Die GOÄ-Ziffer 28 regelt die Krebsfrüherkennung beim Mann. Erfahren Sie alles über Abrechnungsausschlüsse, Steigerungssätze und die korrekte Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 28
Untersuchung eines Mannes zur Früherkennung von Krebserkrankungen des Rektums, der Prostata, des äußeren Genitales und der Haut – einschließlich Erhebung der Anamnese, Urinuntersuchung auf Eiweiß, Zucker und Erythrozyten sowie Untersuchung auf Blut im Stuhl, einschließlich Beratung –
Die GOÄ-Ziffer 28 beschreibt eine komplexe Vorsorgeleistung, die speziell auf die Früherkennung geschlechtsspezifischer und allgemeiner Krebserkrankungen beim Mann ausgerichtet ist. Der Leistungsinhalt umfasst neben der gezielten Anamneseerhebung auch die klinische Untersuchung mehrerer Organsysteme sowie grundlegende Laboruntersuchungen. Die obligatorische Beratung des Patienten ist ebenfalls bereits mit dieser Gebühr abgegolten.
Zu den klinischen Untersuchungsschritten gehören die Inspektion der Haut, die Palpation des äußeren Genitales sowie die digitale rektale Untersuchung zur Beurteilung von Prostata und Rektum. Die im Text erwähnte Urinuntersuchung und der Test auf okkultes Blut im Stuhl sind zwingende Bestandteile, deren Kosten bereits in der Ziffer enthalten sind. Eine gesonderte Berechnung dieser Laborparameter ist unzulässig.
GOÄ 28 in der Praxis: Altersgrenzen und Indikationsstellung
In der täglichen Praxis stellt sich häufig die Frage, ab welchem Alter die GOÄ 28 abgerechnet werden kann. Während in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) starre Altersgrenzen gelten, ist die Abrechnung in der privatärztlichen Liquidation flexibler gestaltet. Ausschlaggebend ist hierbei die medizinische Notwendigkeit oder der Wunsch des Patienten im Rahmen einer individuellen Vorsorgevereinbarung.
Nach den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) wird das Hautkrebsscreening ab 35 Jahren, die Genital- und Prostatauntersuchung ab 45 Jahren und die Rektumuntersuchung ab 50 Jahren empfohlen. Bei Privatpatienten kann die GOÄ 28 jedoch auch bei jüngeren Männern indiziert sein, beispielsweise bei einer familiären Vorbelastung für Prostatakarzinome. In solchen Fällen ist eine präzise Indikationsstellung in der Patientenakte festzuhalten.
Tipp: Bei Patienten, die das typische Vorsorgealter noch nicht erreicht haben, sollte die medizinische Notwendigkeit aufgrund von Risikofaktoren oder familiärer Disposition besonders sorgfältig dokumentiert werden, um Erstattungsprobleme zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 28
Fallbeispiel 1: Standard-Vorsorgeuntersuchung
Ein 52-jähriger beschwerdefreier Privatpatient stellt sich zur jährlichen Krebsvorsorge vor. Der Arzt erhebt die Anamnese, führt die körperliche Untersuchung (Haut, Genitale, Prostata, Rektum) durch, veranlasst den Urinstix und gibt dem Patienten einen Stuhltest mit. Die Beratung erfolgt im selben Termin. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 28 zum Regelsatz (2,3-fach) sowie die Sachkosten für den Stuhltest, sofern dieser nicht als Praxisbedarf bezogen wurde.
Fallbeispiel 2: Vorsorge bei familiärer Vorbelastung
Ein 40-jähriger Patient bittet um eine Krebsvorsorge, da sein Vater früh an einem Prostatakarzinom erkrankte. Aufgrund dieser erhöhten Risikodisposition führt der Arzt die komplette Untersuchung gemäß GOÄ 28 durch. Die Abrechnung erfolgt analog zum ersten Beispiel, wobei in der Rechnung die Diagnose "Familiäre Belastung durch bösartige Neubildung der Prostata" als Begründung angegeben wird.
Fallbeispiel 3: Vorsorge mit ergänzender Sonographie
Ein 60-jähriger Patient stellt sich zur Vorsorge vor. Neben den Standardleistungen der GOÄ 28 führt der Urologe eine transrektale Ultraschalluntersuchung der Prostata durch. Berechnet werden die GOÄ 28 für die klinische Vorsorge und zusätzlich die GOÄ-Ziffer 410 für die Sonographie. Die Ziffer 410 ist neben der 28 voll berechnungsfähig, da sie nicht zu den expliziten Ausschlussziffern gehört.
