GOÄ 3085: Herzklappenkorrektur korrekt abrechnen

6 Min. Lesezeit
GOÄ 3085
Operative Korrektur einer Herzklappe
Punktzahl 3140  
Einfachsatz 183,02 € 1,0x
Regelhöchstsatz 420,95 € 2,3x
Höchstsatz 640,57 € 3,5x
Ausschlüsse

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3085 für die operative Korrektur einer Herzklappe wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen und Steigerungsfaktoren.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3085

Operative Korrektur einer Herzklappe

Die GOÄ-Ziffer 3085 beschreibt die operative Korrektur einer Herzklappe und ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter der Rubrik der Herzchirurgie angesiedelt. Diese Leistung umfasst alle chirurgischen Maßnahmen, die darauf abzielen, die natürliche Funktion einer geschädigten oder insuffizienten Herzklappe wiederherzustellen, ohne diese komplett durch eine Prothese zu ersetzen. Die Ziffer ist mit einer Punktzahl von 3140 bewertet, was im einfachen Gebührensatz einem Honorar von 183,02 Euro entspricht.

GOÄ 3085 in der Praxis: Rekonstruktion statt Klappenersatz

In der modernen Herzchirurgie wird der Erhalt der körpereigenen Herzklappe wann immer möglich angestrebt. Typische klinische Szenarien für die Anwendung der GOÄ 3085 sind die Mitralklappenrekonstruktion bei Mitralklappeninsuffizienz sowie Korrekturen an der Trikuspidal- oder Aortenklappe. Zu den konkreten chirurgischen Maßnahmen gehören unter anderem die Segelraffung, die Implantation von künstlichen Sehnenfäden (Neochordae) oder die Stabilisierung des Klappenrings mittels eines Anuloplastierings. Die Abgrenzung zum vollständigen Klappenersatz ist hierbei essenziell, da für den Ersatz eine eigene, höher bewertete Ziffer herangezogen werden muss.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3085

Fallbeispiel 1: Rekonstruktion der Mitralklappe mittels Segelplastik

Ein Patient stellt sich mit einer hochgradigen, symptomatischen Mitralklappeninsuffizienz vor. Intraoperativ erfolgt eine Teilresektion des posterioren Mitralklappensegels sowie eine anschließende Rekonstruktion mittels einer Segelplastik und der Implantation eines Anuloplastierings. Da die körpereigene Klappe erhalten und korrigiert wurde, erfolgt die Abrechnung der chirurgischen Hauptleistung über die GOÄ-Ziffer 3085 zum Regelsatz.

Fallbeispiel 2: Minimalinvasive Mitralklappenrekonstruktion

Bei einer Patientin wird eine Mitralklappenrekonstruktion über einen minimalinvasiven Zugang mittels einer Mini-Thorakotomie durchgeführt. Aufgrund des deutlich eingeschränkten Sichtfeldes und der erschwerten Instrumentenführung ist der chirurgische Aufwand im Vergleich zum Standardzugang erheblich gesteigert. Der Operateur rechnet die GOÄ 3085 ab und erhöht den Steigerungssatz auf den 3,5-fachen Satz unter Angabe der konkreten anatomischen und technischen Erschwernisse.

Fallbeispiel 3: Kombinierte Trikuspidalklappenraffung

Im Rahmen einer geplanten Herzoperation zeigt sich zusätzlich eine relevante Trikuspidalklappeninsuffizienz. Der Chirurg führt eine Raffung des Trikuspidalklappenrings durch, um die Schlussfähigkeit wiederherzustellen. Diese eigenständige Rekonstruktionsleistung an einer separaten Klappe wird korrekt mit der GOÄ-Ziffer 3085 liquidiert, sofern kein Ausschluss durch andere zeitgleiche Klappeneingriffe vorliegt.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3085: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die fehlerhafte Nebeneinanderberechnung von Rekonstruktion und Ersatz an derselben Klappe. Die GOÄ-Ziffer 3085 darf nicht neben der Ziffer 3086 (Ersatz einer Herzklappe) für dieselbe Klappe abgerechnet werden. Sollten an zwei verschiedenen Klappen Eingriffe stattfinden (z. B. Ersatz der Aortenklappe und Rekonstruktion der Mitralklappe), darf nicht die Ziffer 3085 neben der 3086 berechnet werden, sondern es muss die Kombinationsziffer 3087 für den Zweiklappeneingriff gewählt werden.

Achtung: Private Krankenversicherungen prüfen die Kombination von Rekonstruktionsziffern und Ersatzziffern sehr genau. Die zeitgleiche Abrechnung von GOÄ 3085 und GOÄ 3086 für dieselbe anatomische Struktur führt unweigerlich zur Honorarkürzung.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 3085: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation des Operationsverlaufs ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen die spezifischen Rekonstruktionsschritte wie die Art der Segelplastik, die Länge der verwendeten künstlichen Sehnenfäden sowie die genaue Bezeichnung und Größe des implantierten Klappenrings detailliert beschrieben werden. Auch die intraoperative Überprüfung des Rekonstruktionsergebnisses mittels transösophagealer Echokardiographie (TEE) sollte dokumentiert werden.

Dokumentation: Nach medianer Sternotomie und Etablierung der extrakorporalen Zirkulation Eröffnung des linken Vorhofs. Darstellung der insuffizienten Mitralklappe mit Prolaps des P2-Segments. Durchführung einer Dreiecksresektion des Segels und Rekonstruktion mittels fortlaufender Naht. Stabilisierung des Klappenapparates durch Implantation eines Physio-Rings (Größe 30 mm). Wasserprobe zeigt eine einwandfreie Koarktationslinie und vollständige Dichtigkeit.

GOÄ 3085: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Steigerungssatzes über den Schwellenwert von 2,3 hinaus ist bei der GOÄ 3085 häufig medizinisch begründbar. Besonders die Durchführung des Eingriffs über eine minimalinvasive Mini-Thorakotomie stellt aufgrund der engen Platzverhältnisse eine erhebliche Erschwernis dar. Auch ausgeprägte Verwachsungen nach Voroperationen oder komplexe anatomische Varianten des Klappenhalteapparates rechtfertigen eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 3085 können weitere selbstständige Leistungen abgerechnet werden, die nicht im Leistungsumfang enthalten sind. Hierzu gehört insbesondere die Anschaltung der Herz-Lungen-Maschine nach GOÄ-Ziffer 3079. Auch die temporäre Schrittmacheranlage oder komplexe intraoperative Ultraschalldiagnostik sind unter Beachtung der jeweiligen Bestimmungen kombinierbar.

Tipp: Achten Sie bei der Verwendung von Steigerungsfaktoren darauf, die Begründung patientenindividuell und verständlich zu formulieren. Pauschale Begründungen wie 'erhöhter Zeitaufwand' ohne Bezug zur konkreten Anatomie oder OP-Technik werden von Kostenträgern meist abgelehnt.

Ziffer 3085 in der neuen GOÄ

Ziffer 3085 (Operative Korrektur einer Herzklappe) verzweigt in der neuen GOÄ in 15 Positionen — je nach Technik und Indikation. Bisheriger 2,3-facher Satz: 420,95 €.

