GOÄ 11: Digitaluntersuchung abrechnen – Tipps & Honorar

4 Min. Lesezeit
GOÄ 11
Digitaluntersuchung des Mastdarms und/oder der Prostata
Punktzahl 60  
Einfachsatz 3,50 € 1,0x
Regelhöchstsatz 8,05 € 2,3x
Höchstsatz 12,25 € 3,5x
Ausschlüsse

Die GOÄ-Ziffer 11 ist eine wichtige Grundleistung. Erfahren Sie alles über Abrechnungsausschlüsse, Steigerungsfaktoren und die optimale Kombination.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 11

Digitaluntersuchung des Mastdarms und/oder der Prostata

Die GOÄ-Ziffer 11 bewertet die digital-rektale Untersuchung (DRU), die ein unverzichtbares Instrument der urologischen, proktologischen und allgemeinmedizinischen Basisdiagnostik darstellt. Diese Leistung umfasst die manuelle Palpation des Mastdarms sowie der Prostata durch den Zeigefinger des Arztes.

Mit der Vierten Änderungsverordnung zur GOÄ wurde diese Ziffer bewusst aufgewertet und in den Abschnitt B I verschoben. Damit unterstreicht der Verordnungsgeber den hohen gesundheitlichen Wert dieser Untersuchung, insbesondere im Rahmen der Früherkennung von Rektum- und Prostatakarzinomen.

GOÄ 11 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert

Die Indikationen für eine Digitaluntersuchung nach GOÄ 11 sind vielfältig und betreffen verschiedene medizinische Fachgebiete. Typische klinische Szenarien umfassen den Verdacht auf Prostatahyperplasie, proktologische Beschwerden wie Hämorrhoiden oder Fissuren sowie die Abklärung von rektalen Blutungen.

Auch im Rahmen eines akuten Abdomens, beispielsweise zum Ausschluss einer Appendizitis, ist die Durchführung einer rektalen Untersuchung medizinisch indiziert. Die Ziffer kann sowohl bei kurativen Fragestellungen als auch bei präventiven Untersuchungen außerhalb der organisierten Krebsvorsorge herangezogen werden.

Tipp: Nutzen Sie die GOÄ 11 konsequent bei jedem begründeten Verdacht auf Erkrankungen des Enddarms oder der Prostata, da sie im Gegensatz zu anderen Untersuchungsleistungen kaum Budgetbeschränkungen unterliegt.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 11

Fallbeispiel 1: Verdacht auf Prostatakarzinom

Ein Patient stellt sich mit Miktionsbeschwerden in der Praxis vor. Der Arzt führt eine symptombezogene Untersuchung durch und palpiert anschließend die Prostata digital-rektal. Abgerechnet wird die Kombination aus GOÄ 5 (symptombezogene Untersuchung) und GOÄ 11 für die Digitaluntersuchung.

Fallbeispiel 2: Akutes Abdomen in der Allgemeinmedizin

Bei einem Patienten mit unklaren Unterbauchschmerzen wird zum Ausschluss einer Appendizitis eine digital-rektale Untersuchung durchgeführt. Neben der eingehenden Beratung (GOÄ 3) und der symptombezogenen Untersuchung (GOÄ 5) ist die GOÄ 11 vollumfänglich berechnungsfähig, da kein Ausschluss vorliegt.

Fallbeispiel 3: Abklärung von rektalem Blutabgang

Ein Patient klagt über hellrotes Blut auf dem Stuhl. Der Arzt führt eine Inspektion der Analregion und eine anschließende Digitaluntersuchung des Mastdarms durch. Hier kann neben der GOÄ 5 die Ziffer 11 für die Palpation des Rektums angesetzt werden, um tumoröse Veränderungen im analen Übergangsbereich auszuschließen.

Häufige Fehler bei der GOÄ 11: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist das Nebeneinanderberechnen der GOÄ 11 mit Leistungen, die diese Untersuchung bereits zwingend enthalten. Dies betrifft insbesondere die urologischen Vorsorgeuntersuchungen nach den Ziffern 27 und 28 sowie die Ziffern 23 und 24.

Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen zudem genau, ob die GOÄ 11 neben der GOÄ 6 (Untersuchung der ableitenden Harnwege) abgerechnet wurde. Da die GOÄ 6 die rektale Untersuchung bereits beinhaltet, ist eine Nebeneinanderberechnung ausgeschlossen.

Achtung: Umgehen Sie diesen Ausschluss legal, indem Sie bei der Untersuchung der Harnwege statt der GOÄ 6 (100 Punkte) die Kombination aus GOÄ 5 und GOÄ 11 (zusammen 140 Punkte) wählen, sofern die medizinischen Voraussetzungen dafür vorliegen.

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Dokumentation der GOÄ 11: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Prüfstellen. In der Patientenakte müssen die spezifischen Tastbefunde der Prostata (Größe, Konsistenz, Schmerzhaftigkeit) oder des Mastdarms (Sphinktertonus, Schleimhautverhältnisse) detailliert festgehalten werden.

Einfache Floskeln wie "rektal untersucht" reichen bei einer Nachprüfung oft nicht aus. Es empfiehlt sich, standardisierte Dokumentationsbausteine zu verwenden, die den medizinischen Befund exakt widerspiegeln.

Dokumentation: DRU durchgeführt. Sphinktertonus normal. Ampulle frei von Resistenzen. Prostata normal groß, prallelastisch, Sulkus erhalten, nicht druckschmerzhaft. Kein Blut am Handschuh.

GOÄ 11: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Der Schwellenwert der GOÄ 11 liegt beim 2,3-fachen Satz (8,05 €). Eine Überschreitung dieses Satzes bis zum 3,5-fachen Höchstsatz (12,25 €) ist bei erhöhtem Zeitaufwand oder schwierigen Untersuchungsbedingungen zulässig. Typische Begründungen sind ausgeprägte Adipositas, starke Schmerzen des Patienten, narbige Strikturen oder eine mangelnde Kooperationsfähigkeit.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 11 lässt sich hervorragend mit anderen diagnostischen Leistungen kombinieren. Häufig erfolgt die Abrechnung zusammen mit der GOÄ 1 (Beratung) oder der GOÄ 5 (symptombezogene Untersuchung). Auch die Kombination mit proktologischen Spezialleistungen wie der Anoskopie oder Proktoskopie ist unter Beachtung der jeweiligen Ausschlüsse möglich.

Ziffer 11 in der neuen GOÄ

Die Digitaluntersuchung des Mastdarms und/oder der Prostata wird zur neuen Nummer 20 „Digitaluntersuchung des Mastdarms und/oder der Prostata" — fester Satz 14,61 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 8,05 €). Leistungsinhalt und Bezeichnung bleiben identisch.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 11

Nein, die GOÄ 11 ist neben den Krebsfrüherkennungs-Richtlinien nach den Ziffern 27 und 28 nicht berechnungsfähig. In diesen übergeordneten Ziffern ist die digital-rektale Untersuchung bereits als fester Bestandteil integriert. Eine separate Abrechnung würde als unzulässige Doppelabrechnung gewertet.
Eine Erhöhung über den 2,3-fachen Satz ist bei erschwerten Bedingungen wie starker Adipositas, ausgeprägten Schmerzen oder anatomischen Engpässen zulässig. Auch eine mangelnde Kooperationsfähigkeit des Patienten kann als Begründung dienen. Die Erschwernis muss in der Rechnung nachvollziehbar begründet werden.
Ja, die Nebeneinanderberechnung der GOÄ 5 und der GOÄ 11 ist uneingeschränkt zulässig. Diese Kombination ist in der täglichen Praxis sehr häufig und stellt eine rechtssichere Abrechnungsmethode dar. Sie ist besonders vorteilhaft bei akuten Beschwerden.
Die Kombination aus GOÄ 5 und GOÄ 11 erbringt insgesamt 140 Punkte, während die GOÄ 6 nur mit 100 Punkten bewertet ist. Da die GOÄ 6 die rektale Untersuchung bereits enthält, ist sie neben der GOÄ 11 gesperrt. Der Wechsel auf die Kombination ist bei entsprechender Indikation wirtschaftlich sinnvoller.
Ja, der Leistungstext der GOÄ 11 definiert die Untersuchung des Mastdarms und/oder der Prostata. Somit ist die Ziffer auch dann voll berechnungsfähig, wenn im Rahmen der urologischen Diagnostik ausschließlich die Prostata palpatorisch untersucht wird. Eine Einschränkung des Honorars erfolgt dadurch nicht.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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