Die Bestimmung von Coeruloplasmin nach GOÄ-Ziffer 3740 ist ein zentraler Baustein in der Diagnostik des Morbus Wilson. Erfahren Sie alles zur korrekten Abrechnung.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3740
Coeruloplasmin, Immundiffusion oder ähnliche Untersuchungsmethoden - Punktzahl: 180
Die GOÄ-Ziffer 3740 beschreibt die quantitative Bestimmung von Coeruloplasmin im Serum oder Plasma. Diese labormedizinische Leistung wird dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 6 (Proteine, Aminosäuren, Elektrophoreseverfahren) zugeordnet. Als methodischer Oberbegriff ist in der Leistungsbeschreibung die Immundiffusion genannt, welche verschiedene immunologische Nachweisverfahren umfasst.
Die Bestimmung dient der Erfassung von Störungen im Kupferstoffwechsel des Körpers. Da Coeruloplasmin das wichtigste Transportprotein für Kupfer im Blut darstellt, liefert seine Konzentration entscheidende diagnostische Hinweise. Andere, modernere immunologische Verfahren, die auf demselben Prinzip basieren, werden unter diesem Leistungstext ebenfalls subsumiert, da derzeit keine vergleichbaren Alternativmethoden in der GOÄ existieren.
GOÄ 3740 in der Praxis: Diagnostik des Morbus Wilson
Die klinische Hauptindikation für die Bestimmung nach GOÄ 3740 ist der begründete Verdacht auf einen Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit). Bei dieser hereditären Erkrankung ist der Kupfereinbau in das in der Leber synthetisierte Apo-Coeruloplasmin gestört. In der Folge kommt es zu einer verminderten Konzentration des funktionellen Cu-Cp-Komplexes im Serum, während sich freies Kupfer in Organen wie Leber, Gehirn und Hornhaut anreichert.
Typische klinische Manifestationen umfassen neurologische Symptome wie Sprech- und Schluckstörungen, eine fortschreitende Leberzirrhose oder den charakteristischen Kayser-Fleischer-Cornealring im Auge. Die Erkrankung manifestiert sich meist im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt. Bei rund 85 Prozent der betroffenen Patienten liegt die Coeruloplasmin-Konzentration signifikant unter dem Normwert von 0,20 g/l.
Tipp: Coeruloplasmin ist ein vergleichsweise labiles Protein. Für eine valide Bestimmung muss die Probe im Kühlschrank gelagert und bei längeren Transportwegen zwingend tiefgefroren werden, um Fehlmessungen zu vermeiden.
Eine Anwendung der GOÄ 3740 als reines Screening-Verfahren ist aufgrund der geringen Prävalenz der Erkrankung (1:50.000 bis 1:100.000) und der mangelnden Spezifität nicht sinnvoll. Die Diagnose darf nie allein auf Basis eines erniedrigten Coeruloplasmin-Werts gestellt werden. Sie erfordert stets das Zusammenspiel aus klinischem Bild und weiteren laborchemischen Parametern.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3740
Fallbeispiel 1: Abklärung unklarer Leberwerte
Ein 22-jähriger Patient stellt sich mit chronisch erhöhten Transaminasen und beginnenden Zeichen einer Leberzirrhose vor. Zum Ausschluss einer Kupferspeicherkrankheit veranlasst der behandelnde Arzt die Bestimmung von Coeruloplasmin im Serum. Die Abrechnung erfolgt korrekt nach GOÄ-Ziffer 3740 zum Regelsatz, da ein konkreter klinischer Verdacht vorliegt.
Fallbeispiel 2: Neurologische Symptomatik im jungen Erwachsenenalter
Eine 28-jährige Patientin klagt über neu aufgetretene, unklare Sprech- und Schluckstörungen sowie Tremor. Neben der neurologischen Abklärung wird eine laborchemische Untersuchung des Kupferstoffwechsels eingeleitet. Die Bestimmung des Coeruloplasmins wird über die GOÄ 3740 abgerechnet und durch die Dokumentation der neurologischen Symptome begründet.
