GOÄ 3210: Anus praeter duplex – Abrechnung & Tipps

4 Min. Lesezeit
GOÄ 3210
Anlegen eines Anus praeter duplex transversalis
Punktzahl 2000  
Einfachsatz 116,57 € 1,0x
Regelhöchstsatz 268,11 € 2,3x
Höchstsatz 408,00 € 3,5x
Ausschlüsse

Leitfaden zur korrekten Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3210 für das Anlegen eines doppelläufigen Transversostomas mit Praxisbeispielen und Tipps zur Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3210

Die Gebührenordnung für Ärzte beschreibt die Leistung unter der Ziffer 3210 wie folgt:

Anlegen eines Anus praeter duplex transversalis

Diese chirurgische Leistung umfasst das operative Erstellen eines doppelläufigen Stomas im Bereich des Colon transversum. Der Eingriff dient der vollständigen oder teilweisen Ableitung des Stuhlgangs vor einer distal gelegenen Passagebehinderung oder zum Schutz einer distal angelegten Anastomose. Im Gegensatz zum einfachen Stoma werden hierbei zwei Darmöffnungen an der Bauchwand fixiert.

GOÄ 3210 in der Praxis: Indikationen und chirurgischer Kontext

Die Indikation zur Anlage eines doppelläufigen Transversostomas ist in der klinischen Praxis meist akut oder protektiv begründet. Typische Szenarien umfassen den Schutz einer tiefen Rektumanastomose nach einer Tumorresektion oder die Entlastung bei einem mechanischen Ileus. Auch entzündliche Prozesse wie eine schwere Divertikulitis können diesen Schritt erfordern.

Chirurgisch unterscheidet sich das Verfahren deutlich von der einfacheren Variante. Während bei der GOÄ 3207 ein endständiges Stoma angelegt wird, erfordert die GOÄ 3210 das Vorlagern einer Darmschlinge und deren Eröffnung über einen Reiter. Dies stellt sicher, dass der Stuhlfluss vollständig abgeleitet wird, während der abführende Schenkel ruhiggestellt bleibt.

Tipp: Die Wahl zwischen einem doppelläufigen (duplex) und endständigen (simplex) Stoma muss sich zwingend aus der Operationsindikation und dem OP-Bericht ergeben, um Beanstandungen zu vermeiden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3210

Fallbeispiel 1: Protektives Transversostoma bei Rektumresektion

Ein Patient stellt sich mit einem tiefsitzenden Rektumkarzinom vor. Nach der erfolgreichen anterioren Rektumresektion entscheidet sich das chirurgische Team für ein protektives Stoma. Es erfolgt die Anlage eines doppelläufigen Transversostomas zur Entlastung der frischen Anastomose. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 3210 als selbstständige, protektive Maßnahme neben der Hauptoperation.

Fallbeispiel 2: Palliative Stuhlableitung bei inoperablem Tumor

Bei einer Patientin liegt ein fortgeschrittenes, stenosierendes Sigmakarzinom vor, das nicht reseziert werden kann. Zur Vermeidung eines drohenden Darmverschlusses wird ein entlastender Anus praeter duplex transversalis angelegt. Da keine Resektion stattfindet, bildet die GOÄ 3210 die primäre chirurgische Leistung dieses Eingriffs ab.

Fallbeispiel 3: Versorgung bei perforierter Divertikulitis

Im Rahmen einer Notfalloperation bei gedeckt perforierter Divertikulitis wird der entzündete Bereich saniert. Zur Schonung des betroffenen Darmabschnitts wird ein doppelläufiges Transversostoma angelegt. Die Dokumentation weist die akute Notfallsituation und die chirurgische Notwendigkeit der doppelläufigen Ausführung detailliert nach.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3210: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3210 ist das Ignorieren der expliziten Ausschlussziffern. Die Ziffer darf nicht neben den Leistungen nach den Ziffern 3170, 3183 sowie der Ziffer 3207 berechnet werden. Private Krankenversicherungen prüfen diese Kombinationen im Rahmen der Rechnungsprüfung vollautomatisch.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Abgrenzung zur GOÄ 3207. Wird fälschlicherweise ein einfaches Stoma als doppelläufiges Stoma abgerechnet, führt dies bei einer Überprüfung des Operationsberichts unweigerlich zur Honorarkürzung. Die exakte chirurgische Technik muss daher zweifelsfrei aus dem OP-Protokoll hervorgehen.

