Die Abrechnung der Proktokolektomie nach GOÄ 3183 bietet Fallstricke. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen, Pouch-Anlagen und der korrekten Faktorsteigerung.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3183
Kombinierte Entfernung des gesamten Dick- und Mastdarmes mit Ileostoma
Die GOÄ-Ziffer 3183 beschreibt eine der umfangreichsten Operationen im Bereich der Abdominalchirurgie, die sogenannte Proktokolektomie. Diese Leistung umfasst die vollständige operative Entfernung des gesamten Kolons sowie des Rektums. Zudem ist die Anlage eines künstlichen Dünndarmausgangs, des sogenannten Ileostomas, integraler Bestandteil dieser Ziffer.
Die Leistungslegende geht davon aus, dass der Eingriff kombiniert erfolgt, also die Resektion beider Darmabschnitte in einer operativen Sitzung durchgeführt wird. Da es sich um einen hochkomplexen Eingriff handelt, sind vorbereitende und unmittelbar dazugehörige Standardschritte bereits mit der Punktzahl abgegolten.
GOÄ 3183 in der Praxis: Indikationen und moderne OP-Verfahren
In der klinischen Praxis wird die Proktokolektomie vor allem bei schweren, medikamentös nicht mehr beherrschbaren Verläufen der Colitis ulcerosa oder bei der familiären adenomatösen Polyposis (FAP) notwendig. Auch synchrone kolorektale Karzinome, die weite Teile des Dick- und Mastdarms betreffen, können diese radikale Operation erfordern.
Obwohl die historische Leistungslegende von der Anlage eines dauerhaften Ileostomas ausgeht, hat sich die moderne Chirurgie weiterentwickelt. Heutzutage wird nach Möglichkeit eine kontinenzerhaltende ileoanale Anastomose angestrebt. Hierbei wird die Reservoirfunktion des Mastdarms durch die Konstruktion eines Dünndarm-Pouches (Ileum-Pouch) rekonstruiert.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3183
Fallbeispiel 1: Klassische Proktokolektomie bei Colitis ulcerosa
Ein Patient leidet unter einer schweren, medikamentös nicht mehr kontrollierbaren Colitis ulcerosa. Es erfolgt die vollständige Entfernung des Dick- und Mastdarms sowie die Anlage eines endständigen Ileostomas. Da der Eingriff dem klassischen Leistungsinhalt entspricht, erfolgt die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3183 zum Regelsatz.
Fallbeispiel 2: Kontinenzerhaltende Proktokolektomie mit Pouch-Anlage
Bei einer Patientin mit familiärer adenomatöser Polyposis wird eine Proktokolektomie durchgeführt. Zur Erhaltung der Kontinenz konstruiert das chirurgische Team einen Ileum-Pouch und verbindet diesen mit dem Analkanal. Abgerechnet wird die GOÄ 3183 für die Resektion sowie zusätzlich die Ziffer 1807 analog für die aufwendige Pouch-Konstruktion.
Fallbeispiel 3: Erschwerte Operation bei ausgeprägtem Adhäsionsbauch
Ein Patient benötigt aufgrund einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung eine Proktokolektomie. Aufgrund mehrerer Voroperationen liegen extrem dichte, vaskularisierte Adhäsionen im gesamten Bauchraum vor, die eine zeitaufwendige Präparation erfordern. Die GOÄ 3183 wird hier mit dem Steigerungsfaktor 3,5 abgerechnet, da der zeitliche und technische Aufwand den Regelfall weit übersteigt.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3183: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3183 ist die zusätzliche Liquidation der Stomaanlage. Da die Anus-praeter-Anlage explizit in der Leistungslegende genannt ist, darf eine separate Ziffer für die Enterostomie (z. B. GOÄ 3141) nicht zusätzlich in Rechnung gestellt werden.
Zudem müssen die strikten Abrechnungsausschlüsse beachtet werden. Die Ziffer 3183 darf nicht neben den Ziffern 3169 (Subtotale Kolektomie), 3170 (Kolektomie) oder 3207 (Rektumexstirpation) abgerechnet werden, da diese Teilschritte bereits in der Gesamtresektion enthalten sind.
Achtung: Die zusätzliche Abrechnung einer Enterostomie-Anlage neben der GOÄ 3183 führt regelmäßig zu Kürzungen durch private Krankenversicherungen, da diese Leistung bereits abgegolten ist.
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Dokumentation der GOÄ 3183: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation des Operationsverlaufs ist essenziell, um Honorarkürzungen zu vermeiden. Im OP-Bericht muss die vollständige Mobilisation des Kolons sowie die präzise Präparation des Rektums bis zum Beckenboden detailliert beschrieben werden.
Besonders wichtig ist die Dokumentation aller Faktoren, die den Eingriff erschwert haben. Nur durch eine detaillierte Beschreibung von Verwachsungen, Blutungen oder anatomischen Besonderheiten lässt sich eine Faktorsteigerung gegenüber den Kostenträgern rechtssicher begründen.
Dokumentation: ...Vollständige Mobilisation des Colon ascendens, transversum und descendens. Präparation des Rektums im mesorektalen Raum bis zum Beckenboden unter Schonung der autonomen Nerven. Anlage eines endständigen Ileostomas im rechten Unterbauch...
GOÄ 3183: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Steigerungsfaktors über den Schwellenwert von 2,3 hinaus bis zum Höchstsatz von 3,5 erfordert eine patientenbezogene Begründung. Typische Begründungen sind eine extreme Adipositas permagna, ausgeprägte chronisch-entzündliche Gewebeveränderungen oder ein massiv erhöhtes Blutungsrisiko während der Präparation.
Typische Ziffernkombinationen
Da die moderne Chirurgie oft kontinenzerhaltend arbeitet, ist die Kombination mit der Ziffer 1807 analog für die Pouch-Bildung der häufigste Kombinationsfall. Zudem können selbstverständlich Leistungen der Anästhesie, postoperative Überwachungen sowie histologische Untersuchungen des Resektats regelkonform kombiniert werden, sofern sie die Kriterien der GOÄ erfüllen.
Tipp: Nutzen Sie bei der analogen Abrechnung der Pouch-Bildung nach Nr. 1807 eine klare Kennzeichnung auf der Rechnung, um Rückfragen der Beihilfestellen im Vorfeld zu minimieren.
Ziffer 3183 in der neuen GOÄ
Je nach klinischer Konstellation ordnet die neue GOÄ die alte Ziffer 3183 (Kombinierte Entfernung des gesamten Dick- und Mastdarmes mit Ileostoma) verschiedenen Nachfolgepositionen zu (bisher 2,3-facher Satz: 871,40 €):
- 10688 „Totale Kolektomie mit kompletter Entfernung des Mastdarmes, ggf. einschließlich …" (1.602,86 €) — bei abdominelle totale Kolektomie mit kompletter Entfernung des Mastdarmes ohne separat perinealen Zugang
- 10690 „Kombinierte Entfernung des gesamten Dick- und mehr als zwei Dritteln des Mastdarmes über …" (1.602,86 €) — bei kombinierte Entfernung über abdominellen und perinealen Zugang
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3183
Was hat nicht gestimmt?