Die Bestimmung von Chymotrypsin nach GOÄ 3787 gilt heute als obsolet. Erfahren Sie, wie Sie die moderne Pankreas-Elastase-1 rechtssicher analog abrechnen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3787
Chymotrypsin (Stuhl) - Punktzahl: 120
Die GOÄ-Ziffer 3787 beschreibt die quantitative oder qualitative Bestimmung des Enzyms Chymotrypsin im Stuhl. Diese Leistung ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 7 (Substrate, Metabolite, Enzyme) der Gebührenordnung verortet. Die Ziffer ist mit einer Punktzahl von 120 bewertet, was im einfachen Gebührensatz einem Honorar von 6,99 € entspricht.
In der historischen Laborpraxis diente dieser Parameter vor allem dem Nachweis einer eingeschränkten Funktion der Bauchspeicheldrüse. Da es sich um eine reine Laborleistung handelt, sind mit der Ziffer sämtliche labortechnischen Schritte von der Probenvorbereitung bis zur Befunderstellung abgegolten. Die Probenentnahme selbst ist nicht Teil dieser Ziffer.
GOÄ 3787 in der Praxis: Die obsolete Methode und moderne Alternativen
In der modernen Gastroenterologie hat die Bestimmung von Chymotrypsin im Stuhl ihren Stellenwert nahezu vollständig verloren. Der Parameter gilt heute als medizinisch obsolet, da das Enzym während der Darmpassage stark abgebaut wird. Dies führt insbesondere bei milden Formen der exokrinen Pankreasinsuffizienz zu einer unzureichenden diagnostischen Sensitivität.
An die Stelle des Chymotrypsins ist die Bestimmung der Pankreas-Elastase-1 getreten. Dieses Enzym ist im Darmkanal stabil und liefert hochpräzise diagnostische Ergebnisse. Da die Pankreas-Elastase-1 nicht explizit in der GOÄ aufgeführt ist, erfolgt die Abrechnung regelhaft über eine Analogbewertung.
Tipp: Rechnen Sie die moderne Bestimmung der Pankreas-Elastase-1 im Stuhl analog nach der GOÄ-Ziffer 3744 (Fibronectin) ab. Dies ist der rechtssichere Weg, um den aktuellen medizinischen Standard korrekt zu liquidieren.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3787
Da die Ziffer 3787 obsolet ist, zeigen die folgenden Beispiele den korrekten Übergang zur modernen Diagnostik und deren Abrechnung im Praxisalltag.
Fallbeispiel 1: Verdacht auf chronische Pankreatitis
Ein Patient stellt sich mit wiederkehrenden Oberbauchschmerzen und chronischen Durchfällen vor. Zum Ausschluss einer exokrinen Pankreasinsuffizienz veranlasst der Arzt eine Stuhluntersuchung. Statt des veralteten Chymotrypsins wird die Pankreas-Elastase-1 bestimmt. Die Abrechnung erfolgt analog nach GOÄ-Ziffer 3744a zum 1,15-fachen Satz.
Fallbeispiel 2: Abklärung einer Steatorrhö
Bei einem Patienten mit massivem Gewichtsverlust wird klinisch der Verdacht auf Fettstühle (Steatorrhö) geäußert. Zur differentialdiagnostischen Abklärung wird eine Stuhlprobe ins Labor gesandt. Das Labor bestimmt die Elastase-1, was der behandelnde Arzt als Analogabrechnung der Nr. 3744 mit 11,48 € (1,15-fach) in Rechnung stellt.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle unter Enzymsubstitution
Ein Patient mit bekannter exokriner Pankreasinsuffizienz benötigt eine Überprüfung seiner medikamentösen Enzymsubstitution. Da die exogene Zufuhr von Schweinepankreatin die Bestimmung der humanen Pankreas-Elastase-1 nicht beeinflusst, wird dieser Parameter gewählt. Auch hier wird die Analogziffer 3744a erfolgreich zur Abrechnung gebracht, während auf die obsolete Ziffer 3787 verzichtet wird.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3787: Was Prüfer beanstanden
Der häufigste Fehler im Zusammenhang mit dieser Ziffer ist die fortlaufende Abrechnung der GOÄ 3787 für veraltete Laborverfahren. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen Laborrechnungen zunehmend genauer. Da die Methode als überholt gilt, riskieren Praxen bei der direkten Abrechnung der 3787 eine vollständige Erstattungsverweigerung durch die Kostenträger.
Ein weiterer Fehler liegt in der fehlerhaften Kennzeichnung der Analogabrechnung für die Elastase-1. Wird die Ziffer 3744 ohne den zwingend erforderlichen Zusatz „analog“ auf der Liquidation ausgewiesen, führt dies bei der Rechnungsprüfung zu Beanstandungen. Der Vorwurf der Falschabrechnung kann in solchen Fällen leicht vermieden werden.
Achtung: Die direkte Abrechnung der GOÄ 3787 entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft gemäß § 1 Abs. 2 GOÄ. Nutzen Sie für die zeitgemäße Elastase-Diagnostik stets die Analogabrechnung.
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Dokumentation der GOÄ 3787: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament jeder rechtssicheren Abrechnung, insbesondere bei der Anwendung von Analogbewertungen. In der Patientenakte muss die medizinische Notwendigkeit der Untersuchung klar hervorgehen. Dazu gehören die Dokumentation der Leitsymptome wie chronischer Durchfall, Meteorismus oder Gewichtsverlust.
Zudem sollte in der Kartei explizit vermerkt werden, dass die modernere Elastase-Bestimmung anstelle des veralteten Chymotrypsin-Tests gewählt wurde. Dies erleichtert die Argumentation bei eventuellen Rückfragen der privaten Krankenversicherungen ungemein.
Dokumentation: V. a. exokrine Pankreasinsuffizienz bei chronischer Diarrhö. Veranlassung der Bestimmung von Pankreas-Elastase-1 im Stuhl. Abrechnung erfolgt analog Nr. 3744 GOÄ, da GOÄ 3787 medizinisch obsolet.
GOÄ 3787: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da Leistungen des Abschnitts M dem reduzierten Gebührenrahmen unterliegen, liegt der Regelhöchstsatz bei 1,15-fach. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3-fach ist nur in seltenen Ausnahmefällen denkbar. Als Begründung für einen erhöhten Aufwand müssen außergewöhnliche Umstände wie extreme logistische Verzögerungen oder schwierige Probenbeschaffenheiten detailliert dargelegt werden.
Typische Ziffernkombinationen
Im Rahmen einer umfassenden gastroenterologischen Abklärung wird die Bestimmung der Pankreas-Elastase-1 (analog 3744) häufig mit anderen Stuhluntersuchungen kombiniert. Typisch ist die gleichzeitige Anforderung von Calprotectin im Stuhl (analog GOÄ 3744) zum Ausschluss chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen. Auch die Beratung nach GOÄ-Ziffer 1 oder die symptombezogene Untersuchung nach GOÄ-Ziffer 5 sind regelmäßige Bestandteile des Behandlungsfalles.
Ziffer 3787 in der neuen GOÄ
Die Ziffer 3787 (Chymotrypsin (Stuhl)) hat im Entwurf der neuen GOÄ keinen direkten Nachfolger (bisher beim 2,3-fachen Satz: 8,04 €). Die Leistung ist im neuen Katalog nicht als eigenständige Gebührenziffer abgebildet.
Chymotrypsin im Stuhl ist obsolet.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3787
Was hat nicht gestimmt?