GOÄ 3692: Cooxymetrie richtig abrechnen – Tipps & Indikationen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3692
Methämoglobin und/oder Carboxyhämoglobin und/oder Sauerstoffsättigung , cooxymetrisch
Punktzahl 60  
Einfachsatz 3,50 € 1,0x
Regelhöchstsatz 4,02 € 1,1x
Höchstsatz 4,55 € 1,3x
Ausschlüsse

Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3692 (Cooxymetrie). Erfahren Sie alles über Indikationen, Fallbeispiele und wie Sie typische Honorarverluste vermeiden.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3692

Methämoglobin und/oder Carboxyhämoglobin und/oder Sauerstoffsättigung, cooxymetrisch - Punktzahl: 60, Einfachsatz: 3,50 €, Regelhöchstsatz (1,15-fach): 4,02 €, Höchstsatz (1,3-fach): 4,55 €

Die GOÄ-Ziffer 3692 beschreibt eine spezialisierte Laboruntersuchung aus dem Abschnitt M III (Speziallabor). Sie umfasst die cooxymetrische Bestimmung von Methämoglobin (MetHb), Carboxyhämoglobin (COHb) und/oder der Sauerstoffsättigung (sO2 bzw. fO2Hb). Diese Parameter können einzeln oder in Kombination gemessen werden, wobei die Gebühr auch bei der Bestimmung nur eines einzelnen Parameters in voller Höhe anfällt.

Ein wesentlicher Aspekt dieser Leistung ist, dass die Bestimmung des Gesamt-Hämoglobins als integraler Bestandteil gilt. Eine separate Berechnung des Gesamt-Hämoglobins ist daher ausgeschlossen. Die Messung erfolgt in der Regel mittels Mehrwellenlängen-Spektrophotometrie, um die verschiedenen Hämoglobinfraktionen präzise voneinander abzugrenzen.

GOÄ 3692 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz

Die klinische Anwendung der GOÄ 3692 erstreckt sich über verschiedene kritische Szenarien in der Notfallmedizin, Pneumologie und Pädiatrie. Ein Hauptindikationsgebiet ist der dringende Verdacht auf eine Kohlenmonoxid-Vergiftung (CO-Intoxikation), beispielsweise nach Rauchgasexposition oder bei defekten Gasthermen. Da CO eine rund 250-fach höhere Affinität zu Hämoglobin aufweist als Sauerstoff, blockiert es den Sauerstofftransport hocheffektiv.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Diagnostik einer Methämoglobinämie. Diese kann angeboren sein oder durch toxische Substanzen wie Nitrate, Schweißerabgase oder bestimmte Medikamente induziert werden. Da Methämoglobin keinen Sauerstoff binden kann, führt ein Anteil von über 15 % zu einer ausgeprägten Zyanose, während Werte über 70 % lebensbedrohlich sind.

Tipp: Bei unklaren Zyanosen, die sich nicht durch kardiale oder pulmonale Vorerkrankungen erklären lassen, sollte frühzeitig eine cooxymetrische Bestimmung veranlasst werden, um Dyshämoglobinämien sicher auszuschließen.

Schließlich dient die Ziffer der präzisen Überwachung der Sauerstoffsättigung bei beatmeten Patienten oder im Rahmen einer intensivierten Sauerstofftherapie. Hierbei liefert die Cooxymetrie im Vergleich zur einfachen Pulsoxymetrie deutlich verlässlichere Werte, da sie störende Hämoglobinvarianten messtechnisch erfasst und herausrechnet.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3692

Fallbeispiel 1: Verdacht auf akute Kohlenmonoxid-Vergiftung

Ein Patient wird nach einem Wohnungsbrand mit Kopfschmerzen, Schwindel und leichter Verwirrtheit in der Praxis vorstellig. Zur Diagnostik einer akuten CO-Intoxikation erfolgt eine sofortige Blutentnahme für eine Mehrwellenlängen-Oxymetrie. Der gemessene COHb-Wert liegt bei 18 %. Neben der klinischen Erstversorgung wird die Leistung nach GOÄ-Ziffer 3692 (60 Punkte, 1,15-fach gesteigert: 4,02 €) korrekt abgerechnet.

Fallbeispiel 2: Abklärung einer unklaren Zyanose beim Säugling

Ein drei Monate alter Säugling zeigt eine zunehmende bläuliche Verfärbung der Haut und Schleimhäute ohne pulmonale Symptome. Es besteht der Verdacht auf eine angeborene oder toxische Methämoglobinämie. Die cooxymetrische Untersuchung des Blutes ergibt einen MetHb-Anteil von 20 %. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 3692, da die gezielte Abklärung dieser Dyshämoglobinämie vollumfänglich unter diese Ziffer fällt.

Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle unter künstlicher Beatmung

Bei einem intensivmedizinisch betreuten Patienten unter künstlicher Beatmung ist eine engmaschige Kontrolle der respiratorischen Parameter erforderlich. Im Rahmen der arteriellen Blutgasanalyse wird mittels eines modernen BGA-Geräts mit integriertem Oxymetriemodul die fraktionelle Sauerstoffsättigung bestimmt. Diese invasive Messung wird neben den BGA-Ziffern eigenständig mit der GOÄ-Ziffer 3692 liquidiert.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3692: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung der GOÄ 3692 mit transkutanen Messverfahren. Die Gebührenordnung schließt die gemeinsame Abrechnung mit den Ziffern 626 bis 629 sowie 632 explizit aus. Werden diese Leistungen am selben Behandlungstag erbracht, müssen die Ausschlussregeln strikt beachtet werden.

