Erfahren Sie, wie Sie den thorakalen Eingriff am Zwerchfell nach GOÄ-Ziffer 2985 rechtssicher abrechnen, Fehler vermeiden und Steigerungssätze begründen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2985
Thorakaler Eingriff am Zwerchfell - 2220 Punkte
Die Ziffer 2985 beschreibt eine chirurgische Intervention am Zwerchfell, die zwingend über die Brusthöhle (thorakal) erfolgt. Dieser Eingriff erfordert eine Eröffnung des Thoraxraumes, um direkten Zugang zum Zwerchfellmuskel zu erlangen.
Im Leistungsumfang sind alle vorbereitenden und begleitenden operativen Schritte enthalten, die den Zugangsweg betreffen. Dazu gehören insbesondere die Thorakotomie sowie eventuell notwendige Rippenresektionen zur Darstellung des Operationsgebietes.
Auch die Anlage eines künstlichen Pneumothorax zur Vorbereitung des Eingriffs gilt als unselbstständiger Teil der Gesamtleistung. Eine separate Abrechnung dieser Teilschritte ist daher nach den allgemeinen Bestimmungen der GOÄ ausgeschlossen.
GOÄ 2985 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext
Der klinische Einsatz der GOÄ 2985 konzentriert sich auf Erkrankungen und Verletzungen, die einen transthorakalen Zugang zum Zwerchfell erfordern. Typische Szenarien umfassen traumatische Zwerchfellrupturen nach schweren Unfällen oder die Resektion von primären Zwerchfelltumoren.
Auch entzündliche Prozesse oder Gewebebiopsien direkt aus dem Zwerchfellmuskel fallen unter dieses Leistungsspektrum. Der Operateur wählt diesen Weg meist dann, wenn ein abdominaler Zugang aufgrund von Voroperationen oder der Lage des Befundes ungeeignet ist.
Wichtig ist die Abgrenzung zu rein rekonstruktiven Eingriffen bei angeborenen oder erworbenen Fehlbildungen. Die Ziffer zielt primär auf den direkten Eingriff am Muskelgewebe des Zwerchfells ab.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2985
Fallbeispiel 1: Versorgung einer traumatischen Zwerchfellruptur
Ein Patient stellt sich mit einer traumatischen Ruptur des linken Zwerchfellschenkels nach einem stumpfen Thoraxtrauma vor. Der Operateur führt eine linksseitige Thorakotomie durch, stellt den Riss dar und näht diesen direkt.
Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2985 zum Regelsatz. Die Thorakotomie und die Naht des Muskels sind mit dieser Ziffer vollständig abgegolten.
Fallbeispiel 2: Exzision eines benignen Zwerchfelltumors
Bei einer Patientin wird ein gutartiger Tumor im Bereich des rechten Zwerchfelldoms diagnostiziert. Über einen thorakalen Zugang erfolgt die vollständige Exzision des Tumors unter Mitnahme von gesundem Muskelgewebe.
Da der Eingriff direkt am Zwerchfellmuskel stattfindet, ist die GOÄ 2985 die korrekte Hauptleistung für diesen operativen Schritt.
Fallbeispiel 3: Kombinierter Eingriff bei Pleuramesotheliom
Bei einem Patienten mit einem Pleuramesotheliom wird eine Pleurektomie durchgeführt, bei der auch Anteile des Zwerchfells reseziert werden müssen. Der Operateur rechnet hierzu die Pleurektomie und den Zwerchfelleingriff nebeneinander ab.
In diesem Fall ist die Nebeneinanderberechnung der GOÄ 2985 und der GOÄ 2974 zulässig, da es sich um unterschiedliche anatomische Zielstrukturen handelt.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2985: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die zusätzliche Ansetzung von Zugangsziffern. Die Eröffnung des Thorax ist integraler Bestandteil der Leistung und darf nicht separat liquidiert werden.
Zudem versuchen Prüfstellen regelmäßig, die Nebeneinanderberechnung mit der Pleurektomie zu streichen. Hier muss argumentiert werden, dass die GOÄ 2974 das Brustfell betrifft, während die GOÄ 2985 den Zwerchfellmuskel therapiert.