Fallbeispiel 3: Ophthalmologischer Zufallsbefund
Bei einer Spaltlampenuntersuchung stellt der Augenarzt einen Kayser-Fleischer-Cornealring fest. Er überweist den Patienten zur internistischen Abklärung, bei der die Coeruloplasmin-Konzentration bestimmt wird. Die Erbringung der Laborleistung wird mit der Ziffer 3740 liquidiert, wobei der ophthalmologische Befund als primäre Indikation dient.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3740: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3740 ist die Durchführung der Analyse ohne dokumentierten klinischen Verdacht. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen verweigern die Erstattung, wenn die Untersuchung als reine Vorsorgeleistung oder im Rahmen eines unspezifischen Labor-Screenings durchgeführt wurde. Es muss immer eine entsprechende Verdachtsdiagnose in der Akte hinterlegt sein.
Zudem beanstanden Prüfer häufig die isolierte Abrechnung des Coeruloplasmins ohne die Bestimmung der korrespondierenden Kupferwerte. Da der Coeruloplasmin-Wert allein nicht ausreichend aussagekräftig ist, sollte die Diagnostik stets durch die Bestimmung von Kupfer im Serum oder Urin ergänzt werden. Eine isolierte Bestimmung ohne klinischen Kontext wird oft als unwirtschaftlich eingestuft.
Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 3740 ist nur dann liquidierbar, wenn eine medizinische Notwendigkeit zur Differenzialdiagnostik des Kupferstoffwechsels besteht. Unspezifische Routineanforderungen ohne Symptome führen regelmäßig zu Kürzungen.
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Dokumentation der GOÄ 3740: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Kostenträger. In der Patientenakte müssen die spezifischen klinischen Symptome wie neurologische Auffälligkeiten, Leberfunktionsstörungen oder ophthalmologische Befunde exakt dokumentiert werden. Auch die Dokumentation des Probenversands und der Kühlkette ist ratsam, um die Validität des labortechnischen Ergebnisses zu stützen.
Zusätzlich sollten die Ergebnisse der Coeruloplasmin-Bestimmung stets im Kontext mit den anderen erhobenen Befunden archiviert werden. Dies erleichtert im Falle einer Wirtschaftlichkeitsprüfung den Nachweis der medizinischen Notwendigkeit. Ein standardisierter Dokumentationseintrag sichert die Abrechnungsfähigkeit nachhaltig ab.
Dokumentationsbeispiel: V. a. Morbus Wilson bei unklaren Transaminasenerhöhungen und Dysarthrie. Blutentnahme für Coeruloplasmin (GOÄ 3740) erfolgt, Probe gekühlt gelagert und zeitnah an das Labor übermittelt.
GOÄ 3740: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 3740 kann bei Vorliegen besonderer Umstände über den Regelhöchstsatz von 1,15-fach bis zum Höchstsatz von 1,3-fach gesteigert werden. Ein erhöhter Aufwand kann beispielsweise durch eine schwierige Probenaufbereitung bei stark lipämischen oder hämolytischen Seren begründet werden. Auch eine extreme Instabilität der Probe, die eine sofortige Sonderbehandlung im Labor erfordert, rechtfertigt eine Faktorerhöhung.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die GOÄ 3740 selten isoliert angewendet. Sinnvolle und zulässige Kombinationen umfassen die Bestimmung von Kupfer im Serum nach GOÄ-Ziffer 4198 sowie die Bestimmung von Kupfer im 24-Stunden-Urin nach GOÄ-Ziffer 4132. Bei erhärtetem Verdacht kann zudem eine molekulargenetische Untersuchung zum Nachweis von Mutationen im ATP7B-Gen nach den Ziffern des Abschnitts M III.11 erfolgen.
Ziffer 3740 in der neuen GOÄ
Die immunologische Coeruloplasmin-Bestimmung wird zur neuen Nummer 12655 mit einem Festpreis von 12,62 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 12,06 €). Die neue Legende nennt Serum, Plasma oder Ejakulat als Material sowie Immunnephelometrie, Immunturbidimetrie und radiale Immundiffusion als Verfahren.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3740
Was hat nicht gestimmt?