  • bei Mitralklappen-Ringimplantation (offen chirurgisch): 9514 „Offen chirurgische Rekonstruktion der Mitralklappe durch Ringimplantation (Anuloplastie)" (505,08 €)
  • bei Mitralklappen-Segelplastik (offen chirurgisch): 9515 „Offen chirurgische Rekonstruktion der Mitralklappe durch Segelplastik" (505,08 €)
  • bei Implantation künstlicher Sehnenfäden oder Sehnenfaden-Transposition an der Mitralklappe (offen chirurgisch): 9516 „Offen chirurgische Rekonstruktion der Mitralklappe durch Implantation künstlicher Sehnenfäden oder Sehnenfaden-Transposition" (505,08 €)
  • bei kathetergestützte Mitralklappenrekonstruktion (transseptal, z.B. Mitraclip, Cardioband, Neochord): 9517 „Kathetergestützte Mitralklappenrekonstruktion (z.B. Cardioband, Mitraclip, Neochord)" (715,74 €)
  • bei kathetergestützte Mitralklappenrekonstruktion (transapikal, z.B. Mitraclip, Cardioband, Neochord): 9518 „Kathetergestützte Mitralklappenrekonstruktion über einen transapikalen Zugang (z.B. Cardioband, Mitraclip, Neochord)" (979,20 €)
  • bei offen chirurgische Trikuspidalklappenrekonstruktion durch Anuloplastie oder Ringimplantation: 9519 „Offen chirurgische Rekonstruktion der Trikuspidalklappe durch Anuloplastie, ggf. einschließlich Ringimplantation" (505,08 €)
  • bei offen chirurgische Trikuspidalklappenrekonstruktion durch Segelplastik oder Sehnenfäden/Sehnenfaden-Transposition: 9520 „Offen chirurgische Rekonstruktion der Trikuspidalklappe durch Segelplastik oder durch Implantation künstlicher Sehnenfäden oder Sehnenfaden-Transposition" (505,08 €)
  • bei kathetergestützte Trikuspidalklappenrekonstruktion (z.B. Cardioband, Clipping): 9521 „Kathetergestützte Trikuspidalklappenrekonstruktion (z.B. Cardioband, Clipping)" (780,23 €)
  • bei offen chirurgische Aortenklappenrekonstruktion durch subkommissurale Nähte und/oder Raffung des Klappenrings: 9527 „Offen chirurgische Rekonstruktion der Aortenklappe durch subkommissurale Nähte und/oder Raffung des Klappenrings" (505,08 €)
  • bei offen chirurgische Aortenklappenrekonstruktion durch Taschenklappenplastik: 9528 „Offen chirurgische Rekonstruktion der Aortenklappe durch Taschenklappenplastik" (505,08 €)
  • bei offen chirurgische Aortenklappenrekonstruktion durch kompletten Aufbau der Taschenklappen mit autologem Perikard oder Xenograft (z.B. Ozaki-Operation): 9529 „Offen chirurgische Rekonstruktion der Aortenklappe durch kompletten Aufbau der Taschenklappen mit autologem Perikard oder Xenograft Material (z.B. Ozaki-Operation)" (925,98 €)
  • bei angeborenes Vitium einer Herzklappe: 9589 „Operative Rekonstruktion eines angeborenen Vitiums einer Herzklappe" (864,25 €)
  • bei Ebstein-Anomalie; operative Korrektur durch Trikuspidalklappenplastik: 9607 „Operative Korrektur bei Ebstein-Anomalie durch Trikuspidalklappenplastik, ggf. einschließlich der Leistung nach Nummer 9592" (679,05 €)
  • bei Ebstein-Anomalie; Cone-Operation mit Bildung eines Konus aus den Trikuspidalklappensegeln: 9608 „Cone-Operation zur operativen Korrektur der Ebstein-Anomalie mit Ablösen der kongenital verlagerten Segel, Plikatur des Ventrikels und des neuen Klappenrings, Bildung eines Konus aus den Segeln" (1.046,64 €)
  • bei Exzision der Trikuspidalklappe ohne Ersatz: 9523 „Exzision der Trikuspidalklappe ohne Ersatz" (168,36 €)

Die Preisspanne reicht von 168,36 € bis 1.046,64 € — welche Ziffer gilt, hängt von Zugang, Umfang und Indikation ab.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3085

Die GOÄ-Ziffer 3085 wird für die operative Korrektur beziehungsweise Rekonstruktion einer einzelnen Herzklappe berechnet. Typische Indikationen sind beispielsweise die Mitralklappenraffung oder eine Segelplastik. Ein kompletter Klappenersatz ist hiermit jedoch nicht abgedeckt.
Nein, die GOÄ-Ziffer 3085 ist für dieselbe Herzklappe nicht neben der Ziffer 3086 für den Klappenersatz berechenbar. Handelt es sich um einen Zweiklappeneingriff, kommt stattdessen die Kombinationsziffer 3087 zum Tragen.
Der Regelhöchstsatz bei einem 2,3-fachen Steigerungssatz beträgt aktuell 420,95 Euro. Der einfache Gebührensatz liegt bei 183,02 Euro, während der Höchstsatz mit dem 3,5-fachen Faktor 640,57 Euro beträgt.
Ja, die Durchführung einer Herzklappenrekonstruktion über eine Mini-Thorakotomie erhöht die technische Schwierigkeit des Eingriffs erheblich. Dies rechtfertigt eine Erhöhung des Steigerungssatzes gemäß § 5 Absatz 2 GOÄ über den Schwellenwert von 2,3 hinaus.
Die GOÄ 3085 umfasst die gesamte operative Korrektur der Klappe inklusive der Rekonstruktion, Raffung oder dem Einsetzen eines Stützrings. Nicht enthalten sind gesondert berechenbare Leistungen wie die temporäre Herz-Lungen-Maschine nach Ziffer 3079.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich