GOÄ 3744: Fibronectin & Analogabrechnungen korrekt nutzen

6 Min. Lesezeit
GOÄ 3744
Fibronectin , Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –
Punktzahl 450  
Einfachsatz 26,23 € 1,0x
Regelhöchstsatz 30,16 € 1,1x
Höchstsatz 34,10 € 1,3x
Ausschlüsse

Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 3744: Erfahren Sie alles über die Abrechnung von Fibronectin, wichtige Analogbewertungen wie Calprotectin und typische Fallstricke.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3744

Fibronectin , Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –

Die GOÄ-Ziffer 3744 beschreibt die quantitative Bestimmung von Fibronectin mittels eines Ligandenassays. Diese Leistung umfasst standardmäßig sowohl die Durchführung einer Doppelbestimmung als auch die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve. Fibronectine sind wichtige Adhäsionsmoleküle der Extrazellulärmatrix, die eine zentrale Rolle bei Zell-Zell-Interaktionen spielen.

GOÄ 3744 in der Praxis: Indikationen und vielfältige Analogbewertungen

In der klinischen Praxis wird die Bestimmung von Fibronectin im Aszites eingesetzt, um zwischen einer benignen und einer malignen Genese zu differenzieren. Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist der Nachweis von fetalem Fibronectin im Zervikovaginalsekret im dritten Trimenon zur Risikoabschätzung einer drohenden Frühgeburt. Erfolgt dieser Nachweis mittels eines einfachen Streifentests, ist die Gebühr um ein Drittel zu mindern.

Die herausragende Bedeutung der GOÄ-Ziffer 3744 in der täglichen Abrechnung liegt jedoch in ihrer Anwendung für zahlreiche Analogbewertungen. Wichtige Parameter wie Calprotectin im Stuhl, Procalcitonin (PCT) im Serum oder die Pankreas-Elastase-1 werden regelhaft analog nach dieser Ziffer abgerechnet. Je nach Methode und Analyt kann dabei die volle Gebühr oder eine reduzierte Gebühr von zwei Dritteln fällig werden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3744

Fallbeispiel 1: Abklärung einer exokrinen Pankreasinsuffizienz

Ein Patient stellt sich mit chronischen, ungeklärten Durchfällen und Gewichtsverlust in der Praxis vor. Zum Ausschluss einer exokrinen Pankreasinsuffizienz wird die Bestimmung der Pankreas-Elastase-1 im Stuhl veranlasst. Die Aufbereitung der Stuhlprobe erfolgt mittels Extraktionspuffer und anschließender Zentrifugation.

Die Abrechnung dieser Analyse erfolgt analog nach der GOÄ-Ziffer 3744 in voller Höhe. Die vorbereitenden Schritte der Probenhomogenisierung sind mit der Gebühr abgegolten. Es wird der 1,15-fache Regelhöchstsatz mit 30,16 € in Rechnung gestellt.

Fallbeispiel 2: Differenzialdiagnostik bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Zur Abgrenzung eines Reizdarmsyndroms von einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) wird eine Stuhlprobe auf Calprotectin untersucht. Die Bestimmung erfolgt mittels eines quantitativen Ligandenassays im Überstand der aufbereiteten Probe. Ein niedriger Wert schließt eine floride Entzündung mit hoher Sicherheit aus.

Diese Leistung wird analog der GOÄ-Nr. 3744 berechnet. Da es sich um eine quantitative Bestimmung handelt, ist der Ansatz der vollen Gebühr betriebswirtschaftlich angemessen. Die Abrechnung erfolgt mit dem 1,15-fachen Satz.

Fallbeispiel 3: Sepsis-Früherkennung bei akutem Infekt

Bei einem Patienten mit akutem, hohem Fieber und unklarem Fokus soll eine beginnende bakterielle Sepsis ausgeschlossen werden. Hierzu wird die quantitative Bestimmung von Procalcitonin (PCT) im Serum angeordnet. Die Blutentnahme und die anschließende gekühlte Lagerung der Probe werden dokumentiert.

