GOÄ 3078: VSD-Verschluss korrekt abrechnen – Praxis-Tipps

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3078
Operativer Verschluss eines Herzkammerscheidewanddefektes mittels Prothese
Punktzahl 4000  
Einfachsatz 233,15 € 1,0x
Regelhöchstsatz 536,25 € 2,3x
Höchstsatz 816,02 € 3,5x

Erfahren Sie, wie Sie den operativen Verschluss eines Herzkammerscheidewanddefektes nach GOÄ-Ziffer 3078 rechtssicher und fehlerfrei abrechnen.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3078

Operativer Verschluss eines Herzkammerscheidewanddefektes mittels Prothese

Die GOÄ-Ziffer 3078 beschreibt eine hochspezialisierte chirurgische Leistung aus dem Bereich der Herzchirurgie. Sie kommt primär beim operativen Verschluss eines Ventrikelseptumdefekts (VSD) zum Einsatz, bei dem ein künstlicher oder biologischer Patch (Prothese) eingenäht wird. Diese Ziffer deckt den eigentlichen chirurgischen Defektverschluss ab, nicht jedoch die vorbereitenden oder begleitenden extrakorporalen Maßnahmen.

Die Leistung ist mit einer hohen Punktzahl von 4000 Punkten bewertet, was die Komplexität und Verantwortung dieses Eingriffs widerspiegelt. Die Ziffer ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter der Rubrik XIII (Herzchirurgie) verortet. Vorbereitende Maßnahmen wie der operative Zugang über eine Sternotomie sind in der Regel mit der Ziffer abgegolten.

GOÄ 3078 in der Praxis: Indikationen und klinischer Alltag

Der klinische Einsatz der GOÄ-Ziffer 3078 konzentriert sich auf die Korrektur von angeborenen oder erworbenen Ventrikelseptumdefekten (VSD). Ein typisches Szenario ist der Verschluss eines großen, hämodynamisch relevanten Defekts bei Kindern oder Erwachsenen. Auch nach einem Myokardinfarkt kann ein erworbener Herzkammerscheidewanddefekt eine dringliche chirurgische Versorgung mittels Prothese erfordern.

Für eine korrekte Abrechnung muss zwingend eine Prothese (z. B. Dacron- oder Perikard-Patch) verwendet werden. Ein einfacher Direktverschluss mittels Naht ohne Fremdmaterial fällt nicht unter diese Ziffer. Die Abgrenzung zu interventionellen, kathetergestützten Verschlüssen ist essenziell, da diese über andere Ziffern abgebildet werden.

Tipp: Dokumentieren Sie die Art und Größe des verwendeten Patch-Materials präzise im Operationsbericht, um Rückfragen der Kostenträger zur Verwendung einer Prothese im Keim zu ersticken.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3078

Fallbeispiel 1: Kongenitaler VSD bei einem Kleinkind

Ein zweijähriges Kind mit einem großen, symptomatischen perimembranösen Ventrikelseptumdefekt wird operiert. Der Verschluss erfolgt unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine mittels eines Dacron-Patches. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3078 zum Regelhöchstsatz. Die extrakorporale Zirkulation wird separat über die entsprechenden Ziffern liqudiert.

Fallbeispiel 2: Postinfarkt-VSD beim Erwachsenen

Ein Patient erleidet nach einem schweren Vorderwandinfarkt eine Ruptur des Kammerseptums. Es erfolgt die notfallmäßige operative Sanierung und der Verschluss des Defekts mittels einer Gore-Tex-Prothese. Aufgrund der akuten Gewebsnekrose und des hohen Blutungsrisikos wird ein erhöhter Steigerungsfaktor von 3,5 gewählt. Die Begründung verweist auf die extrem schwierigen Präparationsbedingungen im nekrotischen Areal.

