Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3226 (Rectotomia posterior). Vermeiden Sie Honorarverluste durch korrekte Dokumentation und Kombinationen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3226
Peranale operative Entfernung einer Mastdarmgeschwulst mit Durchtrennung der Schließmuskulatur (Rectostomia posterior) – einschließlich Naht –
Die GOÄ-Ziffer 3226 beschreibt einen anspruchsvollen proktologischen Eingriff im Bereich des Mastdarms. Im Fokus steht die peranale operative Entfernung einer benignen oder malignen Mastdarmgeschwulst. Ein wesentliches Definitionsmerkmal dieser Ziffer ist die Durchtrennung der Schließmuskulatur (Sphinkterotomie), um einen adäquaten Zugang zum Operationsgebiet zu erhalten.
Die im offiziellen Text genannte Bezeichnung „Rectostomia posterior“ ist medizinhistorisch bedingt und wird in der modernen Fachliteratur meist als Rectotomia posterior bezeichnet. Die Leistung umfasst explizit auch den anschließenden plastischen Wiederaufbau des Sphinkterapparates sowie die vollständige chirurgische Naht des Zugangsweges. Zusätzliche Ziffern für den Wundverschluss dürfen daher nicht separat in Ansatz gebracht werden.
GOÄ 3226 in der Praxis: Indikationen und chirurgisches Vorgehen
Der Einsatz der GOÄ-Ziffer 3226 ist in der chirurgischen und proktologischen Praxis an enge klinische Voraussetzungen geknüpft. Typische Indikationen für diesen Eingriff sind tief sitzende, aber nicht direkt am Analkanal gelegene großflächige Adenome oder lokal begrenzte Karzinome des unteren Rektumdrittels. Auch seltene Tumoren wie gastrointestinale Stromatumoren (GIST) oder neuroendokrine Tumoren (NET) können diesen Zugangsweg erfordern.
Der Zugang erfolgt peranal, wobei durch die gezielte Spaltung des Schließmuskels (meist im posterioren Segment) eine hervorragende Übersicht über das Operationsfeld gewährleistet wird. Nach der vollständigen Tumorexstirpation erfolgt die Rekonstruktion des Schließmuskels. Die Abgrenzung zur einfacheren Ziffer 3224 ist essenziell: Wird der Schließmuskel nicht durchtrennt, ist zwingend die niedrigere Ziffer zu wählen.
Tipp: Achten Sie bei der OP-Planung darauf, ob ein rein endoskopisches Verfahren (z. B. TEM/TEO) oder der offene peranale Zugang gewählt wird. Die GOÄ 3226 setzt den offenen chirurgischen Zugang mit Sphinkterspaltung voraus.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3226
Fallbeispiel 1: Entfernung eines breitbasigen Rektumadenoms
Bei einem 68-jährigen Patienten zeigt sich ein breitbasiges, histologisch gesichertes tubulovillöses Adenom im unteren Rektumdrittel. Aufgrund der Größe und Lage ist eine rein endoskopische Abtragung nicht sicher möglich. Es erfolgt die peranale Tumorexstirpation unter Spaltung des M. sphincter ani externus (Rectotomia posterior) mit anschließender Sphinkterrekonstruktion.
In diesem Fall ist die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3226 vollumfänglich gerechtfertigt. Die Schließmuskelspaltung und die anschließende Naht sind integrale Bestandteile der Leistung und mit der Ziffer abgegolten.
Fallbeispiel 2: Exzision eines neuroendokrinen Tumors (NET)
Eine 54-jährige Patientin stellt sich mit einem solitären NET des Rektums (G1, 1,2 cm Durchmesser) vor. Der Tumor wird über einen posterioren peranalen Zugang unter vollständiger Durchtrennung des Sphinkterapparates im gesunden Gewebe exzidiert. Der Defekt wird schichtweise verschlossen, der Schließmuskel adaptiert.
Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 3226 zum Regelhöchstsatz (2,3-fach). Da keine außergewöhnlichen Komplikationen auftraten, ist eine Steigerung nicht indiziert, die chirurgische Sanierung ist damit korrekt abgebildet.
Fallbeispiel 3: Komplizierte Resektion bei ausgeprägter Blutung
Bei der peranalen Entfernung eines großen Rektumtumors unter Schließmuskelspaltung kommt es zu einer diffusen, schwer beherrschbaren Blutung aus den hämorrhoidalen Gefäßplexus. Der Eingriff verzögert sich um 45 Minuten, da aufwendige Umstechungsnähte und Elektrokoagulationen zur Blutstillung notwendig sind.