Achtung: Die bloße rechnerische Ermittlung der Sauerstoffsättigung aus den Werten von pH-Wert und pO2 im Rahmen einer Standard-Blutgasanalyse berechtigt nicht zum Ansatz der GOÄ 3692. Die Leistung setzt zwingend eine echte spektrophotometrische, cooxymetrische Messung voraus.

Zudem beanstanden private Krankenversicherungen und Beihilfestellen regelmäßig die zusätzliche Abrechnung einer Gesamt-Hämoglobin-Bestimmung. Da diese Messung ein integraler Bestandteil der Cooxymetrie ist, darf sie nicht separat in Rechnung gestellt werden. Auch automatisch berechnete Zusatzparameter des Oxymeters sind mit der Gebühr der Ziffer 3692 abgegolten.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 3692: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist essenziell, um Honorarkürzungen bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen zu verhindern. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation (z. B. Verdacht auf CO-Intoxikation, unklare Zyanose) sowie das angewandte Messverfahren (z. B. Mehrwellenlängen-Oxymetrie) eindeutig dokumentiert werden. Auch die konkreten quantitativen Messergebnisse der einzelnen Hämoglobinfraktionen gehören zwingend in den Befundbericht.

Dokumentationsbeispiel: Verdacht auf schleichende CO-Vergiftung bei defekter Heizungsanlage. Durchführung einer invasiven Cooxymetrie aus heparinisiertem Vollblut. Befund: COHb-Anteil bei 12 %, MetHb bei 0,8 %, fraktionelle Sauerstoffsättigung (fO2Hb) bei 86 %. Gesamt-Hb cooxymetrisch miterfasst.

Falls die Untersuchung als Point-of-Care-Testung (POCT) direkt in der Praxis durchgeführt wird, sollte dokumentiert werden, dass die organisatorischen und fachlichen Voraussetzungen für Speziallaborleistungen gemäß den Richtlinien der Bundesärztekammer erfüllt sind. Dies sichert die Berechnungsfähigkeit der Ziffer im ambulanten Bereich ab.

GOÄ 3692: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Der Regelsatz für Laborleistungen des Abschnitts M III beträgt das 1,15-fache des Einfachsatzes. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist bei Vorliegen besonderer Umstände möglich. Typische Begründungen für eine Schwellenüberschreitung sind ein extrem hoher Zeitaufwand bei schwierigen Venenverhältnissen (insbesondere bei Säuglingen oder im Schockzustand) oder eine aufwendige präanalytische Aufbereitung bei instabilen Proben.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 3692 wird im klinischen Alltag häufig mit anderen diagnostischen Leistungen kombiniert. Sehr häufig erfolgt die Abrechnung zusammen mit einer Blutgasanalyse (BGA) nach GOÄ 3710. Da die BGA und die Cooxymetrie unterschiedliche physiologische Parameter erfassen, ist diese Kombination medizinisch sinnvoll und gebührenrechtlich vollkommen zulässig, sofern keine rechnerische Doppelbewertung stattfindet.

Nicht zulässig ist hingegen die Kombination mit transkutanen Verfahren am selben Tag, sofern die Ausschlüsse der Ziffern 626-629 und 632 greifen. Bei der Kombination mit anderen Laborparametern des Speziallabors ist zudem darauf zu achten, dass die Höchstgrenzen für Laborleistungen gemäß den allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M eingehalten werden.

Ziffer 3692 in der neuen GOÄ

Die cooxymetrische Bestimmung von Methämoglobin und/oder Carboxyhämoglobin und/oder Sauerstoffsättigung wird zur neuen Nummer 12123 mit einem Festpreis von 14,63 € — erheblich mehr als der heutige 2,3-fache Satz von 4,02 €. Die neue Legende übernimmt die alte und/oder-Verknüpfung; Material ist antikoaguliertes Vollblut, die Auswertung erfolgt apparativ-quantitativ, gegebenenfalls simultan. Aus der Rechnung oder Dokumentation muss hervorgehen, welche Parameter bestimmt wurden.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3692

Die Ziffer 3692 wird für die cooxymetrische Bestimmung von Methämoglobin, Carboxyhämoglobin oder der Sauerstoffsättigung berechnet. Typische Indikationen sind der Verdacht auf Kohlenmonoxidvergiftungen, Methämoglobinämien oder die Überwachung einer Sauerstofftherapie.
Nein, die Bestimmung des Gesamt-Hämoglobins ist integraler Bestandteil der Leistung nach GOÄ 3692. Eine gesonderte Berechnung dieses Parameters ist daher ausgeschlossen.
Die Ziffer 3692 ist laut Gebührenordnung nicht neben den Ziffern 626 bis 629 sowie der Ziffer 632 berechenbar. Zudem darf eine rein rechnerisch ermittelte Sauerstoffsättigung aus einer Blutgasanalyse nicht nach dieser Ziffer liquidiert werden.
Ja, die Erbringung als POCT ist für die Berechnungsfähigkeit unerheblich, solange die fachlichen und organisatorischen Voraussetzungen für Speziallaborleistungen (M III) erfüllt sind. Alle automatisch berechneten Zusatzparameter sind dann mit der Gebühr abgegolten.
Die invasive, blutige Oxymetrie wird nach GOÄ 3692 abgerechnet, während die transkutane, unblutige Messung (z. B. Pulsoxymetrie) unter andere Ziffern fällt. Ein gegenseitiger Austausch der Ziffern zur Honoraroptimierung ist gebührenrechtlich unzulässig.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich