Die Abrechnung der perinealen Mastdarmvorfall-OP nach GOÄ 3231 erfordert Präzision. Erfahren Sie alles zu Indikationen, Ausschlüssen und Steigerungsfaktoren.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3231
Operation des Mastdarmvorfalles bei Zugang vom After aus oder perineal
Die GOÄ-Ziffer 3231 beschreibt eine chirurgische Leistung aus dem Bereich der Abdominalchirurgie. Sie umfasst die operative Korrektur eines ausgeprägten Rektumprolapses, wobei der chirurgische Zugangsweg zwingend transanal (vom After aus) oder perineal (über den Damm) erfolgen muss. Diese Ziffer deckt alle typischen Teilschritte des Eingriffs ab, einschließlich der Präparation, der eventuellen Resektion von Schleimhautanteilen sowie der Rekonstruktion des Beckenbodens.
Im Gegensatz zu abdominalen Verfahren bietet dieser Zugangsweg eine schonende Alternative für bestimmte Patientengruppen. Die Leistung ist mit 1150 Punkten bewertet, was im einfachen Gebührensatz einem Honorar von 67,03 € entspricht. Die sachgerechte Anwendung setzt die genaue Einhaltung der anatomischen Zugangskriterien voraus.
GOÄ 3231 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert
In der modernen Proktologie und Chirurgie wird die perineale Prolapsoperation gezielt bei älteren oder multimorbiden Patienten eingesetzt. Da ein abdominaler Eingriff (GOÄ 3232) unter Vollnarkose ein signifikant höheres kardiovaskuläres Risiko birgt, stellt der perineale Zugang eine risikoarme Alternative dar. Typische Operationsverfahren, die unter dieser Ziffer abgerechnet werden, sind die perineale Rektumsigmoidektomie nach Altemeier oder die Schleimhautraffung nach Rehn-Delorme.
Obwohl die abdominale Rektopexie (GOÄ 3232) langfristig geringere Rezidivraten aufweist, bleibt die GOÄ 3231 ein unverzichtbarer Bestandteil des chirurgischen Portfolios. Die Indikationsstellung basiert primär auf dem individuellen Risikoprofil des Patienten und der Ausprägung des Mastdarmvorfalls. Eine sorgfältige präoperative Evaluation ist daher für die Begründung der Therapiewahl essenziell.
Tipp: Dokumentieren Sie bei älteren Patienten mit hohem Operationsrisiko explizit die Kontraindikationen gegen ein abdominales Vorgehen, um die Wahl des perinealen Zugangs nach GOÄ 3231 plausibel zu begründen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3231
Fallbeispiel 1: Altemeier-Operation bei einer geriatrischen Patientin
Eine 84-jährige Patientin stellt sich mit einem permanenten, nicht mehr manuell reponiblen Rektumprolaps vor. Aufgrund schwerer kardialer Vorerkrankungen ist eine Laparotomie kontraindiziert. Es erfolgt eine perineale Rektumsigmoidektomie nach Altemeier in Spinalanästhesie. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3231 zum Regelsatz (2,3-fach), da der Eingriff ohne unvorhergesehene Komplikationen verläuft.
Fallbeispiel 2: Rehn-Delorme-Verfahren bei partiellem Prolaps
Bei einem 72-jährigen Patienten mit einem ausgeprägten Schleimhautprolaps wird eine Schleimhautresektion mit anschließender Raffung der Rektumwandmuskulatur durchgeführt. Der Eingriff erfolgt transanal. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 3231. Da anatomische Engpässe die Sicht erschwerten, wird ein Steigerungsfaktor von 2,8 gewählt und entsprechend begründet.
Fallbeispiel 3: Rezidiv-Operation nach perinealem Zugang
Ein Patient stellt sich mit einem Rezidiv-Prolaps nach bereits erfolgter Voroperation vor. Es wird erneut ein perinealer Zugang gewählt, um Verwachsungen im Bauchraum zu vermeiden. Aufgrund der massiven narbigen Veränderungen im Operationsgebiet gestaltet sich die Präparation äußerst zeitaufwendig. Die GOÄ 3231 wird mit dem Höchstsatz von 3,5 abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3231: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Kombination mit anderen proktologischen Ziffern. Die GOÄ-Ziffer 3231 enthält einen strikten Abrechnungsausschluss für die Ziffern 3230 (Operation eines Mastdarmvorfalles durch Bauchaufschneidung) und 3232 (Operation eines Mastdarmvorfalles durch Bauchaufschneidung und Fixation des Mastdarms). Diese Ziffern schließen sich gegenseitig aus, da sie unterschiedliche operative Zugangswege beschreiben.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen häufig die zusätzliche Abrechnung von kleineren Schleimhautexzisionen oder Hämorrhoidenoperationen in derselben Sitzung, wenn diese als Teil des Prolaps-Eingriffs gewertet werden können. Alle Maßnahmen, die zur Mobilisation und Sanierung des Vorfalls dienen, sind mit der Ziffer 3231 abgegolten.
