Leitfaden zur Abrechnung der Hämoglobinelektrophorese nach GOÄ-Ziffer 3691: Indikationen, Analogbewertung für HPLC und Tipps zur Fehlervermeidung.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3691
GOÄ-Ziffer 3691: Hämoglobinelektrophorese – 570 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 3691 beschreibt die elektrophoretische Trennung von Hämoglobin-Varianten im Labor. Diese Untersuchung dient der Identifikation von anomalen Hämoglobin-Fraktionen, die auf genetischen Defekten beruhen. Durch die veränderte Ladung der Proteinketten wandern diese im elektrischen Feld anders als normales Hämoglobin. Die Leistung ist im Abschnitt M III der Gebührenordnung für Ärzte verortet.
GOÄ 3691 in der Praxis: Diagnostik von Hämoglobinopathien
Die Hämoglobinelektrophorese wird primär als Screening-Verfahren eingesetzt, um angeborene Erkrankungen der Blutbildung abzuklären. Typische Indikationen sind der Verdacht auf eine Sichelzellenanämie oder verschiedene Formen der Thalassämie. Auch bei unklaren mikrozytären Anämien ohne nachgewiesenen Eisenmangel ist die Untersuchung indiziert. In modernen Laboren wird das klassische Verfahren zunehmend durch die präzisere Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC) ersetzt.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3691
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Thalassämie bei mikrozytärer Anämie
Ein Patient stellt sich mit einer ausgeprägten mikrozytär-hypochromen Anämie vor. Da der Ferritin-Wert im Normbereich liegt, soll eine Thalassämie ausgeschlossen werden. Das Labor führt eine Hämoglobinelektrophorese im alkalischen Milieu durch. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3691 mit dem Regelsatz von 1,15.
Fallbeispiel 2: Abklärung einer chronisch-hämolytischen Anämie
Bei einer Patientin besteht der Verdacht auf eine chronische Hämolyse unklarer Genese. Zum Ausschluss einer Hämoglobinopathie veranlasst der Arzt eine elektrophoretische Untersuchung. Die Trennung zeigt ein unauffälliges Bandenmuster im Vergleich zur Kontrolle. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die GOÄ-Ziffer 3691 zur Ausschlussdiagnostik.
Fallbeispiel 3: Moderne Hämoglobin-Analyse mittels HPLC
Zur exakten Quantifizierung der Hb-Fraktionen nutzt das Labor die Hochdruckflüssigkeitschromatographie. Da es sich um eine moderne Methode handelt, erfolgt die Abrechnung analog. Es wird die Analogziffer 3737a herangezogen, da Hämoglobine einen klaren Proteincharakter aufweisen.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3691: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler betrifft die separate Abrechnung der Probenvorbereitung. Der notwendige Hämolysierschritt zur Lyse der Erythrozyten ist bereits mit der Gebühr abgegolten. Eine zusätzliche Berechnung dieser Vorbereitung führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen. Ebenso darf eine zweite Elektrophorese im sauren Milieu nicht extra berechnet werden.
Achtung: Die Durchführung einer zweiten Elektrophorese im sauren Milieu zur Absicherung eines auffälligen Befundes ist nicht separat berechnungsfähig, sondern mit der Gebühr für die GOÄ-Ziffer 3691 abgegolten.
Zudem fordern Prüfstellen bei der Indikation einer mikrozytären Anämie oft den Nachweis, dass kein Eisenmangel vorliegt. Ohne vorherige Bestimmung des Ferritin-Werts wird die medizinische Notwendigkeit der Elektrophorese manchmal angezweifelt. Eine sorgfältige Stufendiagnostik schützt hier vor Honorarkürzungen.
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Dokumentation der GOÄ 3691: Praxisbewährte Hinweise
Für eine rechtssichere Abrechnung ist eine lückenlose Dokumentation in der Patientenakte unerlässlich. Es müssen die klinische Indikation sowie die Ergebnisse der Kontroll-Trennbahn dokumentiert werden. Auch die Entscheidung für eine eventuelle Folgeuntersuchung im sauren Milieu sollte schriftlich festgehalten werden. Dies sichert den Erbringungsnachweis bei Rückfragen der Kostenträger.
Dokumentation: Verdacht auf Hämoglobinopathie bei mikrozytärer Anämie (Ferritin normal). Durchführung der Hämoglobinelektrophorese im alkalischen Milieu. Bandenmuster identisch mit Kontrolle, kein Nachweis pathologischer Hb-Varianten.
Tipp: Dokumentieren Sie bei mikrozytären Anämien stets den zuvor bestimmten Ferritin-Wert, um die medizinische Notwendigkeit der Hämoglobinelektrophorese gegenüber Kostenträgern lückenlos nachzuweisen.
GOÄ 3691: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 3691 dem Abschnitt M III angehört, unterliegt sie dem reduzierten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt bei dem 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur bei außergewöhnlich schwierigen Trennungsbedingungen oder seltenen, schwer interpretierbaren Varianten zulässig.
Typische Ziffernkombinationen
Die Untersuchung wird häufig mit dem kleinen Blutbild nach GOÄ-Ziffer 3550 kombiniert. Auch die Bestimmung von Ferritin nach GOÄ-Ziffer 3742 ist eine regelmäßige Begleitleistung. Eine gleichzeitige Abrechnung der klassischen Elektrophorese und der analogen HPLC für dieselbe Fragestellung ist jedoch unzulässig.
Ziffer 3691 in der neuen GOÄ
Die Hämoglobinelektrophorese wird in der neuen GOÄ nach dem eingesetzten Verfahren aufgeteilt. Aus der einen alten Ziffer (2,3-facher Satz: 38,20 €) entstehen zwei sich gegenseitig ausschließende Nachfolger:
- 12118 „Hämoglobin-Differenzierung (-Varianten)" — für moderne Verfahren wie HPLC oder Kapillarelektrophorese aus Vollblut-Hämolysat: 19,74 €. Neben 12119 nicht berechnungsfähig.
- 12119 „Hämoglobin-Elektrophorese" — für die klassische Mikrozonen- oder Agarosegel-Elektrophorese mit Densitometer-Auswertung: 31,88 €. Neben 12118 nicht berechnungsfähig.
Welche Ziffer gilt, hängt von der Methode ab. Beide Ziffern können nicht nebeneinander berechnet werden.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3691
Was hat nicht gestimmt?