Achtung: Die Nebeneinanderberechnung der GOÄ 3210 mit der GOÄ 3207 (Anus praeter simplex) ist absolut ausgeschlossen, da es sich um gegensätzliche Stomaformen handelt.

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Dokumentation der GOÄ 3210: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Kostenträger. Im Operationsbericht müssen alle Schritte der Stomaanlage präzise beschrieben werden. Dazu gehören die Mobilisation des Colon transversum, die Art der Faszienfixation und die Platzierung des Stomareiters. Auch die postoperative Durchblutung des Stomas sollte kurz erwähnt werden.

Dokumentation: Nach medianer Laparotomie und Adhäsiolyse zeigt sich das Colon transversum gut mobilisierbar. Ausleitung einer Schlinge über eine separate Inzision im linken Oberbauch. Fixation der Faszienplatte, Eröffnung des Darms und Einlegen eines Stomareiters zur Sicherung des Sporns. Anlage eines vitalen Anus praeter duplex transversalis.

Diese detaillierte Beschreibung belegt die Erfüllung aller Leistungskriterien der GOÄ 3210. Sie dient als rechtssichere Grundlage bei eventuellen Rückfragen der privaten Krankenversicherungen oder des Medizinischen Dienstes.

GOÄ 3210: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus erfordert eine einzelfallbezogene Begründung. Typische Gründe für eine Steigerung sind ausgeprägte intraabdominelle Verwachsungen durch Voroperationen, die eine zeitaufwendige Adhäsiolyse erfordern. Auch eine extreme Adipositas permagna des Patienten erschwert den Eingriff erheblich und rechtfertigt einen höheren Steigerungsfaktor.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 3210 können begleitende Leistungen wie die Anästhesie oder postoperative Überwachungsleistungen berechnet werden. Wichtig ist, dass eigenständige Voroperationen wie eine Adhäsiolyse nach GOÄ 3135 nur dann separat berechnet werden, wenn sie das übliche Maß der Stomaanlage deutlich überschreiten. Die Kombination mit nicht ausgeschlossenen Resektionsverfahren ist bei medizinischer Notwendigkeit zulässig.

Ziffer 3210 in der neuen GOÄ

Anlegen eines Anus praeter duplex transversalis (Ziffer 3210) wird in der neuen GOÄ als Nummer 10700 weitergeführt — „Anlage eines endständigen oder doppelläufigen Enterostomas, als selbständige Leistung, ggf. …". Der Festsatz beträgt 389,82 € (bisher 2,3-facher Satz: 268,11 €).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3210

Ja, die Abrechnung der GOÄ 3210 neben einer Kolonresektion ist grundsätzlich möglich, sofern kein expliziter Ausschluss vorliegt. Die Ziffern 3170 und 3183 sind jedoch vertraglich ausgeschlossen. Bei anderen Resektionen sollte die medizinische Notwendigkeit der Stomaanlage separat dokumentiert werden.
Die GOÄ 3210 beschreibt das Anlegen eines doppelläufigen Transversostomas, während die GOÄ 3207 für ein einfaches, meist endständiges Stoma herangezogen wird. Beide Ziffern schließen sich gegenseitig bei der Abrechnung am selben Operationstag aus. Die Wahl richtet sich streng nach der chirurgischen Ausführung.
Ein Überschreiten des Regelsatzes kann durch einen erhöhten operativen Aufwand begründet werden, wie er beispielsweise bei ausgeprägten intraabdominellen Verwachsungen vorkommt. Auch extreme Adipositas des Patienten oder eine stark erschwerte Mobilisation des Colon transversum sind anerkannte Steigerungsgründe. Diese Besonderheiten müssen im OP-Bericht detailliert dokumentiert sein.
Der operative Zugangsweg über eine Laparotomie ist in der Regel nicht separat berechenbar, wenn er primär dem Anlegen des Stomas dient. Wird das Stoma jedoch im Rahmen eines größeren, eigenständigen Eingriffs angelegt, ist der Zugang über die Hauptprozedur abgegolten. Eine gesonderte Abrechnung des Zugangs neben der GOÄ 3210 ist daher meist nicht zulässig.
Ja, die GOÄ 3210 ist sowohl für temporäre als auch für permanente doppelläufige Transversostomata anwendbar. Die geplante Dauerhaftigkeit des Stomas hat keinen Einfluss auf die Wahl dieser Gebührenziffer. Entscheidend ist ausschließlich die chirurgische Technik des doppelläufigen Anlegens.
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