Häufige Fehler bei der GOÄ 28: Was Prüfer beanstanden
Ein sehr häufiger Fehler in der Praxis ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von Beratungs- und Untersuchungsgebühren. Da die GOÄ 28 eine vollständige Leistungseinheit darstellt, sind die Ziffern 1 (Beratung), 3 (eingehende Beratung) sowie die Untersuchungsziffern 5, 6, 7 und 8 am selben Tag ausgeschlossen. Auch die symptombezogene Untersuchung nach GOÄ 5 darf nicht zusätzlich für dieselben Organsysteme berechnet werden.
Ebenfalls häufig beanstandet wird die zusätzliche Abrechnung von Laborleistungen wie der GOÄ 3511 (Harnstreifentest). Da die Urinuntersuchung explizit im Leistungstext der GOÄ 28 genannt ist, ist diese mit der Gebühr abgegolten. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen Rechnungen konsequent, wenn diese Ausschlusskombinationen dennoch aufgeführt werden.
Achtung: Die GOÄ-Ziffer 28 darf nicht neben der GOÄ-Ziffer 29 (Vorsorgeuntersuchung bei der Frau) oder anderen allgemeinen Vorsorgeziffern für denselben Behandlungsfall abgerechnet werden, es sei denn, es liegen zeitlich getrennte Sitzungen mit unterschiedlichen Indikationen vor.
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Dokumentation der GOÄ 28: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Für jedes in der Leistungsbeschreibung genannte Organ beziehungsweise Organsystem muss ein konkreter Befund in der Karteikarte dokumentiert sein. Pauschale Einträge wie "Vorsorge o.B." reichen bei einer Überprüfung oft nicht aus und können zum Verlust des Honoraranspruchs führen.
Insbesondere müssen die Ergebnisse der rektalen Palpation, der Inspektion des äußeren Genitales und der gesamten Hautoberfläche einzeln aufgeführt werden. Auch die Testergebnisse des Urinstix (Eiweiß, Zucker, Erythrozyten) sowie die Ausgabe und Auswertung des Stuhltests auf okkultes Blut müssen mit Datum und Ergebnis dokumentiert sein.
Dokumentationsbeispiel: Anamnese bezüglich Miktion und Stuhlgang unauffällig. Hautinspektion: Keine suspekten Pigmentmale. Äußeres Genitale: Hoden beidseits altersentsprechend, keine Resistenzen. DRE: Prostata prallelastisch, nicht druckschmerzhaft, Sulcus erhalten. Rektumampulle frei. Urinstix: Eiweiß (-), Glucose (-), Erythrozyten (-). Stuhltest ausgegeben.
GOÄ 28: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ 28 kann bei erhöhtem Aufwand über den Regelsatz von 2,3 hinaus bis zum Höchstsatz von 3,5 gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung sind schwierige Untersuchungsbedingungen, beispielsweise bei ausgeprägter Adipositas des Patienten oder starker Kontraktur der Hüftgelenke, die eine rektale Untersuchung erschweren. Auch ein extrem hoher Beratungsbedarf bei tastbaren Veränderungen oder hochgradig ängstlichen Patienten rechtfertigt eine Steigerung.
Typische Ziffernkombinationen
Ergänzend zur klinischen Vorsorge nach GOÄ 28 können weitere diagnostische Leistungen berechnet werden, sofern sie medizinisch notwendig sind. Häufig kombiniert wird die Vorsorge mit einer Blutentnahme nach GOÄ-Ziffer 250 zur Bestimmung des PSA-Wertes (GOÄ 3908) oder anderer Laborparameter. Auch sonographische Leistungen der urologischen Diagnostik (z.B. GOÄ 410 oder GOÄ 420) sind neben der GOÄ 28 voll erstattungsfähig und bereichern das diagnostische Spektrum sinnvoll.
Ziffer 28 in der neuen GOÄ
Die Leistung „Untersuchung eines Mannes zur Früherkennung von Krebserkrankungen des Rektums, der Prostata, des äußeren Genitales und der Haut – einschließlich Erhebung der Anamnese, Urinuntersuchung auf Eiweiß, Zucker und Erythrozyten sowie Untersuchung auf Blut im Stuhl, einschließlich Beratung –“ erhält in der neuen GOÄ die Nummer 115 „Untersuchung eines Mannes zur Früherkennung von Krebserkrankungen des Rektums, der Prostata und des äußeren Genitales, einschließlich -Erhebung der Anamnese und Beratung -Untersuchung auf Blut im Stuhl“ mit einem festen Satz von 53,09 € — ein Plus von rund 41 % (heute beim 2,3-fachen Satz: 37,54 €) (Berechnungseinheit: je Sitzung, im Regelfall 1× pro Kalenderjahr).
Strukturell analog zu die alte GOÄ 27 → die neue GOÄ 114: (1) 'der Haut' entfällt aus die neue GOÄ 115 – Hautkrebsscreening ist jetzt die neue GOÄ 117, kann aber NICHT neben 112 in derselben Sitzung abgerechnet werden (112 schließt alle anderen B-....
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 28
Was hat nicht gestimmt?