Die quantitative PCT-Bestimmung wird analog der GOÄ-Ziffer 3744 abgerechnet. Auch bei einer Einfachbestimmung auf automatisierten Systemen ist der Ansatz der vollen Gebühr gerechtfertigt. Die Abrechnung erfolgt zum Regelhöchstsatz von 30,16 €.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3744: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler liegt in der unzulässigen Parallelabrechnung von Parametern mit vergleichbarer diagnostischer Aussagekraft. So ist es nicht gerechtfertigt, im Rahmen einer Stuhldiagnostik Calprotectin (analog Nr. 3744), Laktoferrin (analog Nr. 3744) und Albumin im Stuhl (analog Nr. 3735) nebeneinander abzurechnen. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen solche Mehrfachabrechnungen regelmäßig.

Achtung: Die routinemäßige parallele Bestimmung von Knochenabbau-Markern wie CTX (analog Nr. 3744) und Pyridinolin/Desoxypyridinolin (Nr. 3737) ist medizinisch meist nicht begründbar und wird bei Prüfungen beanstandet.

Zudem wird häufig übersehen, dass bestimmte Schnelltests und semiquantitative Verfahren zwingend zu mindern sind. Wird beispielsweise ein Streifentest zum Nachweis von fetalem Fibronectin oder ein semiquantitativer PCT-Schnelltest durchgeführt, darf nur zwei Drittel der Gebühr der Nr. 3744 angesetzt werden. Eine Vollabrechnung dieser vereinfachten Verfahren gilt als Falschabrechnung.

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Dokumentation der GOÄ 3744: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die medizinische Indikation, das entnommene Probenmaterial sowie die angewandte Analysenmethode exakt festgehalten werden. Bei analogen Bewertungen ist die Angabe des konkreten Analyten auf der Liquidation zwingend erforderlich.

Dokumentation: Bestimmung von Calprotectin im Stuhl analog GOÄ-Nr. 3744 zur Differenzialdiagnostik bei Verdacht auf Colitis ulcerosa. Probenvorbereitung mittels Extraktionspuffer durchgeführt.

Besondere präanalytische Bedingungen müssen ebenfalls dokumentiert werden. Dies betrifft beispielsweise die geforderte zwölfstündige Nahrungskarenz vor der Bestimmung von CTX (β-Crosslaps) oder die exakte Gerinnungszeit von einer Stunde bei Raumtemperatur für die ECP-Bestimmung im Serum.

GOÄ 3744: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da die GOÄ-Ziffer 3744 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, ist der Gebührenrahmen stark eingeschränkt. Der Arzt kann die Leistung standardmäßig mit dem 1,15-fachen Regelhöchstsatz abrechnen. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur bei Vorliegen besonderer Erschwernisse zulässig und muss auf der Rechnung nachvollziehbar begründet werden.

Tipp: Typische Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung bei Laborleistungen sind eine extreme Viskosität des Probenmaterials (z. B. bei eitrigem Aszites) oder aufwendige manuelle Vorbereitungsschritte bei stark verunreinigten Stuhlproben.

Typische Ziffernkombinationen

Im Rahmen einer Sepsis-Diagnostik wird die analoge Bestimmung von Procalcitonin (Nr. 3744) häufig mit der Bestimmung des C-reaktiven Proteins (CRP) nach GOÄ-Nr. 3741 kombiniert. Diese Kombination ist zulässig, da beide Parameter unterschiedliche kinetische Eigenschaften aufweisen. Auch die Kombination mit einem großen Blutbild nach GOÄ-Nr. 3550 ist im klinischen Alltag eine sinnvolle Ergänzung.