Fallbeispiel 3: Rezidiv-VSD nach früherer Operation

Bei einem erwachsenen Patienten zeigt sich ein relevantes Shuntvolumen durch einen Rest-VSD nach einer Voroperation im Kindesalter. Der erneute Verschluss erfordert die Lösung massiver intraoperativer Adhäsionen und das Einbringen eines neuen Patches. Die GOÄ 3078 wird mit einem Faktor von 3,2 abgerechnet, da die Präparationszeit durch die Voroperation signifikant verlängert war.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3078: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler ist die fälschliche Abrechnung der GOÄ 3078 bei einem reinen Direktverschluss des Defekts mittels Naht. Ohne das Einbringen einer Prothese (Patch) ist die Ziffer nicht anwendbar. In solchen Fällen müssen alternative chirurgische Ziffern geprüft werden, um Honorarverluste oder Retaxierungen zu vermeiden.

Zudem beanstanden private Krankenversicherungen häufig die Nebeneinanderberechnung von unselbstständigen Teilschritten. Die Sternotomie als operativer Zugangsweg ist integraler Bestandteil des Eingriffs und darf nicht separat in Rechnung gestellt werden. Auch die reine Defektdarstellung ist mit der Hauptziffer abgegolten.

Achtung: Die zeitgleiche Abrechnung von Ziffern für den Verschluss eines Vorhofseptumdefekts (ASD) ist nur dann zulässig, wenn es sich um anatomisch getrennte Defekte handelt, die über separate Zugänge versorgt wurden. Achten Sie auf eine strikte Trennung in der Dokumentation.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 3078: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und detaillierte Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche Abrechnung der GOÄ 3078. Der Operationsbericht muss den exakten chirurgischen Zugang, die Darstellung des Defekts und die genaue Lokalisation beschreiben. Besonders wichtig ist die namentliche Erwähnung und Spezifikation der verwendeten Patch-Prothese.

Falls Komplikationen auftreten oder anatomische Besonderheiten den Eingriff erschweren, müssen diese zeitnah im Bericht festgehalten werden. Nur so lassen sich spätere Steigerungen des Gebührensatzes gegenüber den Kostenträgern überzeugend begründen. Auch die genauen Zeiten der extrakorporalen Zirkulation gehören in die Akte.

Dokumentationsbeispiel: Medianer Zugang via Re-Sternotomie. Nach Etablierung der HLM Eröffnung des rechten Vorhofs. Darstellung des großen perimembranösen VSD. Verschluss des Defekts mittels eines passgenau zugeschnittenen Rinderperikard-Patches (Prothese), fixiert mit fortlaufender Prolene-Naht 5-0. Trockenes OP-Gebiet nach Entwöhnung von der HLM.

GOÄ 3078: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus ist bei der GOÄ 3078 gut begründbar, wenn erschwerende Faktoren vorliegen. Typische Gründe sind ausgeprägte Verwachsungen bei Re-Operationen, eine instabile Hämodynamik oder komplexe anatomische Verhältnisse (z. B. bei multiplen Defekten, sogenannten Swiss-Cheese-Defekten). Auch ein hohes Blutungsrisiko bei entzündlich verändertem Gewebe rechtfertigt einen höheren Faktor.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 3078 werden regelmäßig Leistungen für die Anästhesie und die extrakorporale Zirkulation (z. B. GOÄ 3095 für die Herz-Lungen-Maschine) abgerechnet. Auch kardiotechnische Zusatzleistungen und das intraoperative Monitoring (z. B. transösophageale Echokardiographie nach GOÄ 424) sind kombinierbar. Nicht zulässig ist hingegen die gesonderte Berechnung von Standard-Nahtmaterial oder einfachen Wundverschlüssen.

Ziffer 3078 in der neuen GOÄ

Ziffer 3078 (Operativer Verschluss eines Herzkammerscheidewanddefektes mittels Prothese) verzweigt in der neuen GOÄ je nach Technik oder Indikation. Bisheriger 2,3-facher Satz: 536,25 €.

