GOÄ 3711: BKS-Abrechnung – Tipps für die Praxis

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3711
Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BKS, BSG)
Punktzahl 40  
Einfachsatz 2,33 € 1,0x
Regelhöchstsatz 2,68 € 1,1x
Höchstsatz 3,03 € 1,3x

Erfahren Sie alles zur Abrechnung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit nach GOÄ 3711: Fallbeispiele, Ausschlüsse und Tipps zur Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3711

GOÄ-Ziffer 3711: Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BKS, BSG) – Punktzahl: 40

Die Gebührenordnungsziffer 3711 beschreibt die Bestimmung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BKS oder BSG). Diese physikalische Untersuchung von Blutproben gehört zum Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt III.4 (Elektrolyte, Wasserhaushalt, physikalische Eigenschaften von Körperflüssigkeiten). Die Leistung umfasst die vollständige Durchführung der Senkungsmessung im Labor.

In der modernen Praxis erfolgt diese Bestimmung meist über geschlossene Blutentnahmesysteme oder automatisierte BKS-Systeme. Die Ziffer deckt sowohl die manuelle als auch die apparative Bestimmung vollständig ab. Zusätzliche Arbeitsschritte wie das Mischen oder Aufziehen sind Teil der Gebühr.

GOÄ 3711 in der Praxis: Stellenwert und Indikationen

Obwohl modernere Entzündungsparameter wie das C-reaktive Protein (CRP) eine höhere Spezifität aufweisen, bleibt die BKS ein unverzichtbarer Basiswert. Sie wird häufig als Vorhalteleistung im eigenen Praxislabor (gemäß GOÄ-Ziffer 3501) oder im Rahmen von Routine-Laborprofilen durchgeführt. Besonders bei chronisch-entzündlichen Systemerkrankungen liefert sie wertvolle Hinweise.

Typische Indikationen für die Bestimmung der BKS sind der Verdacht auf rheumatische Erkrankungen wie die Polymyalgia rheumatica oder die Riesenzellarteriitis. Auch zur Verlaufskontrolle von Autoimmunerkrankungen und chronischen Infektionen eignet sich dieser Parameter hervorragend. Ein normaler Wert liegt in der Regel bei unter 30 mm in der ersten Stunde.

Tipp: Bei der Nutzung automatisierter BKS-Systeme wird die Senkung oft über einen kürzeren Zeitraum von 5 bis 30 Minuten gemessen und auf den Ein-Stunden-Wert hochgerechnet. Dies ist vollkommen zulässig und beschleunigt den Praxisablauf erheblich.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3711

Fallbeispiel 1: Verdacht auf Polymyalgia rheumatica

Eine ältere Patientin stellt sich mit symmetrischen Muskelschmerzen im Schulter- und Beckengürtel vor. Zur diagnostischen Abklärung veranlasst die Praxis eine Blutentnahme zur Bestimmung der BKS sowie weiterer Entzündungsparameter. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 3711 für die BKS-Bestimmung, kombiniert mit der Ziffer 250 für die Blutentnahme.

Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle bei rheumatoider Arthritis

Ein Patient mit bekannter rheumatoider Arthritis kommt zur regelmäßigen Laborkontrolle, um die Aktivität der Erkrankung unter Therapie zu überwachen. Neben dem CRP-Wert wird die BKS bestimmt. Die Abrechnung der BKS erfolgt korrekt mit der Ziffer 3711 zum Regelsatz, da keine außergewöhnlichen Umstände vorlagen.

Fallbeispiel 3: Ausschluss einer systemischen Entzündung im Akutlabor

Bei einem Patienten mit unklarem Fieber wird im praxiseigenen Labor eine schnelle Basisdiagnostik durchgeführt. Die BKS wird mittels eines automatisierten Schnellsystems innerhalb von 15 Minuten bestimmt. Abgerechnet wird die Ziffer 3711, gegebenenfalls unter Berücksichtigung der Vorhaltepauschale nach Ziffer 3501, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3711: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler betrifft die gesonderte Berechnung von Sachkosten. Wird die Mischung des Blutes mit Natriumzitrat noch manuell durchgeführt, sind die Kosten für die Natriumzitratlösung bereits mit der Gebühr abgegolten. Eine separate Rechnungsstellung dieser Verbrauchsmaterialien führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.

Zudem ist die früher übliche zweite Ablesung nach zwei Stunden medizinisch und abrechnungstechnisch obsolet. Sie darf nicht als eigenständige Leistung oder als Begründung für eine Schwellenwertüberschreitung herangezogen werden. Der Ein-Stunden-Wert ist für die Diagnostik völlig ausreichend.

Achtung: Fehlerquellen bei der manuellen Durchführung, wie eine ungenaue vertikale Ausrichtung der Röhrchen, können das Ergebnis verfälschen. Schon eine Schräglage von nur 10 Grad führt zu einer Verdoppelung der BKS, was jedoch keinen Einfluss auf die Abrechnungshöhe hat, sondern rein medizinisch relevant ist.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 3711: Praxisbewährte Hinweise

Für eine rechtssichere Abrechnung muss das Ergebnis der BKS-Bestimmung lückenlos in der Patientenakte dokumentiert werden. Dies umfasst den gemessenen Wert in Millimetern pro Stunde (mm/h). Bei der Verwendung von automatisierten Systemen sollte auch die Gerätekennung oder das Messverfahren kurz vermerkt sein.

Besonders wichtig ist die Dokumentation von Störfaktoren, die das Ergebnis beeinflussen könnten, wie das Vorliegen einer ausgeprägten Anämie oder die Einnahme bestimmter Medikamente. Dies stützt die medizinische Notwendigkeit der Untersuchung und erklärt eventuelle Diskrepanzen zu anderen Entzündungsmarkern.

Dokumentationsbeispiel: BKS-Bestimmung (Ziffer 3711) durchgeführt mittels geschlossenem Automatensystem. Ergebnis nach Hochrechnung: 45 mm/Std. Keine präanalytischen Störungen ersichtlich. Indikation: Verlaufskontrolle bei bekannter Riesenzellarteriitis.

GOÄ 3711: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da die GOÄ-Ziffer 3711 dem Abschnitt M (Laborleistungen) angehört, unterliegt sie einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz (2,68 €), während der maximale Höchstsatz das 1,3-fache (3,03 €) beträgt. Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 1,15 is im Laborbereich nur in sehr seltenen, extrem begründeten Ausnahmefällen möglich.

Gründe für eine Steigerung auf den 1,3-fachen Höchstsatz müssen auf der Rechnung patientenbezogen und detailliert begründet werden. Schwierigkeiten bei der Blutentnahme selbst rechtfertigen keine Steigerung der Laborziffer 3711, sondern allenfalls der Entnahmeziffer.

Typische Ziffernkombinationen

Die BKS-Bestimmung wird selten isoliert durchgeführt. Typische Kombinationen umfassen die Blutentnahme nach GOÄ-Ziffer 250 sowie weitere Laborparameter des Abschnitts M. Häufig wird parallel das C-reaktive Protein nach Ziffer 3741 bestimmt, um ein vollständiges Bild der Entzündungsaktivität zu erhalten.

Wird die BKS im eigenen Praxislabor als Vorhalteleistung erbracht, ist die Kombination mit der Vorhaltepauschale nach Ziffer 3501 zu prüfen. Hierbei sind jedoch die spezifischen Bestimmungen und Ausschlusskriterien der allgemeinen Laborbestimmungen strikt zu beachten.

Ziffer 3711 in der neuen GOÄ

Die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BKS, BSG) wird zur neuen Nummer 11822 mit einem Festpreis von 2,11 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 2,68 €). Die neue Legende sieht den 1-Stunden-Wert aus Vollblut vor, sowohl manuell als auch apparativ. Zu beachten: 11822 ist neben Nummer 11000 nicht berechnungsfähig — 11000 ist ein POCT-Code für Schnelltests (z. B. CRP, BNP), nicht der reguläre Laborcode für BSG.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3711

Nein, Sachkosten für die Natriumzitratlösung dürfen bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3711 nicht gesondert in Rechnung gestellt werden. Diese Kosten sind mit der Gebühr für die Laborleistung bereits vollständig abgegolten. Dies gilt unabhängig davon, ob die Mischung manuell oder über ein geschlossenes System erfolgt.
Der Regelhöchstsatz für die GOÄ-Ziffer 3711 beträgt 2,68 € bei Anwendung des 1,15-fachen Steigerungssatzes. Da es sich um eine Laborleistung des Abschnitts M handelt, liegt der Schwellenwert niedriger als bei ärztlichen Leistungen. Der maximale Höchstsatz liegt beim 1,3-fachen Satz und beträgt 3,03 €.
Nein, eine zweite Ablesung nach zwei Stunden ist medizinisch nicht mehr üblich und kann nicht separat berechnet werden. Die GOÄ-Ziffer 3711 deckt die gesamte Untersuchung der Blutsenkungsgeschwindigkeit ab. Moderne automatisierte Systeme rechnen das Ergebnis ohnehin meist auf den Ein-Stunden-Wert hoch.
Ja, die Bestimmung der BKS nach GOÄ 3711 kann im Rahmen der Vorhalteleistungen des praxiseigenen Labors erbracht werden. Dabei ist die Ziffer 3501 als Vorhaltepauschale für den Abschnitt M I anwendbar, sofern alle strukturellen und fachlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Es müssen jedoch die allgemeinen Bestimmungen des Laborabschnitts beachtet werden.
Das Ergebnis der Blutsenkung kann durch eine Vielzahl von Faktoren wie Anämien, Polyglobulien oder die Einnahme bestimmter Medikamente verfälscht werden. Auch präanalytische Fehler wie eine Schräglage der Röhrchen von über 10 Grad beeinflussen den Wert massiv. Diese medizinischen Störfaktoren haben jedoch keinen Einfluss auf die Abrechenbarkeit der Ziffer 3711.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich