Die Bestimmung von Alpha-Fetoprotein (AFP) nach GOÄ-Ziffer 3743 ist ein wichtiger Baustein in der pränatalen Diagnostik und Onkologie. Erfahren Sie hier alles zur korrekten Abrechnung.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3743
GOÄ 3743: Alpha-Fetoprotein (AFP), Ligandenassay – gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –
Die GOÄ-Ziffer 3743 beschreibt die quantitative Bestimmung von Alpha-Fetoprotein (AFP) mittels eines Ligandenassays. Diese Leistung ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 6 (Proteine, Aminosäuren, Elektrophoreseverfahren) der Gebührenordnung für Ärzte verortet. Die Bewertung liegt bei 250 Punkten, was im einfachen Gebührensatz einem Honorar von 14,57 € entspricht.
In der Leistungsbeschreibung ist explizit verankert, dass eine eventuell erforderliche Doppelbestimmung sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve bereits mit der Gebühr abgegolten sind. Diese methodischen Schritte dürfen daher nicht separat in Rechnung gestellt werden. Der Begriff Ligandenassay dient in der GOÄ als methodischer Oberbegriff für verschiedene immunologische Nachweisverfahren wie RIA, ELISA oder ECLIA.
GOÄ 3743 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz
Die klinische Anwendung der GOÄ-Ziffer 3743 teilt sich im Wesentlichen in zwei große Fachbereiche: die Pränatalmedizin und die Onkologie. Da AFP im fetalen Gastrointestinaltrakt und der Leber gebildet wird, dient es in der Schwangerschaft als wichtiger Marker. Ein Anstieg im mütterlichen Serum ist bis zur 32. Schwangerschaftswoche physiologisch, weshalb für die Beurteilung die genaue Kenntnis der Schwangerschaftswoche zwingend erforderlich ist.
In der Onkologie fungiert AFP als hochspezifischer Tumormarker. Außerhalb einer Schwangerschaft weisen gesunde Erwachsene nur minimale AFP-Konzentrationen auf. Deutlich erhöhte Werte im Serum, aber auch in Aszites oder Liquor, sind hochgradig verdächtig auf ein primäres Leberzellkarzinom (HCC) oder bestimmte Keimzelltumoren der Gonaden.
Tipp: Die Bestimmung von Pregnancy-associated-Plasmaprotein A (PAPP-A) im Rahmen des Ersttrimester-Screenings ist in der GOÄ nicht eigenständig abgebildet. Diese hochrelevante Untersuchung wird gemäß den Empfehlungen der Bundesärztekammer analog nach GOÄ-Ziffer 3743 abgerechnet.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3743
Fallbeispiel 1: Pränatales Screening im zweiten Trimenon
Eine schwangere Patientin stellt sich in der 17. Schwangerschaftswoche zur Vorsorge vor. Zur Risikoabschätzung von Neuralrohrdefekten wird eine AFP-Bestimmung aus dem mütterlichen Serum veranlasst. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3743 zum Regelsatz (1,15-fach), da keine außergewöhnlichen Erschwernisse vorlagen.
Fallbeispiel 2: Tumornachsorge bei bekanntem Leberzellkarzinom
Bei einem Patienten mit bekannter Leberzirrhose und therapiertem primärem Leberzellkarzinom (HCC) erfolgt die halbjährliche Kontrolluntersuchung. Zur Früherkennung eines Rezidivs wird das Serum auf AFP untersucht. Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3743 ist hierbei als Verlaufsparameter vollumfänglich begründet und erstattungsfähig.
Fallbeispiel 3: Ersttrimester-Screening (Analoge Abrechnung)
In der 12. Schwangerschaftswoche wird bei einer Patientin ein kombiniertes Ersttrimester-Screening durchgeführt. Neben der sonographischen Nackentransparenzmessung erfolgt die Bestimmung von PAPP-A. Da PAPP-A nicht direkt in der GOÄ gelistet ist, erfolgt die Liquidation als Analogabrechnung nach GOÄ-Ziffer 3743.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3743: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3743 ist die unvollständige Indikationsstellung in der Dokumentation. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen fordern bei der Erstattung von Tumormarkern oft den Nachweis einer onkologischen Fragestellung oder eines konkreten Risikoprofils. Ohne diese Angaben wird die medizinische Notwendigkeit der Untersuchung angezweifelt.
Zudem darf die Ziffer nicht mehrfach für dieselbe Probe berechnet werden, selbst wenn eine Doppelbestimmung zur Qualitätssicherung durchgeführt wurde. Die Leistungsbeschreibung schließt die Doppelbestimmung explizit ein. Auch die analoge Abrechnung von PAPP-A muss auf der Rechnung klar als solche gekennzeichnet sein, um Rückfragen oder Kürzungen zu vermeiden.
Achtung: Wird die AFP-Bestimmung im Rahmen eines Triple-Tests durchgeführt, ist auf die korrekte Kombination mit den Ziffern für HCG (GOÄ 4024) und Östriol (GOÄ 4027) zu achten. Eine fehlerhafte Zuweisung der Analysen zu unterschiedlichen Laborgemeinschaften oder Speziallaboren kann zu Ausschlüssen führen.
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Dokumentation der GOÄ 3743: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche Honorardurchsetzung. In der Patientenakte muss die präzise Indikation (z. B. Verdacht auf HCC, Risikoschwangerschaft, Verlaufskontrolle) dokumentiert sein. Bei Schwangeren ist zudem die exakte Angabe der Schwangerschaftswoche (SSW) unverzichtbar, da die Interpretation der Laborwerte direkt davon abhängt.
Für die analoge Anwendung bei der PAPP-A-Bestimmung sollte zusätzlich vermerkt werden, dass es sich um ein Screening auf Chromosomenanomalien im ersten Trimenon handelt. Dies erleichtert die Argumentation gegenüber Kostenträgern bei eventuellen Nachfragen.
Dokumentation: Bestimmung von AFP aus Serum nach GOÄ 3743 bei V. a. Hepatozelluläres Karzinom bei bekannter Hepatitis-B-Infektion. Entnahme am [Datum], Analyse mittels Ligandenassay durchgeführt.
GOÄ 3743: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Laborleistung des Abschnitts M unterliegt die GOÄ-Ziffer 3743 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-fache der Gebühr. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen möglich. Solche Gründe können beispielsweise extreme Viskosität der Probe oder technische Schwierigkeiten bei der Probenaufbereitung sein, die einen deutlich erhöhten Zeitaufwand erforderten.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die GOÄ-Ziffer 3743 selten isoliert eingesetzt. Häufig erfolgt die Bestimmung in Kombination mit anderen Parametern. Bei der Abklärung von Keimzelltumoren ist die parallele Bestimmung von HCG nach GOÄ-Ziffer 4024 medizinisch geboten und abrechnungstechnisch zulässig. Im Rahmen des Ersttrimester-Screenings wird die analoge PAPP-A-Bestimmung ebenfalls mit der HCG-Bestimmung kombiniert, um eine valide Risikoberechnung für Trisomien zu ermöglichen.
Ziffer 3743 in der neuen GOÄ
Die AFP-Bestimmung war in der alten GOÄ eine breite Ziffer, unter der per Kommentar auch PAPP-A analog abgerechnet wurde (2,3-facher Satz: 16,76 €). In der neuen GOÄ entstehen zwei eigenständige Positionen:
- 12691 „Alpha-Fetoprotein (AFP)" aus Serum/Plasma, Exsudaten, Liquor oder Fruchtwasser mittels Signal-(Tracer-)verstärktem Immunoassay: 10,52 €.
- 12706 „PAPP-A (Pregnancy-Associated-Plasma-Protein-A)" aus Serum oder Plasma für das Schwangeren-Screening auf Chromosomenanomalie (z. B. Trisomien): 19,15 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3743
Was hat nicht gestimmt?