  • bei angeborener Herzkammerscheidewanddefekt; 1: 9597 „Operativer Verschluss eines angeborenen Herzkammerscheidewanddefektes" (679,05 €)
  • bei erworbener Herzkammerscheidewanddefekt: 9558 „Operativer Verschluss eines erworbenen Herzkammerscheidewanddefektes oder einer erworbenen Herzkammerperforation mittels Patchplastik und/oder direkter Naht" (373,20 €)
  • bei totaler atrioventrikulärer Septumdefekt (AV-Kanal): 9600 „Operatives Ausschalten eines totalen AV-Kanals" (864,25 €)
  • bei Fallot-Tetralogie mit Ventrikelseptumdefekt: 9602 „Operative Korrektur einer Fallot-Tetralogie durch Verschluss des Ventrikelseptumdefektes, Erweiterung der rechtsventrikulären Ausflussbahn, Kommisurotomie der Pulmonalklappe und fakultative transanuläre Patchplastik" (2.287,41 €) — 1x je Eingriff
  • bei angeborene doppelte Ausflussbahn der rechten Herzkammer (DORV): 9615 „Operative Korrektur einer rechten Herzkammer mit doppelter Ausflussbahn (Double outlet right ventricle)" (864,25 €)
  • bei angeborene doppelte Ausflussbahn der linken Herzkammer (DOLV): 9616 „Operative Korrektur einer linken Herzkammer mit doppelter Ausflussbahn (Double outlet left ventricle)" (864,25 €)
  • bei Operativer Verschluss multipler angeborener Herzkammerscheidewanddefekte: 9598 „Operativer Verschluss multipler angeborener Herzkammerscheidewanddefekte" (864,25 €)

Die Bandbreite reicht von 373,20 € bis 2.287,41 € — die Dokumentation des konkreten Vorgehens entscheidet über die Ziffer.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3078

Der Einfachsatz der GOÄ-Ziffer 3078 beträgt 233,15 Euro bei einer Punktzahl von 4000 Punkten. Bei der Abrechnung mit dem Regelhöchstsatz (2,3-facher Satz) belaufen sich die Kosten auf 536,25 Euro. Der Höchstsatz (3,5-fach) liegt bei 816,02 Euro.
Die GOÄ-Ziffer 3078 umfasst den operativen Verschluss eines Herzkammerscheidewanddefektes (VSD) unter Verwendung einer Prothese (z. B. eines Patches). Typische intraoperative Schritte wie der Zugang zum Herzen und die Defektdarstellung sind mit dieser Ziffer abgegolten. Spezielle Zusatzleistungen wie die Herz-Lungen-Maschine müssen separat berechnet werden.
Ja, die Anwendung der Herz-Lungen-Maschine ist eine eigenständige Leistung und wird über separate GOÄ-Ziffern wie die GOÄ 3095 oder 3096 abgerechnet. Die GOÄ 3078 selbst deckt lediglich den chirurgischen Verschluss des Defekts ab. Achten Sie darauf, die extrakorporale Zirkulation detailliert im OP-Bericht zu dokumentieren.
Eine Erhöhung des Steigerungsfaktors über den 2,3-fachen Satz hinaus ist bei schwierigen anatomischen Verhältnissen oder Voroperationen zulässig. Auch ausgeprägte Adhäsionen oder ein erhöhtes Blutungsrisiko rechtfertigen eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz. Die Begründung muss patientenindividuell und nachvollziehbar in der Rechnung dargelegt werden.
Die GOÄ-Ziffer 3078 darf nicht neben anderen operativen Verfahren am Septum abgerechnet werden, wenn diese denselben Defekt betreffen. Zudem sind allgemeine operative Teilschritte, die bereits im Leistungsumfang enthalten sind, nicht gesondert berechenbar. Prüfen Sie stets die Kombinationsverbote im Abschnitt L der GOÄ.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich