Die manuelle Reposition eines Rektumprolapses nach GOÄ 3230 erfordert Fingerspitzengefühl. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen und Steigerungsfaktoren.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3230
Im offiziellen Leistungsverzeichnis der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) wird die Ziffer 3230 wie folgt beschrieben:
Manuelles Zurückbringen des Mastdarmvorfalles
Diese Leistung ist dem Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) und dort dem Unterabschnitt XIV (Ösophaguschirurgie / Abdominalchirurgie) zugeordnet. Sie beschreibt die konservative Akuttherapie bei einem prolabierten Mastdarm. Die Maßnahme umfasst das vorsichtige, manuelle Zurückführen des vorgetretenen Gewebes durch den Analkanal in die anatomisch korrekte Position.
GOÄ 3230 in der Praxis: Korrekte Anwendung und Indikation
Ein Rektumprolaps tritt häufig infolge einer ausgeprägten Beckenbodenschwäche oder bei einer stark erweiterten Rektumampulle auf. In der akuten Situation ist schnelles Handeln erforderlich, um eine Einklemmung (Inkarzeration) und nachfolgende Durchblutungsstörungen des Gewebes zu verhindern. Die manuelle Reposition stellt hierbei die primäre konservative Maßnahme dar.
Neben dem echten Mastdarmvorfall ist die GOÄ 3230 auch für die Reposition von prolabierten Hämorrhoiden (Grad III und IV) anwendbar. Da diese Leistung im klinischen Alltag denselben manuellen Aufwand erfordert, ist die Abrechnung über diese Ziffer etabliert und fachlich gerechtfertigt. Die Ziffer bildet somit sowohl die Notfallbehandlung des Rektumprolapses als auch die Akutversorgung prolabierter Hämorrhoidalknoten ab.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3230
Fallbeispiel 1: Akuter Rektumprolaps bei einer geriatrischen Patientin
Eine 82-jährige Patientin stellt sich mit einem schmerzhaften, frisch aufgetretenen Mastdarmvorfall in der Praxis vor. Nach einer kurzen Untersuchung erfolgt die manuelle Reposition des prolabierten Gewebes unter Verwendung eines lokalanästhetischen Gleitmittels. Das Gewebe lässt sich ohne größere Komplikationen zurückführen.
In diesem Fall wird die GOÄ 3230 als Hauptleistung abgerechnet. Zusätzlich kann die symptombezogene Untersuchung nach GOÄ 5 sowie die Beratung nach GOÄ 1 in Ansatz gebracht werden.
Fallbeispiel 2: Prolabierte Hämorrhoiden Grad III
Ein Patient stellt sich mit schmerzhaften, prolabierten Hämorrhoiden vor, die sich nicht mehr von selbst zurückziehen. Der Arzt führt die manuelle Reposition der Hämorrhoidalpolster durch, um eine Thrombosierung zu verhindern.
Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 3230. Da die Reposition manuell durchgeführt wurde, ist die Ziffer hier vollumfänglich anwendbar.
Fallbeispiel 3: Erschwerte Reposition bei ausgeprägtem Ödem
Bei einem Patienten mit rezidivierendem Rektumprolaps zeigt sich ein stark ödematös geschwollenes Gewebe. Die Reposition gestaltet sich äußerst schwierig und zeitaufwendig, da das Ödem zunächst vorsichtig ausmassiert werden muss.
Hier rechnet der Arzt die GOÄ 3230 ab. Aufgrund des hohen zeitlichen und technischen Aufwands wird ein erhöhter Steigerungsfaktor (z. B. 3,5-fach) mit entsprechender Begründung gewählt.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3230: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3230 ist die gleichzeitige Ansetzung der GOÄ-Ziffer 11 (Digitaluntersuchung des Mastdarms). Da die digitale Austastung des Rektums integraler Bestandteil der manuellen Reposition und der anschließenden Erfolgskontrolle ist, greift hier ein strikter Abrechnungsausschluss. Private Krankenversicherungen streichen die Ziffer 11 in dieser Kombination regelmäßig.
Zudem darf die GOÄ 3230 nicht neben den operativen Repositionsziffern 3231 und 3232 abgerechnet werden. Wenn eine operative Fixierung oder Sanierung erfolgt, ist die rein manuelle Reposition als Vorbereitung oder Teilschritt mit der operativen Ziffer abgegolten.
Achtung: Achten Sie penibel darauf, die Ziffer 11 nicht am selben Tag neben der Ziffer 3230 abzurechnen. Nutzen Sie stattdessen für die diagnostische Abklärung die symptombezogene Untersuchung nach GOÄ 5, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.
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Dokumentation der GOÄ 3230: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Schild gegen Honorarkürzungen durch private Kassen oder Beihilfestellen. Im Krankenblatt müssen der klinische Befund vor der Reposition sowie der genaue Ablauf des Eingriffs detailliert festgehalten werden. Insbesondere die Beschreibung des prolabierten Gewebes (z. B. Farbe, Ödematisierung, Durchblutung) ist essenziell.
Auch das Ergebnis der Reposition und die anschließende Stabilität des Befundes sollten dokumentiert werden. Falls Komplikationen oder Erschwernisse auftreten, müssen diese im Detail beschrieben werden, um eine spätere Faktorsteigerung zu rechtfertigen.
Dokumentations-Beispiel: Akuter Rektumprolaps (ca. 5 cm), Schleimhaut gut durchblutet, mäßiges Ödem. Vorsichtige manuelle Reposition nach Applikation von Xylocain-Gel. Vollständige anatomische Retention erzielt. Befund nach Reposition stabil, keine Nachblutung.
Tipp: Notieren Sie immer die genaue Länge des Prolapses und den Zustand der Schleimhaut. Diese Angaben sind bei einer eventuellen Rückfrage der Versicherung Gold wert.
GOÄ 3230: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Regelsatz der GOÄ 3230 liegt beim 2,3-fachen Satz bei 16,08 Euro. Bei schwierigen anatomischen Verhältnissen, starker Abwehrspannung des Patienten oder einem ausgeprägten Schleimhautödem kann die Gebühr bis zum 3,5-fachen Satz (24,46 Euro) gesteigert werden. Als Begründung in der Rechnung eignet sich beispielsweise: "Erhöhter Zeitaufwand bei ausgeprägtem Schleimhautödem und starker Schmerzhaftigkeit".
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die manuelle Reposition im Rahmen eines Notfalls oder Akutbesuchs durchgeführt. Erlaubt ist die Kombination mit Beratungsleistungen (GOÄ 1 oder 3) und der symptombezogenen Untersuchung (GOÄ 5). Auch die Anwendung von Lokalanästhetika (z. B. GOÄ 490 für eine Infiltrationsanästhesie) oder das Anlegen eines stützenden Verbandes (GOÄ 200) können zusätzlich berechnet werden, sofern sie medizinisch indiziert waren.
Ziffer 3230 in der neuen GOÄ
Für die alte Ziffer 3230 (Manuelles Zurückbringen des Mastdarmvorfalles) sieht die neue GOÄ keine eigenständige Nachfolgeziffer vor. Der bisherige 2,3-fache Satz lag bei 16,08 €.
Die Leistung ist im neuen Katalog nicht mehr eigenständig abgebildet; ein Ersatzansatz ist nach aktuellem Entwurfsstand nicht vorgesehen.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3230
Was hat nicht gestimmt?