 1110 Punkten bewertet.
In der modernen Medizin hat die klassische offene Thorakotomie zu rein diagnostischen Zwecken stark an Bedeutung verloren. Sie wurde in weiten Teilen durch die deutlich weniger invasive Thorakoskopie (Spiegelung des Brustraumes) abgelöst. Dennoch bleibt die Ziffer für spezifische klinische Konstellationen, in denen ein minimalinvasives Vorgehen nicht möglich oder nicht ausreichend ist, weiterhin relevant.
GOÄ 2990 in der Praxis: Wann ist die Abrechnung berechtigt?
Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2990 setzt voraus, dass der Eingriff primär und ausschließlich zu diagnostischen Zwecken erfolgt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn durch die Eröffnung des Thorax die Operabilität eines Befundes geprüft wird. Zeigt sich dabei beispielsweise die Inoperabilität eines Tumors, verbleibt es bei der diagnostischen Leistung.
Wichtig für die Praxis ist die strikte Abgrenzung zu therapeutischen Eingriffen. Geht die diagnostische Thorakotomie im selben operativen Akt in eine therapeutische Leistung über, ist die Ziffer 2990 nicht berechnungsfähig. In diesem Fall wird ausschließlich die Ziffer für den eigentlichen operativen Eingriff (z. B. eine Lungenresektion) abgerechnet.
Achtung: Die GOÄ 2990 darf niemals als bloßer Zugangsweg für eine nachfolgende Herz- oder Lungenoperation berechnet werden. In diesem Kontext gilt die Thorakotomie als nicht gesondert honorierbare Hilfsleistung des Haupteingriffs.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2990
Fallbeispiel 1: Explorative Thorakotomie bei inoperablem Befund
Ein Patient stellt sich mit einem fortgeschrittenen zentralen Bronchialkarzinom vor. Zur Beurteilung der Resezierbarkeit wird eine explorative Thorakotomie durchgeführt. Intraoperativ zeigt sich eine massive Infiltration der großen Gefäße, weshalb der Eingriff ohne Resektion beendet werden muss. In diesem Fall ist die Abrechnung der GOÄ 2990 als selbstständige diagnostische Leistung korrekt.
Fallbeispiel 2: Probeexzision bei unklarem mediastinalem Prozess
Bei einem unklaren Tumor im Mediastinum, der thorakoskopisch nicht sicher erreicht werden kann, erfolgt die offene Thorakotomie zur Gewinnung von Biopsiematerial. Da keine weitere chirurgische Therapie im selben Schritt erfolgt, wird die GOÄ 2990 abgerechnet. Die histologische Aufarbeitung wird separat durch den Pathologen liquidiert.
Fallbeispiel 3: Ausschluss einer Verletzung nach Trauma
Nach einem schweren stumpfen Thoraxtrauma besteht der Verdacht auf eine Ruptur der intrathorakalen Gefäße. Zur Sicherung der Diagnose wird eine Thorakotomie durchgeführt. Da sich glücklicherweise keine operationsbedürftige Verletzung zeigt, wird der Thorax nach Inspektion wieder verschlossen. Hier ist die GOÄ 2990 die zutreffende Abrechnungsziffer.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2990: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die Nebeneinanderberechnung der GOÄ 2990 mit therapeutischen Eingriffen am Thorax. Private Krankenversicherungen (PKV) und Beihilfestellen prüfen diese Kombinationen sehr genau. Liegt ein Abrechnungsausschluss vor, wird die Ziffer 2990 konsequent gestrichen.
Die GOÄ 2990 darf explizit nicht neben den Ziffern 2972 (Freilegung des Herzens), 2991 bis 2993 (therapeutische Thorakotomien) sowie 3010 (Lungenresektion) berechnet werden. Diese Ausschlüsse sind in den offiziellen Anmerkungen der Gebührenordnung fest verankert und zwingend zu beachten.
Tipp: Wenn mehrere intrathorakale Leistungen erbracht werden, dient das Honorar der GOÄ 2990 gemäß den Allgemeinen Bestimmungen zu Kapitel L als Maßstab für den Honorarabzug bei der zweiten und jeder weiteren operativen Maßnahme.
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Dokumentation der GOÄ 2990: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation im Operationsbericht ist essenziell, um Honorarausfälle oder Rückforderungen zu vermeiden. Aus dem Bericht muss unmissverständlich hervorgehen, dass der Eingriff rein diagnostischen Charakter hatte und warum keine therapeutische Intervention (z. B. wegen Inoperabilität) folgte.
Zudem sollten die anatomischen Verhältnisse und die explorierten Strukturen detailliert beschrieben werden. Dies liefert der Abrechnungsabteilung die notwendige Argumentationsgrundlage bei eventuellen Rückfragen der Kostenträger.
Dokumentation: "Anlegen einer anterolateralen Thorakotomie im 5. ICR rechts. Inspektion des Pleuraraums und des Lungenhilus. Feststellung einer diffusen, nicht resezierbaren Tumorinfiltration der Arteria pulmonalis. Entnahme einer repräsentativen Gewebeprobe. Sorgfältige Blutstillung und schichtweiser Verschluss des Thorax."
GOÄ 2990: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Regelsatz der GOÄ 2990 liegt beim 2,3-fachen Satz bei 148,81 €. Bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen, ausgeprägten Verwachsungen im Pleuraraum (z. B. nach Voroperationen oder Pleuritis) oder erheblicher Adipositas kann der Faktor bis zum 3,5-fachen Satz (226,45 €) gesteigert werden. Solche Erschwernisse müssen im OP-Bericht detailliert begründet werden.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 2990 kann unter bestimmten Voraussetzungen der Zuschlag nach Ziffer 444 (Zuschlag für die Anwendung eines Operationsmikroskops) berechnet werden, sofern die technischen Voraussetzungen erfüllt sind und die Anwendung medizinisch notwendig war. Anästhesieleistungen und postoperative Überwachungen sind ebenfalls separat nach den entsprechenden Abschnitten der GOÄ liquidierbar.
Ziffer 2990 in der neuen GOÄ
Ziffer 2990 wird als neue Nummer 9343 fortgeführt — „Thorakotomie zu diagnostischen Zwecken, ggf. einschließlich -Adhäsiolyse -Thoraxdrainage(n)". Der feste Satz beträgt 367,70 € (bisheriger 2,3-facher Satz: 148,81 €).
Direkte Umnummerierung der diagnostischen Thorakotomie. Leistungslegende identisch.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2990
Was hat nicht gestimmt?