Achtung: Die zeitgleiche Abrechnung der GOÄ 3231 und der GOÄ 3232 ist absolut unzulässig. Ein Wechsel des operativen Vorgehens während eines Eingriffs muss im Operationsbericht detailliert begründet werden, wobei nur das tatsächlich vollendete Verfahren berechnet werden darf.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 3231: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise OP-Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Prüfstellen. Im Operationsbericht müssen der chirurgische Zugangsweg (transanal oder perineal) sowie die angewandte Methode (z. B. Altemeier oder Rehn-Delorme) unmissverständlich beschrieben werden. Auch die Länge des resezierten Darmabschnitts und die Art der Muskelraffung sollten exakt dokumentiert werden.
Zusätzlich sollten präoperative Befunde wie Fotodokumentationen des Prolapses oder Befunde der Rektoskopie in der Patientenakte hinterlegt sein. Dies erleichtert den Nachweis der medizinischen Notwendigkeit bei eventuellen Rückfragen der Kostenträger erheblich.
Dokumentationsbeispiel: Transanaler Zugang bei Steinschnittlage. Zirkuläre Inzision der Rektumschleimhaut 2 cm oberhalb der Linea dentata. Präparation und Resektion eines 8 cm langen Prolapssegments. Plicatio der Rektumwandmuskulatur mit resorbierbarem Nahtmaterial. Spannungsfreie Anastomosierung. Blutstillung unauffällig.
GOÄ 3231: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Gebührensatzes über den Regelsatz von 2,3 hinaus bis zum Höchstsatz von 3,5 erfordert eine einzelfallbezogene, medizinische Begründung. Typische Gründe für eine Steigerung bei der GOÄ 3231 sind ausgeprägte anatomische Varianten, massive narbige Verwachsungen nach Voroperationen oder ein überdurchschnittlich großer Prolaps. Auch eine erhöhte Blutungsneigung oder schwere Begleiterkrankungen des Patienten, die ein besonders vorsichtiges Vorgehen erfordern, rechtfertigen einen höheren Faktor.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der operativen Hauptleistung nach GOÄ 3231 können begleitende Leistungen wie die Anästhesie (z. B. nach den entsprechenden Ziffern des Abschnitts D) oder postoperative Überwachungsleistungen berechnet werden. Auch präoperative diagnostische Maßnahmen wie die Proktoskopie (GOÄ 706) oder Rektoskopie (GOÄ 690) sind an den Tagen vor dem Eingriff eigenständig berechenbar. Eine Kombination mit stationären Überwachungsziffern ist je nach Setting ebenfalls möglich.
Ziffer 3231 in der neuen GOÄ
Je nach klinischer Konstellation ordnet die neue GOÄ die alte Ziffer 3231 (Operation des Mastdarmvorfalles bei Zugang vom After aus oder perineal) verschiedenen Nachfolgepositionen zu (bisher 2,3-facher Satz: 154,17 €):
- 10919 „Operation des Mastdarmvorfalles, z.B. durch Raffung der Rektumwand, durch perinealen …" (539,80 €) — bei perinealer Zugang ohne zirkuläre Mukosektomie und ohne zirkuläre Rektumsegmentresektion (nicht Delorme, nicht Altemeier)
- 10923 „Peranale zirkuläre Rektumsegmentresektion (z.B. nach Mikulicz-Altemeier)" (649,86 €) — bei Mikulicz-Altemeier
- 10922 „Peranale zirkuläre Mukosektomie und Muskularisraffung (z.B. nach Rehn-Delorme)" (567,19 €) — bei Rehn-Delorme (peranale zirkuläre Mukosektomie und Muskularisraffung)
- 10920 „Peranale semizirkuläre Mukosektomie und Muskularisraffung (z.B. nach Sarles), ggf. …" (532,36 €) — bei peranale semizirkuläre Mukosektomie mit Muskularisraffung, z.B. nach Sarles
- 10924 „Peranale zirkuläre Rektumwandresektion (z.B. nach STARR-TRANSTARR)" (484,51 €) — bei peranale zirkuläre Rektumwandresektion nach STARR oder TRANSTARR
- 10925 „Rekonstruktion des Beckenbodens durch ein- oder beidseitige Levatorplastik, perineal oder …" (626,17 €) — bei Rekonstruktion des Beckenbodens durch ein- oder beidseitige Levatorplastik, perineal oder transabdominell
- 10927 „Rekonstruktion des Beckenbodens durch post anal repair, einschließlich Lösen von …" (416,98 €) — bei post anal repair zur Rekonstruktion des Beckenbodens
- 10928 „Rekonstruktion des Beckenbodens durch pre anal repair, einschließlich Lösen von …" (416,98 €) — bei pre anal repair zur Rekonstruktion des Beckenbodens
Die Spanne reicht von 416,98 € bis 649,86 € — der genaue Ansatz ergibt sich aus dem Operationsbericht.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3231
Was hat nicht gestimmt?