Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3232 für die operative Sanierung eines Mastdarmvorfalles wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Fallstricken und Tipps.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3232
Operation des Mastdarmvorfalles mit Eröffnung der Bauchhöhle
Die GOÄ-Ziffer 3232 beschreibt eine hochspezialisierte chirurgische Leistung aus dem Bereich der Abdominalchirurgie. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn ein ausgeprägter Mastdarmvorfall (Rektumprolaps) über einen abdominalen Zugang therapiert werden muss. Die Leistung umfasst die vollständige Mobilisation des Rektums sowie dessen anschließende Fixierung.
Obwohl der historische Wortlaut primär auf die klassische Eröffnung der Bauchhöhle (Laparotomie) abzielt, ist diese Ziffer heute standardmäßig auch für die laparoskopische Rektopexie anzuwenden. Die minimal-invasive Chirurgie hat die offene Operation in vielen Kliniken weitgehend abgelöst. Die Abrechnungsbestimmungen der GOÄ tragen dieser Entwicklung Rechnung, indem sie den laparoskopischen Zugangsweg unter derselben Ziffer subsumieren.
GOÄ 3232 in der Praxis: Indikationen und OP-Verfahren
Die Indikation zur Durchführung einer Operation nach GOÄ 3232 ist in der Regel ein manifestierter Rektumprolaps dritten Grades, bei dem sich alle Wandschichten des Mastdarms vor den After stülpen. Auch ein symptomatischer innerer Prolaps (Intussuszeption), der zu schweren Entleerungsstörungen führt, kann eine chirurgische Intervention rechtfertigen. Die Wahl des operativen Zugangs hängt stark vom Allgemeinzustand des Patienten ab.
In der modernen Chirurgie kommen verschiedene standardisierte Verfahren zum Einsatz. Hierzu zählen die transabdominelle Rektopexie nach Thompson, Sudeck oder Ripstein. Diese Verfahren zielen darauf ab, das Rektum durch Naht oder unter Verwendung von synthetischen Netzen stabil am Kreuzbein (Promontorium) zu verankern. Die präzise Dokumentation des gewählten Verfahrens ist für eine rechtssichere Abrechnung unerlässlich.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3232
Fallbeispiel 1: Laparoskopische Rektopexie mit Netzimplantation
Eine 68-jährige Patientin stellt sich mit einem rezidivierenden, kompletten Rektumprolaps vor. Es erfolgt eine laparoskopische Rektopexie unter Verwendung eines biologischen Netzes zur posterioren Fixation. Die Operation verläuft komplikationslos. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3232 zum Regelsatz (2,3-fach), da keine außergewöhnlichen Erschwernisse vorlagen. Das verwendete Netzmaterial wird zusätzlich als Sachkosten gemäß § 10 GOÄ liquidiert.
Fallbeispiel 2: Offene transabdominelle Rektopexie nach Sudeck
Bei einem 75-jährigen Patienten mit ausgeprägten abdominellen Voroperationen ist ein laparoskopischer Zugang nicht sicher möglich. Der Operateur entscheidet sich für eine offene Laparotomie und führt eine Rektopexie nach Sudeck durch. Aufgrund der massiven Verwachsungen im Unterbauch verlängert sich die Operationszeit erheblich. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3232 und einem erhöhten Steigerungsfaktor von 3,5, welcher detailliert begründet wird.
Fallbeispiel 3: Laparoskopische Resektionsrektopexie
Eine Patientin leidet neben dem Mastdarmvorfall unter einer ausgeprägten chronischen Obstipation (Slow-Transit-Obstipation). Indiziert ist eine laparoskopische Resektionsrektopexie, bei der zusätzlich ein Teil des Sigma resiziert wird. Neben der GOÄ-Ziffer 3232 für die Rektopexie werden die entsprechenden Ziffern für die Darmresektion (z. B. GOÄ 3210) abgerechnet. Hierbei ist genau auf die Kombinationsfähigkeit und eventuelle Ausschlüsse zu achten.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3232: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die fehlerhafte Kombination mit perinealen Operationsverfahren. Die GOÄ-Ziffern 3230 (Operation vom After aus) und 3231 (Einengung des Afters) sind neben der GOÄ 3232 explizit ausgeschlossen. Diese Verfahren schließen sich gegenseitig aus, da sie unterschiedliche chirurgische Zugangswege beschreiben.
Zudem versuchen Praxen gelegentlich, die laparoskopische Durchführung über zusätzliche Ziffern für die diagnostische Laparoskopie aufzuwerten. Dies führt regelmäßig zu Kürzungen durch private Krankenversicherungen, da der laparoskopische Zugangsweg als inhärenter Bestandteil der operativen Leistung gilt. Nur eigenständige, nicht im Leistungskomplex enthaltene Maßnahmen dürfen separat berechnet werden.
Achtung: Achten Sie penibel darauf, dass bei einer transabdominellen Sanierung keine perinealen Ziffern wie die GOÄ 3230 auf derselben Rechnung erscheinen. Dies führt unweigerlich zur Beanstandung und Streichung durch die Prüfstellen.
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Dokumentation der GOÄ 3232: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und detaillierte OP-Dokumentation ist das wichtigste Fundament, um Honorarkürzungen erfolgreich abzuwehren. Der Operationsbericht muss den gewählten Zugangsweg, die Darstellung des Operationsgebietes und die Mobilisation des Rektums präzise beschreiben. Auch die Art der Fixierung (z. B. Naht oder Netz) und die anatomischen Strukturen müssen exakt benannt werden.
Besonders wichtig ist die Dokumentation von Besonderheiten, die eine Erhöhung des Steigerungsfaktors rechtfertigen. Wenn Verwachsungen gelöst werden mussten oder anatomische Varianten vorlagen, müssen diese im Bericht detailliert geschildert werden. Eine bloße Floskel wie erhöhter Aufwand reicht für die Rechtfertigung gegenüber privaten Kassen meist nicht aus.
Dokumentation: Nach medianer Unterbauchlaparotomie zeigt sich ein ausgeprägter Rektumprolaps. Vollständige Mobilisation des Rektums bis zum Beckenboden unter Schonung der hypogastrischen Nerven. Anschließend Durchführung einer Rektopexie durch Fixation des Rektums am Promontorium mittels nicht-resorbierbarer Nähte.
GOÄ 3232: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 3232 kann bei Vorliegen besonderer Umstände über den Regelhöchstsatz von 2,3 hinaus bis zum 3,5-fachen Satz gesteigert werden. Typische medizinische Begründungen sind ein extrem adipöser Patient, ausgeprägte Adhäsionen im kleinen Becken nach Voroperationen oder eine chronische Entzündung des Gewebes. Auch eine ungewöhnlich lange Operationsdauer aufgrund anatomischer Besonderheiten rechtfertigt die Steigerung.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der operativen Leistung nach GOÄ 3232 können weitere selbstständige Leistungen abgerechnet werden. Hierzu gehören die Anästhesieleistungen (z. B. GOÄ 430 oder 432) sowie postoperative Überwachungsleistungen. Falls im Rahmen desselben Eingriffs eine Adhäsiolyse durchgeführt wird, die über das übliche Maß der Mobilisation hinausgeht, kann hierfür unter Umständen eine separate Ziffer (z. B. GOÄ 3205) herangezogen werden.
Tipp: Dokumentieren Sie bei der Verwendung von Netzen oder speziellen Fixationssystemen (Tacks) die genauen Materialbezeichnungen. Diese können als Sachkosten direkt an den Patienten weitergegeben werden und sichern so Ihr Budget.
Ziffer 3232 in der neuen GOÄ
Operation des Mastdarmvorfalles mit Eröffnung der Bauchhöhle (Ziffer 3232) wird in der neuen GOÄ als Nummer 10714 weitergeführt — „Operation des Mastdarmvorfalles über die Bauchhöhle, ggf. einschließlich -Sphinkter-Dehnung …". Der Festsatz beträgt 678,69 € (bisher 2,3-facher Satz: 297,62 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3232
Was hat nicht gestimmt?