Neben der GOÄ-Ziffer 3226 wird hier ein erhöhter Steigerungsfaktor (z. B. 3,5-fach) angewendet. Die Begründung muss den erheblichen zeitlichen Mehraufwand und die schwierige Blutstillung detailliert beschreiben.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3226: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von ausgeschlossenen Leistungen. Die GOÄ-Ziffer 3226 darf explizit nicht neben den diagnostischen Ziffern 765 (Rektoskopie) und 766 (Proktoskopie) am selben Tag abgerechnet werden. Private Krankenversicherungen (PKV) und Beihilfestellen kürzen diese Kombinationen konsequent.
Ebenfalls ausgeschlossen ist die Nebeneinanderberechnung der GOÄ-Ziffer 3224 (Entfernung ohne Schließmuskelspaltung) und der GOÄ-Ziffer 3240 (Rektotomie). Die Ziffer 3226 stellt eine höher bewertete Spezialleistung dar, welche die einfacheren operativen Schritte am Mastdarm bereits in sich vereint.
Achtung: Die Naht des Schließmuskels und der Rektumwand ist integraler Bestandteil der Ziffer 3226 („einschließlich Naht“). Eine zusätzliche Abrechnung von Wundverschlussziffern aus dem Abschnitt C (z. B. GOÄ 2001 ff.) für denselben operativen Zugang ist nicht zulässig und führt regelmäßig zu Beanstandungen.
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Dokumentation der GOÄ 3226: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Im Operationsbericht muss zweifelsfrei hervorgehen, dass eine vollständige Durchtrennung der Schließmuskulatur stattgefunden hat. Fehlt dieser Nachweis, stufen Prüfer die Leistung schnell auf die deutlich schlechter bewertete GOÄ 3224 herab.
Zudem sollten die genaue Lokalisation des Tumors, dessen histologische Relevanz sowie die schichtweise Rekonstruktion des Sphinkters dokumentiert werden. Auch die Schnitt-Naht-Zeiten und eventuelle intraoperative Besonderheiten gehören zwingend in den Bericht.
Dokumentationsbeispiel: „... Peranaler Zugang. Präparation bis an den M. sphincter ani. Vollständige posteriore Durchtrennung des Sphinkterapparates (Rectotomia posterior) zur Darstellung der Rektumvorderwand. Vollständige Exzision der 3 cm großen, breitbasigen Geschwulst im gesunden Gewebe. Sorgfältige Blutstillung. Schichtweise Rekonstruktion des Sphinkterapparates mittels resorbierbarer Einzelknopfnähte. Fortlaufende Naht der Rektumschleimhaut...“
GOÄ 3226: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Aufgrund der anatomischen Komplexität des Beckenbodens und des Sphinkterapparates kann die Durchführung der GOÄ 3226 erhebliche Schwierigkeiten aufweisen. Ein Überschreiten des Schwellenwertes (2,3-fach) bis zum Höchstsatz (3,5-fach) ist insbesondere bei folgenden Faktoren begründbar: ausgeprägte Vernarbungen nach Voroperationen, adipöse Körperkonstitution des Patienten, starke intraoperative Blutungen oder ein besonders tief sitzender, schwer zugänglicher Tumor.
Die Begründung auf der Rechnung muss patientenbezogen und konkret formuliert sein. Allgemeine Floskeln wie „erhöhter Zeitaufwand“ reichen nicht aus. Besser ist: „Erhöhter Zeitaufwand bei der Rekonstruktion des Sphinkterapparates aufgrund ausgeprägter Gewebebrüchigkeit.“
Typische Ziffernkombinationen
Zulässig und häufig sinnvoll ist die Kombination mit Anästhesieleistungen, sofern diese vom Operateur erbracht werden (z. B. Lokalanästhesie oder Regionalanästhesie, falls zutreffend). Auch die histologische Untersuchung des entnommenen Gewebes (z. B. GOÄ 4815) durch den Pathologen schließt sich an, wird jedoch in der Regel von diesem selbst liquidiert. Werden präoperativ sonographische Untersuchungen des Rektums durchgeführt (z. B. Endosonographie nach GOÄ 410), sind diese an eigenständigen Terminen voll berechnungsfähig.
Ziffer 3226 in der neuen GOÄ
Peranale operative Entfernung einer Mastdarmgeschwulst mit Durchtrennung der Schließmuskulatur (Rectostomia posterior) – einschließlich Naht – (Ziffer 3226) wird in der neuen GOÄ als Nummer 10900 weitergeführt — „Peranale konventionell operative Entfernung einer Mastdarmgeschwulst mit Vollwandresektion sowie …". Der Festsatz beträgt 857,58 € (bisher 2,3-facher Satz: 469,22 €); abrechenbar 1x je Sitzung.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3226
Was hat nicht gestimmt?