Ziffer 3744 in der neuen GOÄ

Die Fibronectin-Bestimmung war in der alten GOÄ eine sehr breite Analogziffer (2,3-facher Satz: 30,16 €), unter der zahlreiche Entzündungsmarker, Gerüstproteine und weitere Analyten per Kommentar erfasst wurden. In der neuen GOÄ erhält jeder dieser Analyten eine eigene Ziffer:

Fibronectin

  • 12658 Fibronectin im Aszites: 18,09 €
  • 12758 Fetales Fibronectin im Zervikovaginalsekret (Abklärung drohende Frühgeburt, Schnelltestformat): 16,99 €

Entzündungsmarker (Stuhl)

  • 11743 Calprotectin (Stuhl), quantitativ zur Abklärung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen: 29,03 €. Neben 11742 oder 11746 nicht berechnungsfähig.
  • 11746 Laktoferrin (Stuhl), quantitativ zur Abklärung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen: 26,76 €. Neben 11742 oder 11743 nicht berechnungsfähig.
  • 12941 Pankreas-Elastase-1 (Stuhl) zur Abklärung exokriner Pankreasinsuffizienz: 25,61 €

Procalcitonin

  • 12707 Procalcitonin (quantitativer Immunoassay) aus Serum oder Plasma: 27,73 €. Neben 12763 nicht berechnungsfähig.
  • 12763 Procalcitonin, Schnelltest (Immunchromatographie, visuell-semiquantitativ): 18,45 €. Neben 12707 nicht berechnungsfähig.

Knochen- und Bindegewebsmarker

  • 12695 CTX (β-Crosslaps) zur Abklärung Osteoporose (Plasma): 31,96 €. Neben 12766 nicht berechnungsfähig.
  • 12708 Prokollagen-III-Peptid (P-III-P) zur Abklärung Leberzirrhose: 30,26 €
  • 12709 Prokollagen-I-N-terminales Propeptid (PINP) aus Serum oder Plasma: 34,89 €

Weitere Marker

  • 12697 Eosinophiles cationisches Protein (ECP) zur Verlaufsbeurteilung allergischer Erkrankungen: 23,48 €
  • 12703 Neopterin (Immunoassay) aus Serum/Plasma, Urin oder Liquor: 20,30 €. Neben 12762 nicht berechnungsfähig, wenn aus gleichem Material.

Für die Abrechnung gilt künftig: Die Dokumentation des bestimmten Analyten entscheidet über die neue Ziffer. Eine Sammelabrechnung unter einer Analogziffer entfällt.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3744

Ja, die Bestimmung von Calprotectin im Stuhl wird analog nach der GOÄ-Nr. 3744 in voller Höhe berechnet. Diese Analogbewertung ist betriebswirtschaftlich angemessen, auch wenn die Analyse als Einfachbestimmung erfolgt.
Eine Minderung auf zwei Drittel der Gebühr ist bei der Durchführung von Streifentests (wie dem zervikovaginalen Fibronectin-Test oder IGFBP-1) sowie bei der Immunnephelometrie mit abgespeicherter Bezugskurve erforderlich. Auch die semiquantitative Bestimmung von Procalcitonin mittels Streifentest wird mit zwei Dritteln der Gebühr abgerechnet.
Nein, eine routinemäßige parallele Abrechnung von Calprotectin (analog Nr. 3744), Laktoferrin (analog Nr. 3744) und Albumin im Stuhl (analog Nr. 3735) ist nicht gerechtfertigt. Da alle drei Parameter eine vergleichbare diagnostische Aussagekraft besitzen, ist die Nebeneinanderberechnung von Prüfstellen zu beanstanden.
Als Leistung des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) unterliegt die Nr. 3744 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-Fache der Gebühr, während der maximale Höchstsatz bei begründeten Fällen beim 1,3-Fachen liegt.
Die Bestimmung der Pankreas-Elastase-1 (PE-1) im Stuhl erfolgt analog nach der GOÄ-Nr. 3744 in voller Höhe. Vorbereitende Schritte wie das Homogenisieren und Zentrifugieren der Stuhlprobe sind mit dieser Gebühr bereits abgegolten.
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