Achtung: Die Operation einer Diaphragmahernie (GOÄ 3280) oder einer Zwerchfellrelaxation (GOÄ 3281) schließt die Berechnung der GOÄ 2985 kategorisch aus. Diese spezifischen Eingriffe besitzen eigene, höher bewertete Ziffern im abdominalen oder thorakalen Bereich.
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Dokumentation der GOÄ 2985: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation des Operationsberichts ist essenziell, um Honorarkürzungen durch private Krankenversicherungen abzuwenden. Der Bericht muss den thorakalen Zugangsweg und die Eröffnung der Pleurahöhle detailliert beschreiben.
Zudem sollten alle Maßnahmen am Zwerchfellmuskel, wie Inzisionen, Exzisionen oder Rekonstruktionsnähte, präzise dokumentiert werden. Auch die Begründung für eventuelle Rippenresektionen sollte im Bericht auftauchen, selbst wenn diese nicht gesondert berechenbar sind.
Dokumentation: "...Anlegen einer linksseitigen anterolateralen Thorakotomie im 5. ICR. Eröffnung der Pleurahöhle und Darstellung des Zwerchfells. Nachweis eines 4 cm langen Risses im muskulären Anteil. Durchführung einer fortlaufenden Zwerchfellnaht mit monofilem Faden..."
GOÄ 2985: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Schwellenwert von 2,3 kann bei Vorliegen besonderer Erschwernisse überschritten werden. Typische Begründungen sind ausgeprägte Verwachsungen nach Voroperationen oder Entzündungen im Thoraxraum.
Auch eine starke Adipositas des Patienten oder eine intraoperative Blutung, die den Eingriff erheblich verzögert, rechtfertigen einen höheren Steigerungsfaktor. Diese Erschwernisse müssen im Operationsbericht detailliert und nachvollziehbar dargelegt werden.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 2985 können Leistungen der Anästhesie (z. B. GOÄ 430) und postoperative Überwachungsleistungen abgerechnet werden. Auch die Kombination mit der GOÄ 2974 für eine Pleurektomie ist bei entsprechender Indikation statthaft.
Tipp: Achten Sie bei der Kombination von GOÄ 2985 und GOÄ 2974 darauf, dass die unterschiedlichen operativen Schritte und Zielorgane im OP-Bericht klar voneinander abgegrenzt dargestellt sind.
Ziffer 2985 in der neuen GOÄ
Ziffer 2985 (Thorakaler Eingriff am Zwerchfell) verzweigt in der neuen GOÄ je nach Technik oder Indikation. Bisheriger 2,3-facher Satz: 297,62 €.
- bei offen chirurgischer thorakaler Zugang; partielle Zwerchfellresektion: 9337 „Offen chirurgisch partielle Zwerchfellresektion von thorakalem Zugang aus, als selbständige Leistung, ggf. einschließlich -Adhäsiolyse -Mobilisieren von Brustorganen -Zwerchfellnaht, je Seite" (523,49 €) — je Seite
- bei thorakoskopischer thorakaler Zugang; partielle Zwerchfellresektion: 9338 „Thorakoskopisch partielle Zwerchfellresektion von thorakalem Zugang aus, als selbständige Leistung, ggf. einschließlich -Adhäsiolyse -Mobilisieren von Brustorganen -Zwerchfellnaht, je Seite" (535,39 €) — je Seite
- bei offen chirurgischer transabdominaler Zugang: 9339 „Offen chirurgisch partielle Zwerchfellresektion von transabdominalem Zugang aus, als selbständige Leistung, ggf. einschließlich -Adhäsiolyse -Zwerchfellnaht, je Seite" (567,53 €) — je Seite
- bei laparoskopischer transabdominaler Zugang: 9341 „Laparoskopisch partielle Zwerchfellresektion von transabdominalem Zugang aus, als selbständige Leistung, ggf. einschließlich -Adhäsiolyse -Zwerchfellnaht, je Seite" (655,60 €) — je Seite
Die Bandbreite reicht von 523,49 € bis 655,60 € — die Dokumentation des konkreten Vorgehens entscheidet über die Ziffer.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2985
Was hat nicht gestimmt?